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Brück Gottes Achteck hat einen Zwilling
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Gottes Achteck hat einen Zwilling
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07:09 05.12.2018
Birgit Basigkow ist die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Quelle: Christine Lummert
Golzow

Wie genau der Vorgängerbau der Golzower Kirche aussah, ist nicht überliefert. Es soll ein Langhaus aus Feld- und Backsteinen gewesen sein, so wie sie in der Region in fast allen Dörfern zu finden sind. In jedem Fall war er aber nicht so außergewöhnlich wie der achteckige Barockbau, der jetzt auf dem Kirchberg in der Ortsmitte thront.

Ohne den Griff der preußischen Könige in die Kasse wäre dieses Gotteshauses wohl kaum errichtet worden. Hoch über Golzow thront das Achteck heute noch stolz und selbstbewusst.

Dass die Golzower überhaupt eine neue Kirche benötigten, ist einem tragischen Ereignis geschuldet. Im Pfingstgottesdienst 1733 war der Pfarrer mitten in seiner Predigt, als der Blitz einschlug. Vier Menschen wurden sofort getötet, 40 weitere erlitten Verletzungen.

Mit notdürftigen Reparaturen versuchten die Golzower zuerst noch zu retten, was nicht zu retten war. Einige Jahre lang mussten die Dorfbewohner für Gottesdienste, Trauungen und Taufen sogar in ein Gasthaus ausweichen, bevor an den Bau einer Kirche überhaupt gedacht werden konnte.

Gute Beziehungen zur preußischen Königsfamilie

Der Kirchenpatron Friedrich Wilhelm von Rochow (1689-1759) pflegte zwar gute Beziehungen zur preußischen Königsfamilie. Er diente schon unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.. Auch dessen Sohn Friedrich II. schätzte ihn. Vielleicht nicht zuletzt, weil von Rochow mit Henrietta Sophie von Katte verheiratet war, der Schwester des zum Tode verurteilten Hans Hermann von Katte.

Schon 1737 bewilligte der Soldatenkönig, dass das für den Kirchenneubau benötigte Holz kostenfrei aus dem Lehniner Forst zur Verfügung gestellt wurde. Trotzdem waren Patronatsherr und Kirchengemeinde so schlecht bei Kasse, dass auch Friedrich II. den Golzowern mit einer landeskirchlichen Kollekte unter die Arme greifen musste, um Bewegung in das Bauvorhaben zu bringen. Im Jahr 1745 kamen so 1213 Taler zusammen. Der Grundstein konnte trotzdem erst 1750 gelegt werden.

Offene Kirche in Golzow

In den Sommermonaten steht die Golzower Kirche für Besucher offen.

Sonst können Gäste entweder im Pfarrhaus, gleich gegenüber der Kirche, oder sich im Geschäft von Familie Gottschalk unmittelbar neben dem Kirchberg, nach dem Schlüssel fragen.

Im nächsten Jahr wird der achteckige Barockbau zur 800-Jahr-Feier der Gemeinde Golzow immer wieder Ort für verschiedene Veranstaltungen sein. In diesem Rahmen ist für den 10. März ein großer Festgottesdienst geplant.

Zeit genug, um außergewöhnliche Ideen für ihr Gotteshaus zu entwickeln, hatten Kirchenpatron und Gemeinde so aber auf jeden Fall. Inspiration für die Form gab es wohl vom Vorbild der Dreifaltigkeitskirche, für die 1737 der Grundstein in der Berliner Friedrichstadt gelegt wurde. Zu sehen ist von diesem barocken Sakralbau nichts mehr. Er wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Die große Schwester in Berlin gibt es nicht mehr, einen kleinen Zwilling hat die Golzower Kirche aber immer noch in der Hauptstadt. In Zehlendorf steht ebenfalls eine oktogonale Kirche, für die mit ganz großer Wahrscheinlichkeit das Gotteshaus an der Plane Pate stand. Der Baumeister der Golzower Kirche hat seine Fachkenntnis nämlich an seinen Sohn weitergegeben und der wurde für den Bau der Zehlendorfer Kirche engagiert.

Platz für 500 Menschen

Ganz so groß ist das Berliner Pendant allerdings nicht geworden. Von der Grundmauer bis zur Turmspitze erhebt sich die Golzower Kirche 25 Meter hoch. 500 Menschen finden im Innenraum Platz und das auf drei Etagen. Bis auf den Platz, den die hohe Altarwand mit Kanzel und dahinter versteckter Orgel einnimmt, und die direkt gegenüberliegende, wuchtige Patronatsloge, umläuft eine zweigeschossige Empore das Innere.

Die Aussicht von oben ist eindrucksvoll. Im zweiten Geschoss können Kirchenbesucher dem Patronatsehepaar zudem direkt in die Augen sehen. Dort schmücken zwei Portraitmedaillons und das Rochowsche Wappen den Innenraum.

Eine sehr gute Akustik

„Besonders für Konzerte eignet sich unsere Kirche sehr gut, denn durch die außergewöhnliche Form kommen wir eigentlich immer ohne verstärkende Technik aus und gastierende Künstler loben die gute Akustik“, sagt Birgit Basigkow, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats. Nur mit den Tönen ihrer Orgel konnten die Golzower einige Zeit keinen Blumenstrauß gewinnen. „Jetzt konnten wir aber 26.000 Euro in eine Generalüberholung investieren und zu Ostern klang sie wieder in den schönsten Tönen.“

In den Kirchenbau wurde zuletzt in den 1980er Jahren richtig viel Geld gesteckt. Vom Außenputz über die Erneuerung der Elektrik, vom Einbau neuer Fenster und Türen sowie der Restaurierung des Innenraums blieb fast nichts unangetastet. Laut Golzower Chronik wurden insgesamt 180.000 Mark aus kirchlichen und staatlichen Mitteln in das Gotteshaus investiert. Gut zehn Jahre später wurde dann noch das Dach neu gedeckt.

Die Golzower Kirche steht also insgesamt gut da und das muss sie auch. Schließlich feiert der Ort im kommenden Jahr sein 800. Jubiläum und der Termin für den Festgottesdienst ist schon anberaumt. Am 10. März sind alle zum Mitfeiern eingeladen.

Von Christine Lummert

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