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Brücker Alarm bleibt nachts stumm

Kompromiss im Sirenen-Streit Brücker Alarm bleibt nachts stumm

Im Streit um den Nacht-Betrieb der Brücker Sirenen hat die Amtsverwaltung die Abschaltzeiten nochmals verändert. Um einem aussichtslosen Rechtsstreit zu entgehen, gibt sie der Beschwerde eines Bürgers nach. Er hatte die nächtliche Lärmbelästigung kritisiert. Mitglieder des Feuerwehrvereines verstehen das nicht und kritisieren den Kompromiss.

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Nicht immer funktioniert der Funk-Pieper. Dann lösen Carsten Wendt (li.) und Jan Stuwe die Brücker Sirene am Gerätehaus auch mal per Hand aus.

Quelle: Thomas Wachs

Brück. Für zwei Feuerwehrsirenen der Stadt Brück gelten jetzt veränderte Zeiten der Stille. So müssen die Alarmgeräte werktags zwischen 20 und 8 Uhr stumm bleiben. Auch den gesamten Sonntag über wird die zentrale Rettungsleitstelle in Brandenburg an der Havel auf diesem Wege keinen Alarm auslösen und Einsatzkräfte zu den Gerätehäusern rufen können.

Amtsverwaltung geht Rechtsstreit aus dem Weg

Zu der nächtlichen Abschaltung geführt hatte schon im Juni die Beschwerde eines Bürgers, der unmittelbar gegenüber dem Brücker Amtsgebäude wohnt, auf dem eine Sirene montiert ist. Er sieht sich und seine Familie in der Nachtruhe beeinträchtigt. Daraufhin hatte das für den Brandschutz zuständige Amt Brück zunächst verfügt, die Sirenen auf dem Amtsgebäude sowie auf dem Gerätehaus am Platz der Jugend zwischen 17 und 7 Uhr schweigen zu lassen. In Gesprächen sind diese Zeiten jetzt „im gegenseitigen Einvernehmen“ nochmals verändert worden. Das bestätigt Christian Großmann. „Wir haben uns vorher juristisch beraten lassen“, so der Amtsdirektor. „Dabei wurde klar, dass wir bei eine Klage den Kürzeren ziehen würden“, ergänzt der Verwaltungschef. Er verweist auf die Ausstattung aller aktiven Floriansjünger mit Funkmeldeempfängern. „Das klappt auch in vielen anderen Orten, ich sehe da auch für die Stadt Brück kein Problem“, sagte Großmann am Montag auf Nachfrage der MAZ. „Für Großereignisse, in denen womöglich die gesamte Bevölkerung gewarnt werden muss, bleiben die Sirenen ja auch nachts einsatzbereit“, so Großmann.

Meist Hilfeleistungen

Die Brücker Wehr ist im vergangenen Jahr 60-mal ausgerückt. Dabei waren es elf Brände, die gelöscht werden mussten. Die anderen Einsätze betrafen hauptsächlich Hilfeleistungen, vor allem auf der Autobahn.

Dabei gab es 2014 elf Einsätze in der Zeit zwischen 17 und 20 Uhr und 19 Einsätze zwischen 20 und 7 Uhr.

Dieses Jahr wurde die Brücker Wehr bereits zu 62 Einsätzen gerufen. Dabei entfielen 13 Alarmierungen in die Zeit zwischen 20 Uhr und 8 Uhr.

Wer die Feuerwehr in ihrer ehrenamtlichen Arbeit unterstützen möchte, kann die Dienstabende am Mittwoch ab 19 Uhr besuchen. Die Jugendwehr kommt freitags ab 17 Uhr am Platz der Jugend zusammen.

Brücker Feuerwehrleute indes kritisieren die neue Regelung und die Abschaltung der Sirenen allgemein. Die Kameraden sehen damit ihre Einsatzbereitschaft gefährdet. „Es gibt Einsätze, bei denen die Kameraden nur über die Sirene vom Alarm erfahren haben“, sagt Carsten Wendt. „Wir verstehen das Feilschen um die Zeiten nicht, denn allgemein gilt Nachtruhe ja von 22 bis 6 Uhr“, so der Vorsitzende des Feuerwehrvereines Brück. Auch würden manchmal Pieper ausfallen und sie würden nicht immer am Mann getragen. „Immerhin sind sie um die 300 Euro teuer und können auf dem Bau oder bei der Gartenarbeit Schaden nehmen“, ergänzt Vereinsmitglied Jan Stuwe. „Uns fehlt die Sirene als Rückfallebene, beispielsweise wenn wir nachalarmieren müssen“, erklärt Matthias Bernicke vom Feuerwehrverein. „Manchmal stehen wir nämlich da und warten noch auf wichtige Leute, die den Pieper nicht gehört haben.“ Weil dann jede Minute zählt, drücken die Brücker Feuerwehrleute schon mal selbst den Signalknopf im Gerätehaus. Die Sirene am Amtsgebäude erreichen sie so aber nicht.

In Dörfern bleiben Sirenen aktiv

Zudem verweisen die Vereinsmitglieder auf andere Orte, in denen Sirenen auch nachts zum Alltag gehören. „In Linthe wird nach dem Umzug des Gerätehauses derzeit ein neuer Standort gesucht für die Sirene und in den Dörfern Cammer und Golzow gibt es sogar zwei Sirenen“, sagt Jan Stuwe. Auch in den Brücker Stadtteilen Gömnigk und Trebitz sowie im Ortsteil Neuendorf werden Feuerwehrleute per Sirene alarmiert.

Bedrohungen in Internetplattformen

Als unangemessen bezeichnete Christian Großmann die Reaktionen in Internet-Plattformen zu dem nach der nächtlichen Abschaltung im Juni ausgebrochenen Sirenen-Streit. „Es kann nicht sein, dass Bürger, die auf rechtliche Regelungen pochen, beschimpft und sogar bedroht werden“, sagt der Amtsdirektor. Auf eine Mitteilung der Brücker Feuerwehr im Internet hatte es heftige Reaktionen gegeben. Mehr als 70 Kommentare zeigten Unverständnis für die Abschaltung. Amtsbrandmeister Uwe Paul hatte wenig Verständnis für die Beschwerde des Bürgers gezeigt, den Vergleich aber akzeptieren müssen. „Eine Sirene sensibilisiert auch die Nachbarschaft, die dadurch auf das bestehende Problem aufmerksam gemacht wird”, sagte der Feuerwehrchef des Amtes Brück im Juni.

Von Thomas Wachs

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