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Brück Asbest mitten im Wohngebiet – und die Behörden schauen weg
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Asbest mitten im Wohngebiet – und die Behörden schauen weg
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17:28 15.03.2019
Nur wenige Meter von Jürgen Fröschlers Haus und Garten entfernt liegen die beschädigten Asbestplatten mit der freiliegenden asbesthaltigen Wolle. Quelle: Johanna Uminski
Borkheide

Jürgen Fröschler genießt die frische Luft und die Naturnähe in der Waldgemeinde. Der gebürtige Werderaner fühlt sich in Borkheide sehr wohl, kaufte 2015 ein Haus im Tränkeweg 28.

Doch die Waldidylle täuscht nicht darüber hinweg, dass das, was auf dem angrenzenden Grundstück liegt, nicht dort hingehört.

Auf einem herrenlosen Grundstück unweit des Borkheider Tränkewegs türmen sich seit Jahren Müllberge. Darunter auch alte Asbestplatten. Anwohner Jürgen Fröschler kämpft dagegen an – bisher erfolglos.

 

Bergeweise Bauschutt türmt sich auf, leere Tonnen liegen daneben, zerbrochene Scheiben sind überall verteilt und beschädigte Asbestplatten bieten ein Bild der Verwüstung.

Nur dem beherzten Engagement des 60-Jährigen ist es zu verdanken, dass das Grundstück mittlerweile umzäunt und ein Teil des Mülls beseitigt wurde. Doch die asbesthaltigen Platten und großen Mengen asbesthaltiger Dämmwolle wurden bis heute nicht weggeräumt.

Autoteile neben Chemikalien-Fässern

Entschieden steht Jürgen Fröschler neben den Müllbergen. „Das Grundstück wurde viele Jahre als Müllkippe genutzt – viele Borkheider wissen das auch“, berichtet er. Der Zustand auf dem Nachbargrundstück war bei seinem Einzug 2015 noch erheblich schlimmer.

„Neben dem baufälligen Stallgebäude aus Asbestplatten, Bauschutt, Fenstern, Glasplatten und Bauholz lagen hier noch Autoreifen, Autoteile, Fässer mit Chemikalien und Kunststoffbehälter“, berichtet der 60-Jährige. Zunächst machte er sich auf die Suche nach dem Grundstücksbesitzer.

Nachdem der private Eigentümer verstarb, überging Ende 2015 das etwa 2600 Quadratmeter große Gelände an die Bundesrepublik Deutschland. Verwaltet wird das Grundstück seitdem von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Potsdam.

Nachdem der Eigentümer ermittelt wurde, hoffte Jürgen Fröschler endlich auf eine Lösung. Etwas Bewegung kam tatsächlich in die Geschichte. Ende April 2016 beauftragte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben eine Fremdfirma, die einen Teil des Mülls abholte. Auch der Zaun wurde erneuert.

Amt Brück wimmelt Fröschler ab

„Die Firma hat aber nur den Müll geräumt, der von der Straße aus gut erreichbar ist“, berichtet Fröschler. Ein Schreiben an das Amt Brück brachte auch keine Lösung. Der Borkheider beruft sich im Amt auf das Ordnungsbehördengesetz (OBG).

Dort heißt es in Paragraf 1, Absatz 1: „Die Ordnungsbehörden haben die Aufgabe, Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwehren.“

Doch das Amt Brück wimmelt den Borkheider ab. In einem Schreiben vom 28. November 2017 teilt die Behörde mit, dass sie das Anliegen von Jürgen Fröschler an die Untere Abfallwirtschaftsbehörde beim Landkreis Potsdam-Mittelmark und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben weiterleitet. Abschließend heißt es in diesem Schreiben: „(...) ich bitte Sie, sich für weitere Fragen zum Sachverhalt dorthin (Anm. Red: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) zu wenden.

Lagerung in gekennzeichneten Behältern

Laut Bundesamt für Umwelt ist die konkrete Entsorgung asbesthaltiger Abfälle durch Vorschriften der Bundesländer geregelt, die sich in Details unterscheiden können.

Die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft „Laga“ hat hierzu eine Vollzugshilfe herausgegeben, die immer wieder aktualisiert wird.

Dort ist unter anderem vermerkt: „Die Lagerung asbesthaltiger Abfälle bedarf in Abhängigkeit von der zu lagernden Abfallmenge einer Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz oder nach dem Baurecht. Die Lagerung hat geschützt vor Witterungseinflüssen und mechanischen Beanspruchungen in geeigneten und gekennzeichneten Behältnissen zu erfolgen, so dass keine Asbestfasern freigesetzt werden.“

Die Abfallwirtschaft Potsdam-Mittelmark (APM) hat hierzu ebenfalls ein Merkblatt zur Entsorgung von Asbest herausgegeben. Dort steht: „Asbesthaltige Stoffe dürfen nicht verkauft oder verschenkt, gelagert, bearbeitet, wieder eingebaut oder in anderer Weise verwendet werden. Verstöße gegen dieses Verbot stellen eine Straftat dar.“

Jürgen Fröschler ließ nicht locker und schrieb erneut die Bundesanstalt an. Deren Antwort überraschte den Borkheider nicht.

In dem Schreiben vom 15. August 2018 heißt es: (...)Nach der Besichtigung vom 05.06.2018 sind wir auch weiterhin der Auffassung, dass es sich bei der Liegenschaft nicht um eine Müllkippe handelt und keine akute Gefahr davon ausgeht. Asbest ist chemisch sehr beständig, unempfindlich gegen Hitze und nicht brennbar. Von der Lagerung der Platten geht m.E. keine Lebensgefahr aus. (...) Eine rechtliche Verpflichtung zum sofortigen Handeln sehe ich nicht.“

Warum sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Amt Brück den „schwarzen Peter“ gegenseitig zuschieben, liegt für Jürgen Fröschler klar auf der Hand. „Bei der Lagerung handelt sich um circa 35 Kubikmeter alte, beschädigte Asbestplatten und Asbestdämmstoffe – bei den aktuellen Entsorgungspreisen würde das etwa 45.000 Euro kosten.“

MAZ-Anfragen blieben unbeantwortet

Viel Geld, das wohl weder die Gemeinde noch der Bund aufbringen wollen. Bis dahin liegen die beschädigten Asbestplatten weiter offen herum. „Die Asbestfasern, die sich lösen, bleiben ja nicht nur auf dem Grundstück.“

Der Zaun weist mittlerweile auch eine offene beschädigte Stelle auf, sodass das Grundstück wieder frei zugänglich für Kinder und Jugendliche ist.

Das Verhalten der Behörden und Ämter findet der Borkheider unverantwortlich. „Unsere Kinder und Enkelkinder können uns vorwerfen, welche Scheiße wir hier gebaut haben.“

MAZ-Anfragen zur Problematik bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der Unteren Abfallwirtschaftsbehörde des Landkreises sowie dem Amt Brück blieben bislang unbeantwortet.

Von Johanna Uminski

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