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Potsdam-Mittelmark Bürgermeister will die Eisbahn schließen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bürgermeister will die Eisbahn schließen
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13:48 26.02.2018
Eisstockschießen war auf der Kunsteisbahn in Bad Belzig stets sehr beliebt. Quelle: Dirk Fröhlich
Bad Belzig

„Es genügt nicht, einfach nur die Tür aufzuschließen und jemanden in das Kassenhäuschen zu setzen. Zum Betrieb einer Eisbahn gehört Herzblut“, sagt Wolfgang Dittrich. Der langjährige Inhaber des Fitnessstudios „Relaxare“ an der Martin-Luther-Straße hat die Entwicklung der Kunsteisbahn als Nachbar von der Eröffnung bis zur Havarie der Kältetechnik vor drei Jahren hautnah miterlebt.

Die Bad Belziger Eisbahn hat zu ihren Hochzeiten zahlreiche Besucher angelockt und im Winter stets für viel Freizeitspaß gesorgt. Aufgrund einer Havarie musste sie 2015 jedoch geschlossen werden – und weil eine Reparatur zu teuer ist, steht die Freizeiteinrichtung nun wohl ganz vor dem Aus.

Dass die städtische Verwaltung die im Land Brandenburg einmalige Anlage jetzt offiziell abwickeln will, schmerzt ihn. Der inzwischen in den Ruhestand gewechselte Unternehmer vertritt die Ansicht, dass die erforderlichen Portion an Herzblut fehlte. Die Anlage sei über zwei Jahrzehnte nur „auf Verschleiß gefahren“ worden. Er meint, dass die Situation – wie sie sich heute darstellt – nicht hätte eintreten müssen und hofft, dass die endgültige Schließung der Anlage noch abgewendet werden kann.

In der Sitzung des städtischen Hauptausschusses richtete sich Wolfgang Dittrich jüngst einen entsprechenden Appell an Kommunalpolitiker und Verwaltung. Gleichzeitig erinnerte er an die Glanzzeiten der Anlage, die in den ersten Jahren zahllose Besucher aus der Region, aber auch aus Wittenberg, Dessau, Berlin und anderen großen Orten anlockte. „Das Laufpublikum wurde verprellt, als es wegen Sportveranstaltungen vor verschlossener Tür stand“, so Dittrichs Urteil, der auch einen kleinen Kiosk an der Eisbahn betrieb und dabei das Ohr an der Masse hatte.

Eisbahn ist 1995 in Betrieb gegangen

Der Wunsch nach einer Kunsteisbahn in der Stadt ist alt – schon 1955 haben die Stadtverordneten über eine solche Einrichtung nachgedacht.

Das Projekt sollte damals auf dem Turnplatz verwirklicht werden, scheiterte jedoch an der Finanzierung.

1995 konnte dank großzügiger Förderungen die für damalige Zeiten hochmoderne Kunsteisbahn in Betrieb gehen.

Die Freifläche ist seitdem an das benachbarte Freizeit- und Erlebnisbad gekoppelt und wärmt in den Sommermonaten das Badewasser vor.

Im Dezember 2015 konnte die Bahn wegen einer Havarie der Kältetechnik nicht mehr wie geplant öffnen.

Eine Reparatur der Kälteanlage war aufgrund von Einschränkungen in der EU-Zulassung des Kühlmittels R22 zum 31. Dezember 2015 nicht möglich.

Eine Sanierung der Anlage ist dadurch erforderlich.

Die Wortmeldung war zugleich Auftakt für eine intensive Diskussion, während der sich Roland Leisegang (parteilos) klar gegen den Fortbestand der Anlage aussprach. „Die Eisbahn hatte ihre Zeit. Prioritäten haben sich verändert“, sagte der Bürgermeister. Neben fehlender Fördertöpfe führte er jährlich erforderliche Betriebskostenzuschüsse an. Die Anlage musste in den vergangenen Jahren mit jeweils 40 000 bis 70 000 Euro aus der städtischen Schatulle bezuschusst werden. Das würde sich kaum ändern.

„Sicherlich hatt die Eisbahn einem touristischen Effekt, aber wohl eher ohne Aussicht auf e kostendeckende Refinanzierung durch zusätzliche Umsätze bei den Gewerbetreibenden“, so Roland Leisegang. „Eine Eisbahn unter freiem Himmel, in unseren Breiten, ist gewiss das Gegenteil von umweltschonender Energieeffizienz, sie ist eine Energieverschwendung sondergleichen.“ Gleichzeitig erklärte er, dass die weitere Entwicklung des Bildungsstandortes am Weitzgrunder Weg, der Bau der neuen Feuerwache und die Sanierung der alten Geschwister-Scholl-Grundschule zu einem soziokulturellen Zentrum Priorität hätten. Er bezeichnete diese Projekte als „klaren Kompass“ und äußerte die Hoffnung, dass die Kommunalpolitiker diese Aspekte bei ihrer Entscheidung berücksichtigen.

Forderung sämtliche Fördermöglichkeiten noch mal zu prüfen

Einzig Wolfgang Terp (CDU) hat dem Verwaltungschef beigepflichtet. „Ich freue mich, dass der Bürgermeister hier Flagge gezeigt hat“, so der Christdemokrat. „Wir sollten uns noch ein Frist geben und noch einmal sämtliche Fördermöglichkeiten ausloten. Bad Belzig ist Mittelzentrum“, mahnte hingegen Ingo Kampf (SPD). Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung regte mit Blick auf das touristische Potenzial der Kunsteisbahn an, Gespräche mit Amtsdirektoren und Bürgermeistern der Umgebung zu suchen. „Wir sollten die Tür nicht zuwerfen, bevor alle Register gezogen sind“, sagte auch Dietmar Hummel (FDP) und forderte, sämtliche Fördermöglichkeiten noch einmal zu überprüfen.

Die Verwaltung stellte dar, dass nach drei Jahren und mit der Kältetechnik ohnehin keine Sanierung oder gar Rettung möglich sei. Vielmehr stünde nur ein Neuanfang zur Debatte. Doch soll mit der Vorlage zur endgültigen Schließung der Weg für die Abwicklung und womöglich neue Nutzungen des Areals eröffnet werden

300 Unterschriften waren für den Erhalt der Bahn gesammelt worden

Bevor das Parlament sich am 26. Februar zum Thema positionieren muss, steht am Montagabend noch die Diskussion im Ausschuss für Soziales, Jugend und Sport bevor. Nachdem sich sowohl der Wirtschafts- als auch der Hauptausschuss mit jeweils knapp gegen das Ende aussprachen, wird das Votum mit Spannung erwartet. Wohl auch von den mehr als 300 Kurstädtern, die im Herbst 2016 mit ihren Unterschriften gegen eine dauerhafte Schließung der Eisbahn plädierten.

Das Stadtoberhaupt hatte dieselben mit dem Versprechen entgegengenommen, sämtliche Rettungsmöglichkeiten auszuloten. Doch dabei blieb es. „Wir laufen im Rathaus gegen Wände“, sagt Jan Eckhoff, der Vorsitzende des Vereins „Verbildet“, der die Aktion organisierte. Der Linken-Politiker, der am Montagabend als sachkundiger Einwohner seiner Partei mit am Beratungstisch sitzen wird, kritisiert ferner, dass „Dier von Roland Leisegang damals zugesicherte Beratung am Runden Tisch ist bislang nicht zustande gekommen“. Diese Arbeitsgruppe sollte Möglichkeiten zur Eisbahnrettung ausloten und das weitere Verfahren diskutieren.

Von Christiane Sommer

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