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Busverkehr: Anwohner wollen endlich Ruhe

Treuenbrietzen Busverkehr: Anwohner wollen endlich Ruhe

Anlieger der seit Jahresbeginn verstärkt von Linienbussen genutzten Albert-Schweitzer- Straße in Treuenbrietzen sind genervt von den stündlichen Touren. Von der Stadt fordern sie einen Asphaltbelag oder die Verlegung der Buslinie. Die Anwohner fürchten auch Schäden an ihren Häusern.

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Treuenbrietzener Anwohner beraten die für sie nervende Verkehrssituation in der Albert-Schweitzer-Straße mit Bauamtsleiter Christoph Höhne (re.).

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Spätestens ab 6 Uhr sei die Nachtruhe meist vorbei. „Vor allem im Sommer, wenn wir bei offenem Fenster schlafen wollen“, sagt eine Anwohnerin der Albert-Schweitzer-Straße in Treuenbrietzen. Mit einigen ihrer Nachbarn beteiligt sie sich an einer Initiative zur Verkehrsberuhigung in dem Abschnitt zwischen der Bundesstraße 2 und kurz vor dem Hort der Albert-Schweitzer-Grundschule.

Vor allem die Besitzer von 17 Eigenheimen sind genervt. Sie leben an dem Abschnitt der Straße, der seit 1954 lediglich mit großem Granitpflaster befestigt ist. Nach der Wende wurden nur die Gehwege saniert und Radwege für den Schülerverkehr angelegt.

Seitdem zu Jahresbeginn auch die neue Linie 582 des Plus-Busses von Bad Belzig über Niemegk und Treuenbrietzen durch diese Straße geführt wird, holpert mindestens stündlich ein Bus durch die gepflasterte Straße. Hinzu kommen der öffentliche Schülertransport und die privaten Fahrten von Eltern zur Grundschule und zurück.

Schäden an Häusern befürchtet

„Die Straße ist für diese Belastungen durch große Busse gar nicht ausgelegt“, glaubt Olaf Bölke. „Die Steine wackeln schon und drehen ich auf die Spitze. Unsere Häuser erschüttern und erleiden Schäden. Wenn hier nicht bald etwas passiert, ist die Straße komplett hin“, sagt der Anwohner bei einer ersten Zusammenkunft der Initiativgruppe.

Sie fordert von der Stadt einen Asphaltbelag für den Abschnitt oder die Verlegung der Buslinie. Verschärfen könnte sich die Belastung, wenn demnächst die Bundesstraße 2 im Bereich der Leipziger Straße ausgebaut wird und die Albert-Schweitzer-Straße zur innerörtlichen Ausweichstrecke werden könnte, fürchten Anwohner.

Vier Linie rollen inzwischen als Plus-Bus durch Potsdam-Mittelmark

Vier Linie rollen inzwischen als Plus-Bus durch Potsdam-Mittelmark.

Quelle: Thomas Wachs

Den Ausbau offiziell als Umleitungsstrecke in Angriff zu nehmen und dafür das Land zur Kasse zu bitten – wie einst in der Burgwallstraße oder dem Kameruner Weg erfolgt – sei heute nicht mehr möglich, sagt Bauamtsleiter Christoph Höhne bei dem abendlichen Ortstermin mit den Anwohnern. Der Ressortleiter verweist auf die Zuständigkeit der Stadtverordneten. „Ich rate dazu, das Thema über die Fachausschüsse einzubringen“, so Höhne.

Aus dem Rathaus heraus sieht er keine Priorität für einen Ausbau. „Da haben wir im Stadtgebiet noch ganz andere Problemzonen“, sagt Höhne an der Albert-Schweitzer-Straße. Entscheiden müssten jedoch die Stadtverordneten mit dem Haushaltsplan. Große Chancen auf sonstige Veränderungen oder Fördergeld sieht der Bauamtsleiter aktuell nicht. Schon jetzt gilt in der Zone Tempo 30. Anwohner fordern mehr Tempokontrollen durch die Polizei.

