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Bücher gefragt wie warme Semmeln

Rädigke Bücher gefragt wie warme Semmeln

Es ist ein Selbstläufer: Wenn im Dorf Rädigke der Bibliotheksverein und der Lesezirkel zur Neuvorstellung aktueller Bücher einladen, ist der Saal des Gasthofes Moritz voll gefüllt. Rund 60 neue Werke werden vorgestellt. Anschließend finden sie reißende Nachfrage. Mancher Stammgast der Bibliothek nimmt für die Atmosphäre auch längere Anfahrten auf sich.

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Nach der Vorstellung aktuellster Lektüre in der Fläming-Bibliothek zu Rädigke ist der Andrang groß auf den neuen Lesestoff.  

Quelle: Edith Mende

Rädigke. Es geht los wie ein Sturm auf das kalte Buffet, als die Damen vom Bibliotheksverein und vom Lesezirkel Rädigke ihren Vortrag über die neuen Bücher im Bestand der Fläming-Bibliothek beenden. Im Nu ist der Tisch mit den Neuzugängen umringt und räumt sich Stück für Stück ab. Wenig später sind viele Gäste mit dem Ausfüllen ihrer Leserkarten beschäftigt. Auf ihrem Plätzen stapelt sich Lektüre, die sie heimtragen möchten.

Auf der Suche nach Impulsen

Auch die Rangsdorferin Heike Richter hat reichlich Lesestoff und Hörbücher zusammengetragen. Sie scheut mehrmals im Jahr den langen Weg nach Rädigke nicht, weil ihr die bunte Mischung der Veranstaltungen und die Atmosphäre in dieser Bibliothek so gefallen. Dabei arbeitet sie selbst in Blankenfelde-Mahlow als Bibliothekarin. „Impulse kann man immer gebrauchen“, sagt die Fachfrau: „Das Angebot hier ist zudem anders.“

Zwei neue Krimis hat sich Sabine Gotthardt gesichert, den „Tod in Weimar“ von Dominique Horwitz sowie Paula Hawkins „Into the water“. Die Rädigkerin ist ein Fan guter Kriminalromane und mit dem Angebot der Fläming-Bibliothek direkt im Dorf sehr zufrieden. Ihr Nachbar Kurt Knabe kommt mit „Durchbruch bei Stalingrad“ von Heinrich Gerlach vom Bücherbuffet. Er liebt Historisches. Jetzt im Winter habe er mehr Zeit zum Lesen als im Sommer, verrät er.

Frauentrio stellt rund 60 Bücher vor

Da der Bibliotheksgründer Steffen Gommel in diesem Jahr nicht dabei sein konnte, übernahmen Anke Frenzel und Manuela Räbiger vom Bibliotheksverein sowie Christine Maschke vom Lesezirkel Rädigke diesmal die Vorstellung der rund 60 neuen Bücher. Gut vorbereitet, gaben sie zu jedem eine kurze Einschätzung. Preisgekrönte Werke und Autoren bilden den Auftakt, darunter „Die Hauptstadt“. Für das Werk hat Robert Menasse im Oktober den Deutschen Buchpreis erhalten. Von der Kanadierin Margaret Atwood, die in diesem Jahr mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, sind „Der Report der Magd“ sowie „Aus Neugier und Leidenschaft“ neu in Rädigke. Dann reihen sich Spannendes, Historisches, Biografisches, Autobiografisches, Humorvolles und Sachbücher aneinander.

Die Brücker Hobby-Autorin Karin Hanusch las eine kurze Geschichte über den „Einheitsbaum“ für ihre Stadt aus ihren „Brücker Geschichten“

Die Brücker Hobby-Autorin Karin Hanusch las eine kurze Geschichte über den „Einheitsbaum“ für ihre Stadt aus ihren „Brücker Geschichten“.

