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Brück Gottesdienst für den Schutzpatron der Jäger
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Gottesdienst für den Schutzpatron der Jäger
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17:45 04.11.2018
In der waidmännisch dekorierten Kirche zu Linthe ist Hubertusmesse gefeiert worden. Die Predigt hielt Pfarrer Dirk Matthies. Quelle: Christiane Sommer
Linthe

„Wer heute nur zufällig hier ist, der hat es schon gemerkt. Wir wollen die Hubertusmesse feiern“, sagt Pfarrer Dirk Matthies am Sonnabend in der Linther Kirche. Mehr als 70 Besucher sitzen ihm gegenüber. Unter ihnen viele Jäger. Die Kirche ist mit Herbstlaub, Tannengrün und Jagdtrophäen geschmückt.

Mit Blick auf die stattliche Trophäe eines Rothirsches sagt der Pfarrer „wenn ich mir vorstelle, dass der neben mir steht, ein bisschen Bange wird mir da schon“. Die Predigt hält er vom Pult aus. Die Kanzel ist besetzt. Zwei ausgestopfte Marder blicken von dort oben herab auf den Pfarrer, die Gottesdienstbesucher, den Linther Chor „Zwei Klang“ und die Jagdhornbläser „Freunde der Jagd“. Sie begleiten den Gottesdienst musikalisch.

Eingangs erzählt Matthies die Legende vom Heiligen Hubertus. So wie sich die Geschichte zugetragen haben könnte: Ein junger Mann aus dem Adel, der eigentlich eine Traumkarriere vor sich hat, stürzt nach dem Tod seiner Ehefrau in eine tiefe Lebenskrise. Um das Trauma zu verarbeiten, flieht er in die Wälder. Eines Tages stellt er einem Rothirsch nach, „um mal wieder eine anständiger Gulaschsuppe zu bekommen“, sagt Matthies.

Schutzpatron der Jäger

Der Heilige Hubertus (um 655 - 727) war Sohn des Herzogs Bertrand von Toulouse.

Nachdem seine Frau Floribana im Kindbett gestorben war, stürzte er sich, um den Schmerz zu vergessen, in weltliche Vergnügungen.

Als er am Karfreitag jagte, erschien ihm ein Hirsch mit goldenem Kreuz zwischen dem Geweih. Aus dem sprach Jesus zu ihm.

Tief betroffen suchte Hubertus den Bischof Lambert auf und ging nach Rom zum Papst.

Später wurde er Bischof von Tongern und Maastricht. Er starb in Lüttich.

Heute gilt Hubertus als Schutzpatron der Jäger. Der Hubertustag ist der 3. November.

Die Hubertusmesse wird als Erntedankfest der Jäger bezeichnet.

Als er dem Tier ganz nah ist, spricht Jesus aus dem Geweih zu ihm: „Hubertus ist baff, fällt auf die Knie“, erzählt der Pfarrer weiter. Nach diesem Erlebnis reist Hubertus nach Rom, wird Bischof, später heilig gesprochen und als Schutzpatron der Jagd verehrt. „Die Geschichte klingt wie ein Märchen“, findet der Geistliche und zieht Parallelen in die Gegenwart. Obgleich es keine Biografie von Hubertus gibt, könnte er bei seinem Entschluss in die Wälder zu gehen, von der Sehnsucht nach einer Rückkehr zur Natur getrieben worden sein.

Die Jagd als Lebensphilosophie

„Etwas von dieser Sehnsucht liegt auch in uns“, glaubt der Geistliche und spricht damit nicht nur den Jägern aus den Herzen. Nach dem Gefühl, der Natur nah zu sein, sehnen sich viele Menschen. Erfüllung finden sie bei einem Ausflug ins Grüne, beim Pflegen der Balkonpflanze oder der Topfpflanze im Büro. Und der Jäger? Halt auf der Jagd.

Auch die Linther Jagdhornbläser begleiteten die Hubertusmesse. Quelle: Christiane Sommer

Nach Gesang und Bläsermusik tritt Heike Gassner-Schäl ans Pult. Sie hält die Laienansprache und erzählt aus dem Leben einer Frau an der Seite eines Jägers. Als sie Ehemann Thomas vor 26 Jahren kennen lernte, war die Jagd für sie noch ein Buch mit sieben Siegeln. Mittlerweile sind die beiden seit 15 Jahren verheiratet und haben drei Kinder.

Die Jagd, so die Groß Marzehnserin, sei eine Lebensphilosophie für ihn. Viel mehr als nur ein Hobby „und hoffentlich nur seine zweite große Liebe“. Frau und Kindern hat Thomas Schäl viel von seinem jagdlichen Wissen vermittelt, das er wiederum vom Vater und vom Großvater erlernt hat. Vom Fährten lesen über das abendliche Ansitzen bis hin zum Verblasen der Strecke.

Die Frau an der Seite eines Jägers

Doch zurück zum Leben einer Frau an der Seite eines Jägers. Heike Gassner-Schäl sagt, es sei nicht immer leicht, mit dem Mond und Diana, der Göttin der Jagd, in andauernder Konkurrenz zu leben. Lockt der Mond mit schönstem Büchsenlicht, „kann Frau machen was sie will, ihren Mann kann sie nicht halten“, so die Erfahrung der Jägersfrau. Von Diana weiß sie zwischenzeitlich, dass dieselbe auch als Beschützerin der Frauen gilt. Für Eifersucht gebe es also keinen Grund. Deshalb empfiehlt sie, den Männern – so sie wieder einmal stundenlang auf der Pirsch waren – kein schlechtes Gewissen zu machen. Versehen die Jäger, von der Sehnsucht zur Natur getrieben, mit der Jagd doch eine Arbeit, bei der es um Regulierung und Balance geht, sagt Heike Gassner-Schäl.

Geselliger Ausklang im Gasthof

„Ich habe schon viele Hubertusreden gehört. Diese war ohne Zweifel die charmanteste“, sagt Pfarrer Dirk Matthies später und bekennt, dass das Leben einer Jägersfrau gewisse Parallelen zum Leben einer Pfarrfrau aufweist.

Nachdem die Jagdhornbläser die Gottesdienstbesucher mit dem vor der Kirche vorgetragenen Werk „Auf Wiesersehen“ hinausbegleiteten, klang der Hubertusabend für viele Jagdfreunde noch in gemütlicher Runde im Gasthaus Linther Hof aus.

Von Christiane Sommer

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