Seit Januar auf Strecke

Seit dem 1. Januar 2017 rollt die neue Linie 582 als vierter Plus-Bus im Landkreis und sechster landesweit zwischen Treuenbrietzen, Niemegk und Bad Belzig werktags in Stundentakt sowie mehrmals an Wochenenden auch in den Schulferien.

Die Busse bieten an Bahnhöfen direkten Umstieg auf die Bahnen der RB 33 in Treuenbrietzen sowie des RE 7 in Bad Belzig.

Das neue Konzept des „Plus-Busses Hoher Fläming“ soll mehr Pendler zum Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr bewegen.

Zur Folge hat das Konzept insgesamt 50 000 Zusatzkilometer. Diese finanziert der Landkreis mit zusätzlich 100 000 Euro im Jahr.

Die Kosten entstehen vor allem durch die neuen Touren an Wochenenden und kommen auch privaten Partnern zugute.

Kooperationen gibt es mit dem Busbetrieb Glaser aus Klepzig, der Firma Sabinchentouristik aus Treuenbrietzen und dem Fuhrbetrieb Reich aus Jüterbog.

„Wir sollten das hier nicht dem Selbstlauf überlassen“, sagt Rainer Zobel. Er hat die Anlieger-Initiative ins Leben gerufen. Nun will er Kontakte zu politischen Gremien knüpfen und auch den Landkreis als Träger des öffentlichen Busverkehrs zur Problematik anschreiben. „Es könnte ja schon ruhiger werden, wenn es eine Einbahnstraßenregelung geben könnte oder vielleicht kleinere Busse eingesetzt werden“, sagt Zobel.

Kleinere Busse schon im Einsatz

Das sei für einige Fahrten am frühen Morgen sowie am Abend bereits erfolgt, sagt Hans-Jürgen Hennig auf Nachfrage der MAZ. Der Geschäftsführer der Regiobus Potsdam Mittelmark GmbH verweist zur Auslastung der Busse darauf, dass Treuenbrietzen Anfangs- und Endpunkt der neuen Linie ist.

Dabei sei es normal, dass sich der Bus langsam von Haltestelle zu Haltestelle füllt beziehungsweise leert. „Deshalb sind Abschnitte niemals Basis einer Gesamtbeurteilung“, sagt Hennig. Zudem benötigten neue Angebote erfahrungsgemäß zwei bis drei Jahre, bis sie gut angenommen werden.

An Bahnhöfen bieten die Plus-Busse direkten Anschluss an verschiedene Züge

An Bahnhöfen bieten die Plus-Busse direkten Anschluss an verschiedene Züge.

Quelle: Thomas Wachs

Belastbare Zahlen erwartet der Geschäftsführer nach dem nächsten Winterhalbjahr. „Wir stellen leider immer wieder fest, dass vor allem Nichtnutzer sich vom ÖPNV belästigt fühlen. Das ist bedauerlich, weil damit die wichtige Funktion der Teilhabe zu verträglichen Preisen diskreditiert wird und das Wohl Einzelner über das Wohl der Allgemeinheit gestellt wird“, sagt der Chef der Verkehrsgesellschaft des Kreises Potsdam-Mittelmark.

Hans-Jürgen Hennig geht nach der ersten Einschätzung davon aus, „dass die Linie 582 unserer Erwartungen weit übertreffen wird“. Konkrete und detaillierte Zahlen zur Gesamtstrecke und ihren Abschnitten will die Verkehrsgesellschaft in den nächsten Wochen veröffentlichen. „Schon jetzt ist aber klar, dass diese Linie im ersten Jahr selbst die Zuwächse der Plus-Busse nach Brandenburg/Havel und Potsdam übetreffen wird“, so Hennig. Sie galten mit Fahrgastanstiegen um zehn Prozent als Erfolgsbringer.

Von Thomas Wachs

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