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Potsdam-Mittelmark Brücke für Reh, Fuchs und Hase
Lokales Potsdam-Mittelmark Brücke für Reh, Fuchs und Hase
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18:48 17.10.2016
Diese Elchkuh lief am 9. Juni 2014 über die Grünbrücke an der A 13 bei Teupitz. Kurz danach folgte ihr Kalb. Quelle: Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde
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Beelitz

Sie soll Wildtieren den gefahrlosen Gang über die Autobahn ermöglichen und auch das Leben der Autofahrer sicherer machen: Der Bund baut für 4,5 Millionen Euro eine neue Grünbrücke über die A 9. Die Arbeiten am Überweg, der zwischen den Autobahnabfahrten Beelitz und Beelitz-Heilstätten entsteht, haben begonnen und sollen bis September 2018 abgeschlossen werden. Die Wildbrücke wird zwischen 50 und 60 Metern breit sein. „Bepflanzt wird sie mit Sträuchern und Bäumen wie Feldahorn und Ebersche, die relative klein bleiben“, sagt der Beelitzer Stadtförster Martin Schmitt: „Um die Angst zu nehmen, soll das Wild die Brücke wie einen natürlichen Übergang wahrnehmen.“

Der Förster ist für die Waldgebiete im Umfeld zuständig und begrüßt den Start der Arbeiten. „Als Naturfreunde haben wir auf den Bau der Grünbrücke gehofft“, sagt er und widerspricht jenen, die den Überweg für Hirsch, Reh, Hase und Co. für Geldverschwendung halten. „Das ist eine gute naturschutzfachliche Geldanlage, die auch den Autofahrern etwas bringt“, so Schmitt. Er plädiert für eine Rechnung, die alle Kosten einbezieht. Schwere Autobahnunfälle kosten viel Geld und auch Menschenleben. So sieht es auch Kornelia Dobiáš, die Leiterin der Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft beim Brandenburger Landesforstbetrieb: „Jedes Wildtier, das über die Brücke wechselt, steht nicht auf der Straße und ist damit keine Gefahr für Autofahrer mehr“, sagt sie.

Die Grünbrücke entsteht zwischen Beelitz und Beelitz-Heilstätten und soll über die A 9 führen. Der Beelitzer Stadtförster Martin Schmitt an der Baustelle. Quelle: Jens Steglich

Gebraucht wird der Autobahn-Überweg auch für gesunde Wildpopulationen, sagt der Förster. „In flachen Ländern wie Brandenburg zerschneiden Autobahnen die Landschaft und Lebensräume der Tiere und damit einher geht eine genetische Verarmung, weil kein Austausch mehr zwischen den großen Wildpopulationen stattfindet“, so Schmitt. In bergreichen Gegenden im Süden der Republik gebe es genug natürliche Querungsmöglichkeiten – durch Autobahntunnel oder Täler, über die Autobahnbrücken führen. Laut Schmitt geht es im Fall der Beelitzer Grünbrücke um eine Vernetzung des Wildkorridors Südbrandenburg, der sich von der Grenze zu Polen bis nach Sachsen-Anhalt erstreckt. „Die A 9 und die A 13 zerschneiden diesen Korridor.“ Wie die neue Grünbrücke ab 2018 genutzt wird, soll eine Kamera festhalten. Bereits vorhandene Wildüberwege über die A 9 bei Niemegk und über die A 13 werden von Wildtieren rege genutzt, wie Kameraüberwachungen zeigen. Zahlen liegen etwa für die A-9-Grünbrücke bei Niemegk vor, wo zwischen dem 20. September 2012 und dem 31. Dezember 2015 7386 Wild-Querungen registriert wurden. Das sind durchschnittlich 231 Tierquerungen pro Beobachtungsmonat und acht pro Tag. Die Tendenz ist steigend. In den vergangen zwölf Monaten bis Ende 2015 hat sich die Zahl der Nutzungen durch Wildtiere verdoppelt.

Besonders häufig lief Damwild über die Brücke bei Niemegk – 5603 Querungen hielten die Kameras fest. Auf Platz zwei landet das Rehwild mit 706 Querungen. Wildschweine wurden 421 Mal gesichtet und Rotfüchse 350 Mal. Bei den Wildschweinen ist es besonders auffällig, dass sie einige Zeit benötigten, um sich an die Grünbrücke zu gewöhnen. Im Überwachungszeitraum seit 20. September 2012 bis Ende 2014 wurden 33 Querungen gezählt.

Innerhalb eines Jahres bis Ende 2015 schnellte die Zahl auf 421 hoch. Auch Dachse (178), Hauskatzen (33), Marderhunde (33), Feldhasen (17) und Wölfe (14) wurden beim Gang über die Brücke aufgenommen. Den Überweg über die A 13 nutzten Feldhasen am häufigsten für eine sichere Überquerung – 939 Mal zwischen dem 2. Oktober 2012 und Ende 2015.

Die Kamera dort hielt auch einen für diese Breiten seltenen Gast fest: den Elch. Genommen liefen am 9. Juni 2014 erst eine Elchkuh und danach ihr Kalb ungestört über die Autobahn.

Grünbrücken


Von Jens Steglich

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