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„Pinselheinrich“ in Farbe

Stahnsdorf „Pinselheinrich“ in Farbe

Zum 87. Todestag von Heinrich Zille ehrt der Soziokulturelle Verein „1 A“ in Stahnsdorf den Berliner Grafiker, Maler und Fotografen mit einer Ausstellung im Gemeindezentrum. In der Schau sind auch erstmals bislang unveröffentlichte Kopien von Zille-Bildern zu sehen, die der Teltower Cartoonist Bernd Zienicke vor mehr als drei Jahrzehnten für sich privat nachkolorierte.

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In seinem Atelier in Stahnsdorf bringt der Teltower Cartoonist und Maler Bernd Zienicke auf die Leinwand, was ihm draußen im Leben so begegnet.

Quelle: H. Helwig

Stahnsdorf. Mehr als drei Jahrzehnte haben die Heinrich-Zille-Kopien von Bernd Zienicke darauf warten müssen, endlich das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. Jetzt stellt der Teltower Cartoonist, der für seine Arbeit ein Atelier in Stahnsdorf angemietet hat, zum 87. Todestag von „Pinselheinrich“ nachkolorierte Karikaturen des berühmten Berliner Grafikers, Malers und Fotografen im Gemeindezentrum in der Stahnsdorfer Annastraße 3 aus. Präsentiert wird die Ausstellung vom Soziokulturellen Verein „1 A“ in Stahnsdorf. Vor etwa einem Vierteljahr zeigte Vereinsmitglied Zienicke seinem Vorsitzenden Eberhard Trodler eher privat seine Schätze. Der war sofort begeistert und kopierte wiederum die Kopien des Cartoonisten für die Ausstellung. Bis Mitte September sind die Arbeiten des Teltowers zusammen mit weiteren Zille-Exponaten zu den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung sowie zu Veranstaltungen im Haus zu sehen.

Anfang der 1980-er Jahre stand Bernd Zienicke im Winter kurz vor dem Weihnachtsfest bei ehrenamtlichen Baumpflegearbeiten auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof plötzlich vor dem Grab Heinrich Zilles. „Da spürte ich, wie allgegenwärtig Zille in unserer Region doch ist.“ Seine letzte Ruhe hatte der Sohn eines Uhrmachers und einer Bergmannstochter aus dem Erzgebirge in Stahnsdorf gefunden. Die Schule im Ort trägt Zilles Namen, und Zienicke selbst wohnt in der Heinrich-Zille-Straße in Teltow.

Da beschloss der Karikaturist, den Treppenflur seines Einfamilienhauses mit Zilles Zeichnungen zu schmücken, die er eigenhändig kolorieren wollte. Die Schwarz-weiß-Vorlagen fand Bernd Zienicke in dem Buch „220 Bilder – Kinder der Straße – Mein Milljöh“ aus dem Jahre 1925, das irgendwann einmal in seinen Besitz gelangt war. „Ich habe die Bilder originalgetreu abgezeichnet und mir überlegt, welche Farben Heinrich Zille wohl nehmen würde, hätte er damals schon wählen können.“ Eigentlich hat Zienicke die Kopien für sich ganz privat gemalt. Dass sie nun öffentlich zu sehen sind, ist dem Todestag des Malers geschuldet und eine absolute Ausnahme.

Von den insgesamt 20 Bildern, die im Foyer des Stahnsdorfer Gemeindezentrums hängen, stammt etwa die Hälfte aus Zienickes Privatfundus. Rund 30 Bücher zum Thema Heinrich Zille sowie Fotos und Stücke aus der Ausstellung „Heinrich Zille – Kinder der Straße“ ergänzen die Präsentation. Diese Ausstellung wurde anlässlich des 150. Geburtstages Heinrich Zilles 2008 von der Akademie der Künste in Berlin in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin organisiert und veranstaltet.

„Ein besonderes Fundstück ist Zilles Lebenslauf. Die damals von Berliner Kollegen zusammengetragenen Details ergänzen nun um einige wichtige Aspekte die Vita, die wir in Bronze gegossen 2014 auf dem Dorfplatz aufgestellt haben“, sagt Vereinschef Eberhard Trodler. Ebenso können Ausstellungsbesucher Zilles Skizze der „Jören“ betrachten, nach der die kürzlich verstorbene Kleinmachnower Künstlerin Emma Maria Lange die Skulptur auf dem Dorfplatz schuf.

Ein großes Stück Zille steckt auch in dem Cartoonisten Bernd Zienicke. Wie schon sein Vorbild „dem Volk aufs Maul“ schaute, so beobachtet auch der Teltower seine Umwelt und deren Menschen ganz genau, um im passenden Moment Papier und Bleistift zu zücken und ein paar erste Striche aufs Blatt zu malen. In Zienickes Karikaturen hat sich schon so mancher wiedererkannt und herzlich über sich selbst gelacht.

Sein Markenzeichen ist ein schwarzes Barett

Heinrich Zille wurde am 10. Januar 1858 in Radeburg bei Dresden geboren und starb am 9. August 1929 in Berlin.

Bernd Zienicke wurde 1947 in Potsdam-Babelsberg geboren, absolvierte seine Lehrzeit als Dachdecker, diente auf einem Minensuchboot der Nationalen Volksarmee und arbeitete anschließend in einem Teltower Elektronikbetrieb.

Nach einer langen Pause von 21 Jahren griff Zienicke erst als Rentner wieder zu Pinsel und Farbpalette.

Zienickes Markenzeichen ist ein schwarzes Barett, das er offenbar nur zum Schlafen absetzt.

Sein großer Wunsch sei es, einmal im Rathaus Kleinmachnow ausstellen zu können. Doch die Warteliste der Künstler, die dort einmal ihre Arbeiten zeigen wollen, ist lang, weiß Zienicke.

Von Heinz Helwig

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