Quelle: Edith Mende

Dabei nehmen die Zuhörer im voll besetzten Saal auch manchen Tipp für ein Weihnachtsgeschenk mit. Maja Lundes „Die Geschichte der Bienen“ zum Beispiel wünscht sich Christine Maschke selbst zum Fest, wie sie verrät. Es ist der erste Roman der norwegischen Schriftstellerin, die zuvor erfolgreich Kinderbücher veröffentlichte. Eine weitere Empfehlung ist „Der Zopf“ von Laetitia Colombani, in dem die Lebenswege dreier Frauen auf drei Kontinenten erzählt werden. Viel Geschichte des 20. Jahrhunderts fängt Irina Scherbakowa ein, indem sie über das berührende Schicksal ihrer russisch-jüdischen Familie schreibt. „Die Hände meines Vaters“ lautet der Titel. Humorvolles verspricht indes Ingo Schulzes Roman „Peter Holtz“. Der Autor wird im September 2018 persönlich in der Fläming-Bibliothek Gast sein. „Die geheime Sprache der Bäume“ von Erwin Thoma und „Das geheime Netzwerk der Natur“ von Peter Wohlleben sind zwei Sachbücher, die auf spannende Weise Wissen vermitteln.

Stellten Buch um Buch gemeinsam vor

Stellten Buch um Buch gemeinsam vor: Anke Frenzel und Manuela Räbiger vom Bibliotheksverein sowie Christine Maschke vom Lesezirkel Rädigke (v.l.n.r.)

Quelle: Edith Mende

Die Brücker Hobby-Autorin Karin Hanusch nutzt die Gelegenheit, auf ihre lokalgeschichtliche Arbeit „Was war denn bloß in Brück alles los?“ hinzuweisen, die im Eigenverlag erschienen ist. Sie liest die Geschichte einer Holzskulptur für den Einheitsbaum, die der Hobbyschnitzer Hermann Strübing als Denkmal der deutschen Einheit für seine Stadt schuf.
Auf den Veranstaltungsplan für das neue Jahr macht Gastwirt Bernd Moritz aufmerksam, in dessen Saal die Bibliothek zu Hause ist. Der beginnt am 6. Januar mit der Neujahrswanderung. Am 16. März wird der ehemalige Kriminalist Siegfried Schwarz Gast sein, der Anfang der 1980er-Jahre den als „Kreuzworträtselfall“ bekannten Mord an einem kleinen Jungen in Halle-Neustadt aufklärte.

Am frühen Abend verlassen die Besucher die Fläming-Bibliothek sodann mit vielen Eindrücken und neuer Lektüre im Gepäck.

INTERVIEW

Die Fläming-Bibliothek Rädigke hat im Saal des Gasthofes Moritz ihr Domizil

Die Fläming-Bibliothek Rädigke hat im Saal des Gasthofes Moritz ihr Domizil. HIER: Gastwirt Bernd Moritz.  

Quelle: Edith Mende

MAZ: Die Fläming-Bibliothek residiert seit elf Jahren im Saal Ihres Gasthofs. Wie geht das?

Bernd Moritz: Das ist ganz unproblematisch. Die Mädchen vom Bibliotheksverein kümmern sich um das Einordnen der Bücher und die Buchhaltung. Meine Frau Doris und ich fungieren nebenbei noch als Bibliothekare. Aber die meisten der Stammleser tragen ihre Ausleihen schon selbst in ihre Karte ein.

Wie viele Leser haben Sie?

Es sind ungefähr 900 Leser eingetragen. Von denen war ein Drittel mal hier, ein Drittel kommt gelegentlich und etwa 300 sind regelmäßige Besucher.

Wer organisiert die unterschiedlichen Veranstaltungen?

Wer eine Idee hat, bringt sie ein und sucht auch den Kontakt zu gewünschten Autoren. Die Termine stimmen wir mit Steffen Gommel und dem Bibliotheksverein ab zu einem gemeinsamen Jahresplan. Dazu kommen noch die Events unseres Gasthofs wie thematische Wanderungen oder Buffets. Außerdem gibt es den theologischen Salon, für den unser Pfarrer interessante Themen und Gesprächspartner einbringt.

Von Edith Mende

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