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Brücker Abgeordnete fühlen sich überrumpelt

Asylheim ohne Brandschutz Brücker Abgeordnete fühlen sich überrumpelt

Für die weiter wachsenden Asylunterkünfte im Brücker Gewerbegebiet fehlt bislang ein Brandschutzkonzept. Das fordert Amtsbrandmeister Uwe Paul seit Monaten von der Kreisverwaltung ein. Zudem fühlen sich Brücker Stadtverordnete überrumpelt, weil sie jetzt nachträglich Abweichungen vom Bebauungsplan legitimieren sollen.

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Für die in Brück aufgebauten Flüchtlingsquartiere fehlt noch ein Brandschutzkonzept.

Quelle: Uwe Klemens

Brück. Seit Ende März wohnen Flüchtlinge und Asylbewerber in einem einstigen Bürogebäude im Brücker Gewerbegebiet. Inzwischen kamen auf dem Firmengelände der Feilmeier AG weitere Quartiere in preiswerten Blechgebäuden hinzu. Doch bis heute gibt es für die wohl noch weiter wachsende Massen-Unterkunft mit derzeit rund 220 Bewohnern kein Brandschutzkonzept. „Das habe ich schon damals bei der ersten Sicherheitskonferenz im März eingefordert und die für die Asylunterkünfte zuständige Kreisverwaltung im August erneut darauf hingewiesen“, sagte Uwe Paul. „Bis heute liegt mir aber nichts vor“, kritisierte der Brücker Amtsbrandmeister am Freitag gegenüber der MAZ.

Brücks Amtsbrandmeister Uwe Paul fordert ein Brandschutzkonzept

Brücks Amtsbrandmeister Uwe Paul fordert ein Brandschutzkonzept.

Quelle: Th. Wachs

„Wir kennen keine Ansprechpartner, die Einsatzkräfte im Notfall auch nachts über die Belegung und örtliche Gegebenheiten informieren könnten“, so Paul. Auch fehlten Sammelpunkte und Einweisungen für die Bewohner, kritisierte der Feuerwehrchef. Er wünscht sich umgehend eine Begehung mit Feuerwehrleuten aus Brück und Linthe, die im Ernstfall auch über Zufahrtswege und die Anordnung der Gebäude bescheid wissen müssen. „Wir wissen offiziell nicht, wie es auf dem Gelände aussieht“, sagte Uwe Paul. „Wenigstens ein vorübergehendes Konzept könnte da schon helfen“, so der Amtsbrandmeister.

Verwaltung sieht Vermieter in der Pflicht

Die Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark sieht den Eigentümer des Geländes in der Pflicht. „Wir haben die Forderungen zum Brandschutzkonzept an das Unternehmen weitergereicht und drängen auf Umsetzung“, sagte Kreis-Sprecher Kay-Uwe Schwinzert am Freitag auf Nachfrage der MAZ. Der Landkreis mietet für das Brücker Übergangswohnheim Gebäude und Gelände der Feilmeier AG. Betrieben wird die Einrichtung im Auftrag des Kreises vom Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark.

Stadt Brück fordert Hilfe zur Integration

Unterdessen fühlen sich auch Brücker Stadtverordnete überrumpelt. In den Sitzungen des Infrastruktur- sowie des Hauptausschusses in dieser Woche hatten sie über die Befreiung von Regelungen des Bebauungsplanes für das betreffende Grundstück im Gewerbegebiet zu befinden. Das Areal ist allgemein nicht für Wohnzwecke ausgewiesen. Damit soll auf Antrag des Kreises nachträglich die Unterbringung von Flüchtlingen legitimiert werden. „Das ist schon eine dubiose Herangehensweise“, sagte Michael Klenke (SPD). Er verwies auf Bauanträge für Projekte im Gewerbegebiet, „die sich durch immer wieder neue Forderungen teilweise bis zu zwei Jahren hinziehen“, so der Abgeordnete.

Belegung steigt stetig

Das Übergangswohnheim im Brücker Gewerbegebiet wurde im März für 27 Asylbewerber sowie Flüchtlinge aus Kriegsgebieten eingerichtet. Nach Ostern folgten weitere 45 Männer, Frauen und Kinder.

Im August entstanden in gedämmten Blechbauten, den Low-Cost-Häusern, auf dem Gelände weitere 147 Quartiere. Zudem wurden Container für Küche und Sanitärräume aufgestellt.

Platz finden in den 30 Low-Cost-Häuser aus gedämmtem Stahlblech mit 32 Quadratmetern Größe jeweils bis zu sechs Personen.

Steigt der Bedarf weiter, wäre auf dem Brücker Gelände noch Platz für etwa 30 weitere Blech-Häuser.

„Das ist für andere zunehmend schwerer zu vermitteln, wenn nun sehr schnell Abweichungen vom Baugesetz möglich sind“, sagte auch Mathias Ryll (CDU). „Das Verfahren ist unmöglich, geht angesichts der Notlage aber an der Stadt vorbei“, sagte Lothar Koch (SPD), der Chef des Infrastrukturausschusses.

Außergewöhnliche Situation macht Ausnahme nötig

Einig waren sich die Stadtverordneten am Ende, dass die „außergewöhnlichen Situation“ zur Aufnahme von Flüchtlingen „aus humanitären Gründen rückwirkend eine Abweichung vom B-Plan“ unumgänglich macht. Sie soll jedoch nach ihrem Votum maximal bis zum Jahr 2020 genehmigt sein und für maximal 370 Personen gelten. Für eine weitere Aufnahme darüber hinaus sehen sich die Brücker nur in der Lage, wenn durch Unterstützungen des Landes und des Kreises „ausreichende Voraussetzungen zur personellen, sachlichen und infrastrukturellen Ausstattung, insbesondere in Kindergärten und Schulen, geschaffen werden“. Nur so könne eine Integration der Flüchtlinge gelingen. „Denn diese wird zunehmend zum Problem“, sagte Ex-Landrat Lothar Koch (SPD). Bürgermeister Karl-Heinz Borgmann (parteilos) sieht die Stadt mit den angelaufenen ehrenamtlichen Strukturen zur Hilfe für Flüchtlinge auf einem guten Weg. „Freilich sind wir auch gefordert, für die Sicherheit der im Gewerbegebiet untergebrachten Menschen zu sorgen“, sagte das Stadtoberhaupt im Infrastrukturausschuss.

Von Thomas Wachs

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