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Ferienabenteuer statt Verbannung

Buchholz Ferienabenteuer statt Verbannung

Im Sajangebirge in Sibirien an der Grenze zur Mongolei hat der Buchholzer Ulf Siebach vier Hektar Land gekauft. Darauf baut er ein kleines Feriendorf für Naturromantiker auf. Der Herbergsbetrieb soll im nächsten Jahr richtig losgehen. Zu den Angeboten gehören Wildwasserrafting und Bergwandern im Sommer sowie Schneemobil fahren und Eisangeln im Winter.

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Im Dorf Cheremchanka hat sich die Familie ein Häuschen gekauft, falls der sibirische Winter doch einmal besonders streng wird.

Quelle: Privat

Buchholz. Sturmtief „Xavier“ ist schuld, dass Ulf Siebach aus Buchholz seinen einjährigen Aufenthalt in Sibirien für einige Wochen unterbrechen und nach Deutschland zurückkehren musste. Der „Sibirienwolf“ war Anfang Juni dieses Jahres mit seiner Lebensgefährtin Vita Roskoschna und dem nun 19 Monate alten Töchterchen Paulina ins Sajangebirge nahe der mongolischen Grenze gezogen, um dort ein Jahr lang zu leben und auf seinem Grundstück ein kleines Feriendorf für Naturromantiker aufzubauen.

Jetzt rief ihn der Vater zu sich. Siebachs Familie besitzt einige Waldflächen in der Region, in denen „Xavier“ auch gehaust hatte. Entwurzelte Bäume mussten herausgenommen, der Wald wieder aufgeräumt werden. Siebach nutzte die Zwangspause, um seinen Landrover in eine Spezialwerkstatt in Krasnojarsk zu geben. Auf den holprigen Straßen der oft unwegsamen Taiga hatte sich die Kardanwelle nicht länger am Geländewagen halten können. Mittlerweile ist der Wald beräumt und das Auto hoffentlich wieder flott, wenn Siebach Ende November mit seiner Familie nach Sibirien zurückgeht.

Dort hat der Buchholzer mit einigen Helfern den Sommer über begonnen, sein „Feriencamp in der Wildnis“ anzulegen. Ein Ferienhaus mit einer Sauna, eine große Küche für die Gäste sowie ein hölzernes Tipi als Gemeinschaftsraum für rund 20 Besucher sind inzwischen fertig. Auch einen 20 Meter tiefen Brunnen hat Siebach gebohrt und Wasserleitungen verlegt. „Für die größeren Arbeiten mussten wir immer auf gutes Wetter warten, weil nur dann die Baufahrzeuge auf trockenen Wegen zu uns durchkommen konnten.“

Im nächsten Jahr soll der Herbergsbetrieb richtig losgehen. Die ersten sechs Gäste könnte er aber schon zu Weihnachten und zum Jahreswechsel in einer Unterkunft mit Vollverpflegung empfangen, sagt er. „Irgendwann muss ich ja auch mal Geld verdienen und es nicht immer nur ausgeben.“

Kanufahrten, Wildwasserrafting, Bergwandern und Angeln will er seinen Gästen in den Sommermonaten bieten. Im Winter könnten die Touristen auf Schneeschuhen wandern, mit dem Schneemobil fahren, einen Skilanglauf unternehmen oder auf dem Eis angeln. „Im vorigen Winter hatten wir in Sibirien bis zu 40 Grad Minus und etwa anderthalb Meter Schnee“, meint Siebach. Die Einheimischen erzählten aber, dass die Winter schon milder geworden wären. Die ersten zehn Zentimeter Neuschnee dieses Jahres hat er im zurück liegenden September gesehen. Doch das Weiß konnte sich nur zwei Tage lang halten.

Die Anfragen nach einem Urlaub in der unberührten Natur mehren sich. Vor einigen Wochen empfing Siebach ein Ehepaar aus Frankfurt am Main, unternahm mit dem Ehemann einen Hubschrauberrundflug über die Berge und ging mit ihm angeln. Wer die 500 Euro für den Flug nicht scheut und ein Visum für 90 Euro von den russischen Behörden bekommt, den holt Siebach persönlich vom Flughafen in Abakan ab und bringt ihn annähernd 200 Kilometer weit bis in die Ferienanlage.

Seine Familie hat inzwischen eine Daueraufenthaltsgenehmigung erhalten. Ulf Siebach ist jetzt für die russischen Behörden offiziell ein Bauer. „Im nächsten Jahr will ich mir ein paar Rentiere holen und mit ihnen eine Zucht aufbauen“, kündigt er an. Im acht Kilometer entfernten Cheremchanka hat die Familie ein kleines Häuschen gekauft, in das sie wegen der kleinen Tochter ziehen will, sollte der sibirische Winter doch einmal besonders streng sein. In der näheren Umgebung gibt es auch Kitas und Schulen, die Paulina später einmal besuchen kann.

Wenn der Buchholzer mit seiner Familie in seine zweite Heimat zurück reist, will er im Winter noch einige Restarbeiten erledigen, wie beispielsweise ein paar Möbel aus Holz bauen, bevor er sich selbst einen kleinen Urlaub gönnt. Für das Inventar hat er schon Treibholz gesammelt, das auf dem Tjuchtjata vor seiner Haustür schwimmt oder auf dem Kasir, der durchs Dorf fließt.

Mehr als 6500 Kilometer bis ans Urlaubsziel

Das Grundstück im sibirischen Sajangebirge ist etwa vier Hektar groß.

Mit dem Landrover legte Ulf Siebach Anfang Juni dieses Jahres insgesamt mehr als 6500 Kilometer zurück, um bis zu seinem Grundstück zu kommen.

Rund zehn Tage dauerte die Fahrt mit Wagen.

Seine Liebe zur Natur entdeckte der Buchholzer 2012 auf einer Wochenendreise nach Nowosibirsk.

Seine Lebensgefährtin Vita Roskoschna stammt aus der Ukraine.

Sein Blockhaus in Buchholz hat Ulf Siebach ebenfalls selbst gebaut.

Für den Aufenthalt in Sibirien hat der Auswanderer einen Sprachtest absolviert, sich einem Gesundheitstest unterzogen und ein Führungszeugnis eingeholt.

In der Familie wird deutsch und russisch gesprochen.

Die Anfragen nach einem Abenteuerurlaub kommen vorwiegend aus Süddeutschland.

Mehr Infos sind auf der Internetseite www.sibirienwolf.de erhältlich.

Von Heinz Helwig

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