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Brück sorgt für Aufregung beim Kirchentag

Kirchengemeinde kommt mit Pferden und Spargel Brück sorgt für Aufregung beim Kirchentag

Die Brücker Kirchengemeinde fährt beim Evangelischen Kirchentag ein ordentliches Programm auf. Noch nie zuvor hat es dort eine Pferdewagenglockenprozession gegeben. Dafür wurde extra eine Glocke vom Turm geholt. Doch damit sind Kirchenmitglieder im Hohen Fläming beinahe allein, denn in anderen Kirchengemeinden ist das Interesse an dem Großevent gering.

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Johannes Siemoneit hat aus historischem Holz einen Glockenstuhl für die Prozession gebaut.

Quelle: privat

Brück. Wenn die Evangelische Kirche von Mittwoch bis Sonntag zum Kirchentag nach Berlin und Wittenberg lädt, sorgt die Kirchengemeinde Brück für positive Aufregung in der Bundeshauptstadt. Auf dem Gelände zwischen dem Brandenburger Tor und der Spree, an dem am Mittwoch der Abend der Begegnung stattfindet, gibt es erstmals in der Geschichte des Ereignisses eine Pferdeglockenprozession.

Auf einem Glockenwagen ertönt um 20 Uhr die Stifelglocke, die sonst im Brücker Glockenturm läutet. Zimmermann Johannes Siemoneit hat dafür eigens einen Glockenstuhl gefertigt. Das Gebälk wird erst am Mittwoch vor Ort aufgebaut. „Eigentlich haben wir für die Pferdeprozessionen eine kleinere Glocke“, sagt Pfarrer Helmut Kautz. Doch zu diesem Anlass habe man etwas Besonderes auffahren wollen.

Prozession nicht ohne bürokratischen Aufwand

Mit bis zu 200 000 Menschen rechnet der Pfarrer, die alle Augen auf die Kirchengemeinde richten könnten. Zwei Kaltblutpferde vom Hof der Brüder Haseloff werden vor den Glockenwagen gespannt. „Danach kommen unsere neuen sorbischen Freunde mit den ’Osterreitern’ und eine Trachtengruppe“, sagt Kautz. Anschließend fährt eine Postkutsche – und zuletzt folgen die Pferdeäpfelsammler. Zwei Stunden ziehen die Wagen samt Bläsern durch Berlins Straßen.

Dass die Prozession vor allem einen bürokratischen Aufwand vorab bedeute, damit hatte man in Brück nicht gerechnet. „In Berlin darf ein Pferdegespann gar nicht einfach einfahren“, erklärt der Geistliche. Viele Erklärungen habe er abgeben müssen. Etwa, dass die Tiere es gewohnt und bestens geeignet seien, eine Kutsche zu ziehen.

Pferde und Spargel – das ist typisch Brandenburg

Mehr als 40 ehrenamtliche Helfer aus der Region und der Gemeinde fahren nach Berlin, denn Brück präsentiert sich am Abend der Begegnung auch in Kooperation mit dem Spargelhof Klaistow und einer Michendorfer Religionsklasse. Dort bieten sie gemeinsam 1000 Portionen Spargelsalat an. Kautz ist sich sicher: Pferde und Spargel – das ist typisch Brandenburg.

Die Kirchentagsbesucher können in Berlin vom leckeren Spargelsalat essen

Die Kirchentagsbesucher können in Berlin vom leckeren Spargelsalat essen. 1000 Portionen bringt die Kirchengemeinde mit.

Quelle: privat

Während des Kirchentags gibt es darüber hinaus in Berlin zahlreiche Massenunterkünfte. Für exakt 119 Gäste ist die Brücker Kirchengemeinde in einer Zehlendorfer Schule zuständig. Das bedeutete im Vorfeld viel Planung und eine Hygieneschulung für die jugendlichen Helfer. „Es gibt irre Vorschriften, die sich über die vielen Jahre entwickelt haben“, sagt Kautz. Beispielsweise dürften in den Räumen nur Tische, aber keine Stühle platziert werden. Hätte die Gemeinde um die Arbeit gewusst, vielleicht wäre das Programm auf dem Kirchentag etwas schmaler ausgefallen. Dennoch meint der Pfarrer es sei wichtig, Präsenz zu zeigen. Er spricht von einem Gemeinschaftserlebnis. Kautz verstehe aber auch, wenn sich manche Gemeinden nicht beteiligen.

Die Helfer der Kirchengemeinde Brück wurden von Gottfried Schramm (r) in die Vorschriften zur Unterkunftsbeherbergung eingeführt

Die Helfer der Kirchengemeinde Brück wurden von Gottfried Schramm (r.) in die Vorschriften zur Unterkunftsbeherbergung eingeführt.

