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Bühnenstück statt Halloween in Bad Belzig

Musical zum Reformationstag Bühnenstück statt Halloween in Bad Belzig

Musical statt Halloween in Bad Belzig: Zum Reformationstag ist ein Musical aufgeführt worden. Jugendliche der Gemeinde St. Marien Hoher Fläming/Bad Belzig hatte das Stück über den Ablasshandel zu Luthers Zeiten einstudiert und dabei Hilfe von Kantor Winfried Kuntz und Katechetin Christina Zesche erhalten. Alle Beteiligten wünschen sich nun weitere Aufführungen.

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In der Marienkirche Bad Belzig führten Kinder und Jugendliche ihr Reformations-Musical auf.

Quelle: Tobias Potratz

Bad Belzig. Der Körper tut weh. Der Geldbeutel ist leer. Hunger und Not machen sich breit. Doch egal, wie sehr der Schmerz die Bewohner Bad Belzigs im 16. Jahrhundert auch plagt, das Gotteshaus muss fertig werden. Die Geschichte des Musicals „Das Geheimnis der Kathedrale“, gespielt von Jugendlichen der St. Marien Hoher Fläming/Bad Belzig, beschäftigt sich am Nachmittag des Reformationstages mit der dunklen Seite der Lutherzeit. Eine mit mehr als 100 Zuschauern restlos ausgefüllte St. Marienkirche wird an diesem Tag auf eine kleine musikalische Zeitreise mitgenommen. Es geht um die Bewohner der Stadt, die von ihren korrupten Oberhäuptern restlos ausgebeutet werden. Das Volk soll für den Bau einer Kathedrale zahlen und sich somit dem vermeintlichen Willen Gottes beugen. Doch in Wahrheit steckt sich der böse Abt, gespielt von Maria Zesche aus Dahnsdorf, das Geld selbst ein und wittert nur persönliche Belange. „Wir fanden die Geschichte sehr spannend. Es ist mal schön, dass es hier nicht nur um Luther geht, sondern um die Menschen zu der Zeit“, sagt die 16-Jährige. Doch auch wenn die Geschichte fiktiv ist, so hätte sie wohl so oder so ähnlich ablaufen können, denn der Ablasshandel war damals allgegenwärtig.

Weitere Aufführungen erhofft

Im Stück siegt am Ende jedoch das Gute. Ein als Mönch getarntes Mädchen schleust sich in die Stadtmauern ein, deckt schließlich die korrupten Machenschaften auf und die Übeltäter werden festgenommen. Nach einer Stunde aus spannenden Dialogen vor einer aufwendig gestalteten Kulisse gepaart mit anspruchsvollem Gesang mündet alles in einem Jubel.

EIn Jahr lang  haben die Kinder und Jugendlichen für die Aufführung  geprobt

EIn Jahr lang haben die Kinder und Jugendlichen für die Aufführung geprobt.

Quelle: Tobias Potratz

Minutenlanger Applaus brandet auf und selbst Maria Zesche in der Rolle als Bösewicht strahlt am Ende über das ganze Gesicht. „Es hat super geklappt. Wir würden das gerne nochmals machen“, sagt sie. Die Organisatorin und schauspielerische Leiterin Christina Zesche hätte ebenfalls nichts gegen eine weitere Aufführung. „Es sind Sachen angedacht, aber es ist noch nichts entschieden.“ Nach knapp einem Jahr Drehbuchwälzen, Organisieren und Proben wünschen sich Schauspieler und das Publikum weitere Auftritte. „Im Januar haben wir angefangen, die Geschichte zu besprechen und Rollen zu verteilen“, sagt Christina Zesche, die neben den schauspielerischen Höhepunkten für die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde zuständig ist.

Höhepunkt des Lutherfestes

Das Musical war Höhepunkt des diesjährigen Lutherfestes der Gemeinde. Üblicherweise finden die Feierlichkeiten hierfür eher in den beschaulichen Dorfkirchen der Region statt. Doch das Musical veranlasste die Organisatoren, den Rahmen zu erweitern. „Wir brauchten für das Stück die große Kirche und haben die Veranstaltung daher diesmal nach Bad Belzig verlegt“, sagt die Organisatorin erfreut über die gelungene Veranstaltung. Musik und Text waren gemeinsam mit Kantor Winfried Kuntz einstudiert worden, der das Stück vorgeschlagen hatte.

Kantor Winfried Kuntz

Kantor Winfried Kuntz.

Quelle: Stefan Specht

INTERVIEW

Winfried Kuntz ist Kantor der Gemeinde St. Marien Hoher Fläming/Bad Belzig. Er hatte die Idee für ein Musical zum Reformationsfest.

MAZ: Ein Jahr Vorbereitung auf dieses Lutherfest sind vorbei. Wie zufrieden sind Sie mit der Vorstellung?

Winfried Kuntz: Das war eine tolle Leistung. Der Gesang war teilweise sehr anspruchsvoll und die Darsteller haben das toll gemacht.

Wie kam es zu der Idee?

Kuntz: Ich kannte das Musical schon vorher und habe es angebracht. Gemeinsam mit Frau Zesche haben wir dann alles erarbeitet.

Im Stück stand nicht, wie an diesem Tag üblich, der Thesenanschlag Luthers, sondern das Leid des Volkes im Vordergrund. Wieso?

Kuntz: Ganz genau. Wir haben hier auch ein Stück selbstkritisch die Geschichte der Kirche aufgearbeitet. Das ist wichtig. Die Leute waren damals in psychischer Abhängigkeit und haben stark gelitten.

Am 31.Oktober sprechen immer mehr Menschen eher von Grusel und Kürbissen als von der Reformation und deren Bedeutung für die Kirche. Wie bedeutsam sind daher Veranstaltungen wie dieses Musical?

Kuntz: Zu diesem Tag gehören ja viele Dinge. Es gibt Halloween und die Kürbisnacht hier in Bad Belzig. Das ist auch alles in Ordnung. Aber es gehört natürlich auch die Reformation dazu und es ist daher wichtig, an diesem Tag alles auch selbstkritisch zu hinterfragen und Schlüsse zu ziehen. Vielleicht ist es ja irgendwann nochmals Zeit für eine Reformation.

Von Tobias Potratz

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