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Brück Kirche in Brück-Gömnigk bekommt Läute-Ordnung
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Kirche in Brück-Gömnigk bekommt Läute-Ordnung
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15:42 20.04.2018
Fürs Foto läutet der evangelische Pfarrer von Brück, Helmut Kautz, die Glocken der Gömnigker Kirche auch von Hand. Quelle: Andreas Koska
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Brück-Gömnigk

 Die Sonne geht langsam unter, die kleine Feierabendglocke ruft die Bauern vom Feld, wie jeden Tag um 18 Uhr. Auf der Wiese unter dem Turm der Kirche in Brück-Gömnigk sitzen 20 Menschen und lauschen dem Klang der Glocke. Wegen ihr und ihrer größeren Schwester brüten sie über eine Läute-Ordnung für die Gömnigker Kirche. So etwas hat es dort bislang nicht gegeben, solche Ordnung ist überhaupt recht selten.

So klingt die Kirche in Brück-Gömnigk:

Hoerbeispiel_Glocke (590,8 kB)

Wie mit einer Sage

Warum muss die Gemeinde eigentlich regeln, zu welchem Anlass und wie lange welche der beiden Glocken schlagen soll? „Bisher ist so etwas nirgends festgeschrieben, auch in den anderen Gemeinden des Sprengels nicht“, sagt Pfarrer Helmut Kautz. Nach dem Tode der beiden Gemeindeglieder, die sich um das Läuten gekümmert hatten, „sollten wir das nun schriftlich festhalten.“

Über Generationen hatte die Gemeinde das Wissen weitergereicht, ohne dass es niedergeschrieben werden musste. Es ist wie mit einer Sage, die irgendwann jemand auf Papier festhält, damit sie für alle Ewigkeit bestehen bleiben kann.

Glocken stammen aus Apolda

Im Gömnigker Kirchturm hängen zwei Stahlglocken, die 1923 im thüringischen Apolda gegossen worden sind. Die große Glocke hat einen Durchmesser von 98 Zentimetern, wiegt 425 Kilo und schlägt den Ton A an. Die kleine wiegt 225 Kilo , hat nur 84 Zentimeter Durchmesser und erzeugt den Ton D.

Bis 1977 wurden die Glocken per Hand und Zug in Gang gesetzt, danach war die Kirche baupolizeilich gesperrt. 1995 feierten die Gömnigker die Sanierung ihres Gotteshauses. Zugleich haben sie ihrer Kirche ein elektrisches Läutwerk gegeben. Anstelle des Glockenseiles muss man heute nur einen Schalter umlegen. Die Technik macht inzwischen vieles möglich. „Wir haben zwei Zugänge mit 50 Einstellungen“, sagt Dirk Heinrich. Der Gömnigker hat sich eingehend mit dem Läutwerk beschäftigt.

Um eine Grundlage für das Gespräch zu schaffen, hatte sich Frank Schulze mit einem Entwurf für die Läuteordnung beschäftigt. Den legt er der Runde an diesem schönen Frühlingsabend nun vor. Dabei orientierte sich Schulze sowohl an den Traditionen im Dorf als auch an den gewissen Vorschlägen der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Gertrud Nebel hatte immer wieder beim Läuten ausgeholfen, wenn die Verantwortlichen verhindert waren. Sie weiß genau, wann und wie lange geläutet worden ist. So ist täglich um 18 Uhr zum Feierabend drei Minuten lang die kleine Glocke erklungen. Zum Gottesdienst rufen stets beide Glocken vier Minuten vor Beginn die Gemeinde herbei.

Die Gemeinde gibt sich die Läuteordnung

Die Läuteordnung beschreibt das Glockengeläut einer Kirche, also welche Kirchenglocken zu welchem Anlass gemeinsam oder einzeln erklingen, heißt es im entsprechenden Beitrag bei Wikipedia.

In der Regel gibt sich die Kirchengemeinde eine Läuteordnung.

Das Vorläuten zum Beispiel geht dem eigentlichen Hauptläuten vor Beginn des Gottesdienstes voraus.

Dabei können Kirchenjahreszeit, Rang des Tages oder der Gottesdienstform eine Rolle spielen.

Solche Unterschiede wird es nicht mehr geben. Bei fast allen Anlässen sollen die Glocken fünf Minuten lang erklingen. Einzig große Feiertage und besondere Ereignisse wie Taufen, Hochzeiten oder die Konfirmation werden zehn Minuten lang angekündigt. Bei einer Beerdigung sollen die Glocken bis zur Grablege erklingen.

Von einem Todesfall in der Gemeinde künden die Glocken am Folgetag um 8 Uhr, und zwar in einem festgesetzten Intervall: fünf Minuten Geläut, fünf Minuten Pause und dies drei Mal. „Wenn jemand stirbt, bekommt der Pfarrer oder der Kirchenälteste Bescheid“, erläutert Dietmar Schemel, der dem Gemeindekirchenrat angehört. „In letzter Zeit war ich das immer und dann wird geläutet, alles ist lösbar und es war bisher machbar.“

Ostern um 0 Uhr läuten

In der Runde kommen auch neue Ideen auf. So könnte neben dem Neujahreinläuten auch Ostern um 0 Uhr am Ostersonntag geläutet werden. „Das war früher immer so“, sind sich Gertrud Nebel und der Ur-Gömnigker Günter Lichtler einig.

Auch möchten die Versammelten, dass stets die kleine Glocke erklingt, wenn in der Kirche das „Vater unser“ gebetet wird. „So kann es jeder im Ort hören und das Gebet zu Hause mitsprechen“, wirbt Pfarrer Kautz für seinen Vorschlag.

Erhalten bleiben die weltlichen Anlässe. Weiterhin werden die Gömnigker Glocken „Sturm läuten“, wenn Feuer, Hochwasser oder andere Gefahren drohen. Die Runde in der Abendsonne ist sich einig. Das letzte Wort hat nun der Gemeindekirchenrat. Da einige aus dem Gremium in der Runde sitzen, ist man gewiss, dass der Rat den Vorschlag beschließt und Brück-Gömnigk mit der ersten Läute-Ordnung weit und breit Geschichte schreibt.

Von Andreas Koska

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