Quelle: privat

So ist das Interesse ausgerechnet im Pfarrbereich Niemegk beispielsweise eher gering. Einen Grund sieht der zuständige Pfarrer, Daniel Geißler, in der räumlichen Nähe zu Wittenberg, dem zweiten Veranstaltungsort. „Je näher die Menschen an der Lutherstadt wohnen, desto weniger hatten sie Lust auf den Kirchentag“, sagt er. Einige hätten Sorgen um die Sicherheit, andere würden Massenveranstaltungen schlichtweg nicht mögen. Das gelte auch für den Feststandort Berlin.

Helfer beim Verteilen des Abendmahls

Der Pfarrer selbst ist kein „großer Kirchentagsgänger“. Eine wunderbare Erfahrung möchte er der Veranstaltung aber nicht absprechen – im Mittelpunkt steht die Begegnung. Wohl auch deshalb und wegen des Reformationsjubiläums fahren Geißler und einige Gemeindemitglieder dem übrigen Desinteresse zum Trotz mit vollgepackten Picknickkörben zum Finale des Kirchentages nach Lutherstadt Wittenberg auf die Elbwiesen. Dort steht das Reformationspicknick auf dem Plan. Bange um ausreichend Plätze im georderten Bus braucht der Pfarrer nicht zu haben. „Momentan haben wir eher das Problem, ihn zu füllen“, sagt er und lacht. Insgesamt sind elf Mitglieder aus den Gemeinden Hohenwerbig, Haseloff, Niemegk und Borgsdorf dabei, um vor Ort mit den Kirchentagsgängern ins Gespräch zu kommen und beim Festtagsgottesdienst das Abendmahls zu verteilen.

Gemeindemitglieder jenseits der 70 Jahre

Marzahna und Feldheim zählen aufgrund der historischen Einordnung sogar zum Kirchenkreis Wittenberg. Dennoch verzichten die Gemeindemitglieder auf den Wirbel rund um den Kirchentag. Die meisten Besucher der Gottesdienste seien jenseits der 70 Jahre, erklärt die zuständige Pfarrerin Ute Schollmeyer. „Jüngere Menschen, die aus der Region daran teilnehmen möchten, fahren sicher allein“, sagt Schollmeyer. Dafür findet der Gottesdienst in der Feldheimer Kirche am Sonntag immerhin in Anlehnung an das Kirchentagsmotto „Du siehst mich“ statt.

Ein imposantes Stück Bad Belzig findet sich am Himmelfahrtstag in Lutherstadt Wittenberg. Der David-Chor führt gemeinsam mit dem Köthener Bachchor das Davidoratorium des Belziger Komponisten Carl Gottlieb Reißiger in der Schlosskirche auf. Seit Jahresbeginn laufen die Proben. Damit alle Töne gefunden werden und die Texte sitzen, hat es viele Stunden gebraucht. Schließlich müssen über 80 Sängerinnen, sechs Solisten und das Orchester harmonieren.

Der 36. Evangelische Kirchentag

Der 36. Evangelische Kirchentag findet vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin und Lutherstadt Wittenberg unter dem Motto „Du siehst mich“ statt. Er steht unter dem Zeichen des Beginns der Reformation vor 500 Jahren.

Er versteht sich als Forum für Laien, er will Christen zusammenführen und im Glauben stärken.

100 000 Dauerteilnehmer besuchen den Kirchentag, 45 000 zusätzliche Tagesgäste werden täglich erwartet. Dabei sind bis zu 100 Nationen vertreten. 5 500 ehrenamtliche Helfer kümmern sich um einen reibungslosen Ablauf.

Es gibt insgesamt 2500 Veranstaltungen – geistliche, politische und kulturelle. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen am 25. Mai über Weltverantwortung und Politik vor dem Brandenburger Tor.

Drei große Gottesdienste am Brandenburger Tor, Platz der Republik und Gendarmenmarkt eröffnen den Kirchentag. Im Anschluss gibt es ein Straßenfest mit bunten Ständen und Mitmachaktionen. Daran nimmt auch das Pfarramt Brück teil und kredenzt 1000 Portionen Spargelsalat.

Auf über 400 Konzerten kommt Festival-Atmosphäre auf. Unter anderem sorgen Wise Guys, Max Giesinger oder die Berliner Symphoniker für Musik.

Das Finale des Kirchentags findet vor den Toren Wittenbergs auf den Elbwiesen mit Blick auf die Schlosskirche statt. Menschen aus aller Welt kommen am 27. Mai, um die „Nacht der Lichter“ um 21 Uhr zu erleben und anschließend unter freiem Himmel zu übernachten. Sonntag um 12 Uhr beginnt der Festgottesdienst, der musikalisch von tausenden Blechbläsern, einem Chor mit Orchester und einer Band mitgestaltet wird. Das Abendmahl beim finalen Gottesdienst verteilen 2400 ehrenamtliche Helfer von bis zu 250 Abendmahlstischen.

Anschließend gibt es das Reformationspicknick, bei dem 600 Gemeinden mitwirken und samt vollgepackter Körbe kommen.

Von Christin Iffert

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