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Potsdam-Mittelmark Caputher Pfarrer feiert Weihnachten immer vor
Lokales Potsdam-Mittelmark Caputher Pfarrer feiert Weihnachten immer vor
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18:01 19.03.2018
Thomas Thieme kennt seine Gemeinde nach zwei Jahren Amtszeit in Caputh gut – und sie ihn. Quelle: Franziska Appelt
Caputh

Als „extrovertiert und kreativ“ beschreibt sich Pfarrer Thomas Thieme (38) selbst. Seit dem 1. Oktober 2015 hat er die Pfarrstelle in Caputh dauerhaft, das heißt vorerst für zehn Jahre, inne. Zuvor hatte er in der Kirchengemeinde für zwei Jahre seinen Entsendungsdienst – eine Art Probezeit für frisch examinierte Pastoren, absolviert. Damit trat er die Nachfolge von Hans-Georg Baaske an, der in der Gemeinde über 14 Jahre tätig war. „Unmöglich“ diese riesigen Fußstapfen auszufüllen, „ein wahres Schlagloch“, sagt Thieme, der stattdessen einfach versucht, gut mit der Kirchengemeinde auszukommen, bewährte Traditionen zu pflegen und neue hinzuzufügen.

Doch es war auch eine glückliche Fügung für den Mann, der kurz zuvor mit seiner Frau Juliane Rumpel ins Pfarrhaus nach Langerwisch gezogen war. Ein echter Pfarrhaushalt, denn sie ist Pfarrerin in Langerwisch und Wilhelmshorst.

Vom Großstadt-Pfarrer zum Dorfpastor

Etwa vier Stunden benötigt der Geistliche, um eine Predigt zu verfassen. Mit Rat steht ihm seine Frau Juliane zur Seite. Die Gottesdienste ziehen von Oktober bis Ostern ins benachbarte Gemeindehaus. „In der Kirche sind es aktuell 5 Grad. Das hält man keine zehn Minuten aus.“ Für die Heilige Nacht wird die Kirche mit mobilen Heizungen erwärmt. „Mit dicken Socken und langen Unterhosen übersteht man eine Stunde bei 12 Grad“, so Thieme. Eine ganz besondere Rolle nehmen die Worte zum Heiligen Abend ein: „Die Kirche ist voll bis zum letzten Platz. 30 Sekunden der Stille können dann schon zu einem gelungenen Gottesdienst führen. Es sind die echten Kerzen, der Geruch vom Weihnachtsbaum und das gemeinsame Singen, das frühste Erinnerungen an Kirche erweckt. Lieder wirken dann mehr als Worte und erschaffen ein Gefühl des Zusammenhalts und der Heiligkeit.“ Es wird Thiemes fünfter Heiliger Abend als Pfarrer sein. „Davor bin ich immer besonders aufgeregt. Am 24. ab 10 Uhr bin ich zu nichts mehr zu gebrauchen“, gibt er zu. Wenn am Abend die letzten Glockentöne erklingen, sei das, als würde man „nach einer Bergbesteigung wieder runter kommen.“

Vor seiner Zeit als Dorfpfarrer predigte der Neu-Brandenburger in der Kreuzkirchengemeinde in Berlin-Schmargendorf. Diese Gemeinde ist zwar deutlich größer als die Caputher, die aktuell etwa 650 Mitglieder zählt. Aber es war auch anonymer. „Ich kenne die Caputher inzwischen und sie kennen mich.“ Zwischen „Milch und Müsli“ würde man sich beim Einkaufen treffen oder auf der Straße unterhalten. Diese Begegnungen und Geschichten lässt Thieme gern in seine Predigten einfließen. Die „Perikopenreihe“, eine Art Wochenpsalm, sei zwar auf sechs Jahre vorgegeben, doch die Krux sei es, sie mit einer Bedeutung für die ortsansässigen Menschen zu füllen.

Warum er von einer japanischen Reisegruppe fotografiert wurde

Das gelingt Thieme, der sich auch privat für Lyrik und moderne Kunst begeistert. Ideen holt er sich aus dem Kino, Radio, Fernsehen oder aus Büchern. Zu seinen Lieblingswerken gehört die „Bibel nach Biff“ von Christopher Moore, eine humorvolle Nacherzählung über das Leben Jesu. Unzählige Bücher las er auch während seiner Studienjahre in Berlin, Göttingen und Innsbruck. „2000 Jahre Kirchengeschichte musste ich nachholen, Griechisch und Latein lernen.“ Vor allem Letzteres bereitete dem damals 19-Jährigen, der frisch nach Berlin gezogen war, Schwierigkeiten – nicht zuletzt, weil der Unterricht auch nach einer Berliner Partynacht um 8 Uhr begann. Auch heute genießt Thieme seine freien Sonntage, wenn er ausschlafen kann. Gern besucht er dann Gottesdienste von Kollegen. Als Ausgleich spielt der Langerwischer Volleyball und geht paddeln: „Nur zwei Meter vom Ufer entfernt, lässt man alles andere an Land“, schwärmt er.

Für die Geisteswissenschaften interessiert sich der gebürtige Thüringer schon lange. Obwohl seine Familie zu den „Feiertagschristen“ zählte, hatte er nach der Schule Lust auf Theologie. Schnell wurde sein romantisches Pfarrer-Bild durch die universitäre Wirklichkeit korrigiert, was den Beruf für Thieme nur umso reizvoller machte. Zur Ausbildung eines Pfarrers gehören neben der Expertise in Glaubensfragen auch die Grundlagen im Singen und Sprechen. Dafür wurden bestimmte Atemtechniken gelernt. Mit seiner tiefen, klaren Stimme schafft er regelmäßig eine ganz besondere Atmosphäre im Kirchenschiff. Ebenfalls auf dem Lehrplan standen Bewegungsübungen. Thieme erinnert sich an eine Stunde in der Kirche in Wittenberg, in der die jungen Theologen im Talar Dreh- und Gehübungen machten: „Wie schreitet man richtig, ohne, dass es albern wirkt?“ Diese Attraktion wurde von einer japanischen Reisegruppe abgelichtet.

Am 8. Februar 1852 feierlich eingeweiht

Der Schinkel-Schüler August Stüler gestaltete das die Caputher Kirche als dreischiffige Pfeilbasilika, die am 8. Februar 1852 feierlich geweiht wurde. Der Glockenturm ist 23 Meter hoch.

Bauherr war Friedrich Wilhelm IV., der eine Rosette mit acht Blütenblättern gestaltete für die Kirche gestaltete. Die 1914 erneuerte hölzerne Kassettendecke wird verziert von gelben Sternen auf blauem Grund.

Am 27. November wurden die ersten Gemeindebriefe in Form einer vierseitigen Zeitung namens „Der Caputher“ an 600 Haushalte verteilt. Fünf Ausgaben sollen im Jahr erscheinen.

In der MAZ-Serie „Unsere Pfarrer, unsere Kirchen“ stellen wir die Menschen unter den Talaren aus der Region vor.

Von Franziska Appelt

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