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Neues Leben in alten Schlecker-Filialen Café, Sportstudio, Shop, Arztpraxis

Sie waren landauf, landab bekannt – die weiß-blauen Schlecker-Filialen. Nach der Pleite des großen Drogeriekonzerns 2012 wurden sie dicht gemacht. Drei Jahre nach der Insolvenz sind von den einstigen Drogerie-Filialen im Potsdamer Umland heute fünf wieder geöffnet.als Café, Sportstudio, Shop, Arztpraxis

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Daniela Stein führt in der ehemaligen Schlecker-Filiale in Saarmund jetzt das Café „Nuthella“.

Quelle: Claudia Krause

Potsdamer Umland. Ganz leise kündigte sich die Pleite des Schlecker-Drogerie-Imperiums damals an: Die Regale waren leer, Mitarbeiter und Betriebsräte kritisierten ihren Arbeitgeber, schlechte Arbeitsbedingungen und Lieferengpässe. Die Kunden waren unzufrieden. Dennoch kam die Nachricht von der Pleite überraschend und schlug am 20. Januar 2012 ein wie eine Bombe. Erst ging es noch um Rettung, dann kam am 28. Juni 2012 das offizielle Aus für die Schlecker XL GmbH. Die Tochtergesellschaft IhrPlatz wurde ebenfalls aufgelöst. Besonders dramatisch: Das Los der tausenden Schlecker-Frauen, die quasi über Nacht ihre Jobs verloren.

Heute, drei Jahre nach der Schlecker-Pleite, ist die alte Laden-Landschaft im Potsdamer Umland wieder bunter geworden. Auch wenn noch nicht jeder der 12 ehemaligen blau-weißen-Schlecker-Filialen zwischen Teltow und Werder wieder vermietet ist. Immerhin: In fünf Drogerie-Läden ist neues Leben eingezogen. Für drei weitere laufen Gespräche mit Mietinteressenten.

Noch ganz frisch am Markt ist das Café „Nuthella“ in Saarmund (Gemeinde Nuthetal). Da wird Geschäftsführerin Daniela Stein (55) immer wieder mit der Bemerkung konfrontiert, dass sie ja „im alten Schlecker“ sei. Für die 55-jährige gebürtige Tschechin, die seit den 1980er Jahren in Berlin lebt und bereits dort ein Restaurant und ein Café-Bistro geführt hat, war es eine neue Herausforderung, jetzt im Umland aktiv zu werden. Der Berliner Architekt Peter-Michael Tech als Inhaber hatte ihr das Objekt schmackhaft gemacht. Die Teltower Region kannte sie, auch Michendorf, „aber ich wusste gar nicht, wo Saarmund überhaupt liegt“, gesteht sie. Seit vier Wochen wirbelt sie jetzt in dem geschmackvoll eingerichteten Café mit insgesamt rund 50 Plätzen innen und auf der Terrasse. Sie verwöhnt die Gäste mit italienischem Eis, mit Torten aus der Konditorei Beier aus Steglitz und bereitet kleine, leichte Speisen mit mediterraner Note zu. Frühstück gibt’s auch. „Ich will hier gar keine Konkurrenz zu den anderen Anbietern wie dem Imbiss sein“, sagt Daniela Stein. Man ergänze sich gut in dem kleinen Einzelhandelszentrum an der Nuthestraße. „Aber ich freue mich, dass viele Menschen von sich aus fragen nach vegetarischen und leichten Sachen“, erzählt die Frau, die selbst gern auch ein Stück gutes Fleisch ist. „Wir sollten alle bewusster essen“, empfiehlt sie. Mit ihren Öffnungszeiten bis in den Abend und am Wochenende trifft sie offenbar den Nerv der Bewohner, denn ein solches Café hat die Gemeinde Nuthetal bislang nicht zu bieten. Immer mittwochs rückt bereits eine Stammtischgesellschaft an, es werden Geburtstage und Jubiläen gefeiert. „Ich fühle mich hier angekommen mit dem Café“, sagt Daniela Stein, die weiter in Berlin wohnt. Unterstützung bekommt sie von Katja Humenko, die in Saarmund wohnt. Späterhin könnte noch eine weitere Angestellte nötig werden, so die Chefin. Immerhin finden seit vier Wochen auch schon jede Menge Gäste aus Tremsdorf, Potsdam und Berlin den Weg in das Café. Geöffnet ist Montag (außer dienstags) bis Sonntag.

Ein Café ist auch in Werder auf der Insel in die Schlecker-Filiale gezogen. In Stahnsdorf belebt seit kurzem der Service Shop Schmidt den einstigen Drogeriestandort. Christiane Schmidt (64) ist nach 20 Jahren gerade dorthin umgezogen und freut sich, dass die Kunden den Treffpunkt für Shopping, Dienstleistungen und Unterhaltungen gut angenommen haben. Ordentlich Leben „in der Bude“ ist längst wieder in der Filiale im Kleinmachnower Uhlenhorst, wo das „mm sports“-Fitnessstudio Frauen und Männer auf Trab bringt. In der Beelitzer Poststraße hat eine Allgemeinärztin ihre Praxis eröffnet. Im Moment ist sie wegen Urlaub geschlossen.

Die zweite und größere einstige Beelitzer Schlecker-Filiale im Gewerbegebiet steht erneut leer, nachdem ein Antikhandel wieder dicht gemacht hat. Hoffnung scheint es für die Michendorfer Filiale an der Potsdamer Straße zu geben. Der Gemeindeverwaltung hat sich eine Potsdamer Firma angekündigt, die zum Beispiel T-Shirts bedrucken oder Autoklebefolien verkaufen will. Ein Gewerbe sei jedoch noch nicht angemeldet, hieß es auf MAZ-Nachfrage. Vor Schlecker hatte dort ein Autohaus sein Quartier.

„Im Gespräch mit Interessenten“ ist Werder für „Schlecker“ in der Brandenburger Straße. Ein vorübergehender Verwaltungssitz war Rehbrückes „Schlecker“ (ebenfalls Nuthetal). Dorthin waren Gemeindemitarbeiter ausgewichen, als ihr Bürositz durch Aldehyde verseucht war. Jetzt steht die Filiale wieder leer.

Gähnende Leere weiter in den Teltower Läden in der Albert-Wiebach- und Rheinstraße/Ecke Potsdamer. Beide sind nicht wieder vermietet. Immerhin: Nicole Zocher, langjährige Teltower Schlecker-Chefin, leitet jetzt den Seddiner Dorv-Laden.

Bislang glücklos verlief auch in Neuseddin die Wiedervermietung. Peggy Wibbing vom Immobilienbüro in Hoppegarten hält es „für etwas schwierig dort“, weil wegen der geringen Einwohnerzahl in Seddiner See „wohl kein Filialist zu kriegen ist“. Sie findet einen Laden mit „kleinen Dingen, die man so mitnimmt, auch etwas Bekleidung“ passend.

12 Filialen im Umland

Im Potsdamer Umland gab es einst 12 Schlecker-Filialen.

Werder, Teltow, Beelitz und die Gemeinde Nuthetal hatten jeweils zwei Filialen; Schwielowsee gar keine.

Anton Schlecker gründete 1975 das Unternehmen, das Ende Juni 2012 pleite ging. 22 959 Mitarbeitern wurde im Juni 2012 gekündigt. Rund 10 000 davon hatten bis Oktober wieder Arbeit.

Von Claudia Krause

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