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Potsdam-Mittelmark Bunter Festumzug bahnt sich durch Werder
Lokales Potsdam-Mittelmark Bunter Festumzug bahnt sich durch Werder
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14:49 17.07.2017
Die „Werderaner Pferdebahn“ startete 1895 mit vier Wagen und Pferden vom Markt zum Bahnhof. Quelle: Christel Köster
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Werder

Historische Pferdewagen, polierte Oldtimer und knatternde Traktoren: Für eine Stunde war die Brandenburger Straße in Werder am Sonntag bevölkert von Zeitreisenden. Um Punkt 13 Uhr setzte sich der Festumzug zur 700-Jahr-Feier in Bewegung. Anderthalb Jahre lang hat Baldur Martin unter anderem in Zusammenarbeit Klaus-Peter Meißner an der Planung und Zugaufstellung gewerkelt. Große Aufregung vor dem Start? „Jetzt nicht mehr“, sagte der Ortschronist Baldur Martin gelassen. „Als ich ankam, einmal durchgelaufen bin und gesehen habe, wer alles gekommen ist, war alles gut. Sie sind alle bestens vorbereitet“ Überraschungsgäste waren die Langen Kerls aus Potsdam, die sich kurz vor Ultimo noch angemeldet hatten. „Darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagte Baldur Martin.

Die Fischer haben über Jahrzehnte wesentlich zur Ernährung der Inselbewohner beigetragen. Quelle: Christel Köster

Viele Werderaner säumten die Straßenränder und ließen sich das Spektakel trotz kurzen Regenschauern nicht entgehen. Angeführt wurde der große Zug, wie beim Baumblütenfest auch, vom Spielmannszug der Feuerwehr, der aber diesmal in historischen Trachten gekleidet war. Kurz dahinter folgten Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) mit langem, geflochtenen Zopf und einem violetten Samtkleid und ihr Beigeordneter Christian Große (CDU) in ritterlichem Hofgewand. In insgesamt 52 „Bildern“ zeigten die Werderaner Höhepunkte aus der Zeit zwischen 1317 und 2017. Mit dabei war der erste Amtsrichter (18. Jahrhundert), Plünderer im Dreißigjährigen Krieg, die Schützengilde (1704), der erste Fährverkehr nach Potsdam (1724), die Obstzucht und die Fischerei (19./20. Jahrundert), der Erste Weltkrieg, die Inflation (1920er-Jahre) und auch ein Blick in die Zukunft.

700 Jahre Stadtgeschichte in 52 lebendigen Bildern bestaunten Tausende Besucher trotz kurzer Regenschauer am Sonntag in Werder. Zu den Höhepunkten aus der Zeit zwischen 1317 und 2017 gehörten: der erste Amtsrichter (18. Jahrhundert), Plünderer im Dreißigjährigen Krieg, die Schützengilde (1704), der erste Fährverkehr nach Potsdam (1724), die Obstzucht und die Fischerei (19./20. Jahrundert), der Erste Weltkrieg, die Inflation (1920er-Jahre).

Die Werderschen streiten sich mit den Glindowern

Weinmeister zogen eine alte Weinpresse hinter sich her und Ziegeleifamilien präsentierten sich mit täuschend echt aussehenden Styroporziegeln, angefertigt von Horst Bertz, unter den Armen. Wenn der Zug mal zum Stehen kam, wurde schnell der Krieg mit den Glindowern auf dem Sauberg (1721) nachgestellt. Die Auseinandersetzung beginnt mit dem Glindower Bauern Krüger, der auf dem Sauberg Getreide aussät. Die Werderschen reklamieren die Fläche für sich, da sie diesseits des Glindower Sees liege. Der Streit wurd sogar vor Gericht ausgetragen und flammte über Jahrzehnte immer wieder auf. Zwischenzeitlich ließ Bauer Krüger seine Kuh weiden. Die Werderschen konterten mit drei Pferden. Auch einige „Ureinwohner“ konnten am Sonntag noch etwas über die Stadtgeschichte lernen.

Ziegeleifamilien und Obstzüchter beim Festumzug war Quelle: Christel Köster

So richtig einverstanden waren die Zuschauer letztlich nicht damit, dass die gesamte Zeit zwischen 1933 und 1989 weggelassen wurde, nachdem eine Debatte über die Darstellung der NS-Zeit entbrannt war. „Dass die NS- und die DDR-Zeit damit gleichgesetzt werden, finde ich nicht gut“, sagte Marcel Schuhmacher aus Werder. „Viele hier beim Festumzug haben die Zeit nicht miterlebt und hätten so einen Eindruck davon bekommen können“, so der Erzieher.

Zwischenfall mit einem Reporter des Brandenburger Stadtfernsehens

Rund 12 000 Besucher kamen am ganzen Wochenende zur 700-Jahr-Feier, wie Sprecher Henry Klix der MAZ am Sonntagabend sagte. Die Feierlichkeiten begannen am Sonnabend mit dem Ehrenamtstag „Werder hilft“, bei dem die Feuerwehr Werder als Überraschung zwei neue Einsatzfahrzeuge erhalten hat. Es handelt sich um einen Rüstwagen im Wert von 570 000 Euro und um ein Löschfahrzeug für 360 000 Euro. Am Nachmittag begann an der Regattastrecke die Konzertreihe „Musik liegt in der Luft“, unter anderem mit Kerstin Ott und „Glasperlenspiel“. Besonders diese beiden Konzerte seien trotz heftigem Regenschauer gut besucht gewesen, wie einige Werderaner berichteten.

Das abendliche Konzert an der Regattastrecke am Sonnabend. Quelle: Julian Stähle

Am Rande der Auftritte ist es zu einem Zwischenfall mit einem Pressevertreter des Brandenburger Stadtfernsehsenders SKB gekommen, wie ein Kameramann der MAZ mitteilte. Er klagte über Beleidigungen und eine tätliche Auseinandersetzung, bis er schließlich des Platzes verwiesen wurde. „Wir bestätigen, dass in Wahrnehmung des Hausrechts ein Platzverweis ausgesprochen wurde“, erklärte die Stadtverwaltung auf MAZ-Nachfrage am Sonntag. Der Platzverweis habe nur für diesen Tag und nur für die Regattastrecke gegolten. „Es war eine Situation entstanden, in der es keine andere Lösung gab. Wir haben von einer Anzeige gehört. Auch die Stadt wird die Einleitung rechtlicher Schritte prüfen“, so die Stellungnahme weiter.

Neues Schmuckstück für die Stadtchefin

Eine neue Amtskette ist Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) beim Festempfang zur 700-Jahr-Feier am Freitag von der Haus- und Grundstücksgesellschaft Werder (HGW) überreicht worden.

Angefertigt hat sie der Werderaner Goldschmied Heinrich Gröninger. Die Idee für dieses Geschenk stammt von Altbürgermeister Werner Große.

Neben dem Stadtwappen und einer Silhouette aus den bekannten Sehenswürdigkeiten wurden insgesamt acht weitere Wappen der Werderaner Ortsteile eingearbeitet.

Von Luise Fröhlich

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