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Umsatzeinbußen für Michendorfer Händler

Brückenbau bedroht Existenzen Umsatzeinbußen für Michendorfer Händler

Zu hohen Umsatzeinbußen und ersten Entlassungen bei den Geschäftsleuten in der Potsdamer Straße in Michendorf hat die Vollsperrung der Hauptzufahrt in den Ort im Bereich der Eisenbahnbrücke geführt. Mit der Vollsperrung müssen die Händler und Gewerbebetriebe voraussichtlich noch bis Ende November 2017 leben. Die Umleitung ist den Kunden wohl zu umständlich.

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Die Sperrung der Potsdamer Straße im Bereich der Eisenbahnbrücke am Ortseingang von Michendorf führt bei den Geschäftsleuten in der Hauptmagistrale durch den Ort zu schweren Umsatzeinbußen.
 

Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Michendorf.  „Früher kam man ohne Ampel nicht mehr über die Straße – jetzt könnte man von zwölf bis 15 Uhr teilweise Tore aufstellen und Fußball spielen“, beschreibt Geschäftsmann Roland Stein die Situation vor seinem Schreib- und Spielwarengeschäft in der Potsdamer Straße in Michendorf, seitdem die Straße im Bereich der Eisenbahnbrücke wegen deren Sanierung gesperrt ist. Was im ersten Moment paradiesisch klingt – weniger Lärm, weniger Abgase – bringt ihn und andere Gewerbetreibende im Ort an den Rand ihrer Existenz. Mehreren Angestellten hat die Sperrung an der Brücke bereits die Jobs gekostet: Die Kunden bleiben weg. „Vielen ist die Umleitung von rund 500 Metern über die Bahnstraße zu umständlich“, erklärt Stein. Täglich würden ihm 30 bis 50 Kunden fehlen. Im Vorjahr summierte sich das auf bis zu 3500 Käufer.

Einen Mitarbeiter haben er und seine Frau, die seit 1991 das Geschäft gemeinsam führen, bereits entlassen müssen. Der zweite Angestellte darf noch bleiben, bis er einen neuen Job gefunden hat. Danach arbeiten die Steins allein im Geschäft weiter. „Da fühlt man sich dann sicherer“, erklärt er. Wie lange sie noch durchhalten werden, kann der Händler nicht sagen. „Das ist ganz stark vom Schulanfang abhängig, der kann vielleicht fünf schwache Monate ausgleichen.“

Auch Gisela Kestein, Inhaberin des Blumenladens „Blumenkorb“ bekommt die fehlenden Kunden aus Michendorf-Nord sowie aus Caputh und anderen Nachbargemeinden zu spüren: „Die Leute scheuen den Umweg und Blumen gibt es schließlich überall!“ Der Familienbetrieb bleibt momentan auf vielen der selbst angebauten Pflanzen sitzen: „Ein Viertel bis die Hälfte bleibt übrig und landet auf dem Kompost, sonst waren das nur so zwei bis drei Prozent!“ Doch die Kosten bleiben dabei die gleichen, denn „die Gewächshäuser kann man nicht halb voll machen, Heizung und Bewässerung müssen trotzdem voll laufen.“ Also muss am Personal gespart werden: Eine Mitarbeiterin musste schon entlassen werden, die anderen beiden wurden auf Halbtagsjobs heruntergestuft. „Die Familie muss von früh bis spät und am Wochenende arbeiten, um es überhaupt noch zu packen.“

Andere Gewerbetreibende sprechen von Umsatzeinbußen von rund einem Viertel und mehr und sind pessimistisch, was die Zukunft betrifft: „Vor allem: Es wird ja nicht besser, am Anfang kommen die Leute ja noch.“ Anette Firlay von „Kreuzpunkt Optik“ merkt zwar die Sperrung der Brücke nicht so sehr – vielleicht weil sie sehr spezielle Produkte verkaufe – , aber auch ihr sei aufgefallen, dass vor allem aus Caputh weniger Leute kämen.

Auch die Zukunft verspricht nichts Gutes, denn ist die Brücke erst einmal saniert, stehen bereits die nächsten Bauarbeiten ins Haus: Die Potsdamer Straße selbst soll auf Vordermann gebracht werden und quasi zum Drüberstreuen ist zwischendurch auch einmal der Bau eines Kreisverkehrs statt der abknickenden Hauptstraße beim Autohaus geplant. Zusätzlich wird der Ausbau der Autobahn A 10 noch weitere vier Jahren dauern und führt auch ohne die neuen Bauarbeiten schon immer wieder zu Verkehrskollapsen im Ort. Hier macht sich auch Anette Firlay Sorgen: „Die Sanierung der Potsdamer Straße wird auch für uns schlimm.“

Roland Stein hat dazu bereits bei der Gemeindevertretung und bei Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) vorgesprochen. Mirbach appellierte an die Geschäftsleute, weiter durchzuhalten und ergänzte: „Wir fangen 2017 erst einmal an darüber nachzudenken und werden das mit den Gewerbetreibenden zusammen und nicht über ihren Kopf hinweg machen. Der Bau des Kreisverkehrs soll außerdem nicht zur Vollsperrung führen.“ Stein möchte es konkreter: „Bitte nicht vor 2020! Die Straße ist nicht in einem solchen Zustand, dass die Sanierung davor zwingend nötig wäre.“ Dem schließt sich auch Kestein vom „Blumenkorb“ an: „Zwei oder drei Jahre Erholung dazwischen – das würde uns schon helfen.“

 „Sonst haben wir eventuell am Ende eine tolle neue Straße und Brücke, aber keine Geschäfte mehr – aber so schwarz will ich das gar nicht sehen“, orakelt Stein.

Die Vollsperrung dauert noch bis Ende November 2017 an

Die Potsdamer Straße am Ortseingang von Michendorf ist im Bereich der Eisenbahnbrücke voraussichtlich noch bis Ende November 2017 gesperrt. Die Brücke soll noch bis März 2018 saniert werden.

Die Baustelle kann während der Bauarbeiten nur von Fußgängern passiert werden.

 Die Umleitung führt über die Bahnstraße und die Flottsteller Straße in den Ort und in Richtung Potsdam über die Teltower Straße und die Bundesstraße 2.

In drei Bauabschnitten soll die alte Brücke aus den Jahren 1913/1914 durch die neue Überführung ersetzt werden. Die Kosten für die Sanierung liegen laut Bahn bei 17,5 Millionen Euro.

Von Konstanze Kobel-Höller

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