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Caputher modelliert Preußische Köpfe

Kunstwerkstatt Caputher modelliert Preußische Köpfe

In seiner Preußischen Kunstwerkstatt inmitten von Caputh stellt Stuckateur Thomas Seyfarth Köpfe und Büsten von Königen, Kaisern und anderen bedeutenden Persönlichkeiten her. Mit dieser Arbeit ist der 69-Jährige in der Region, abgesehen von der Gipsformerei in Berlin Charlottenburg, einzigartig. Momentan ist besonders ein Kopf sehr gefragt.

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Die Prinzessinnengruppe, ursprünglich von Johann Gottfried Schadow, zeigt Preußenkönigin Luise mit ihrer Schwester Friederike.

Quelle: Luise Fröhlich

Caputh. In Thomas Seyfarths Kunstwerkstatt scheint die Zeit stehen geblieben. Wie in einer Schatzkammer leben Preußische Kultur und Geschichte darin weiter. Mehr als 1000 Büstenmodelle von Kaisern, Königen und anderen bedeutenden Figuren stehen dicht an dicht. Luthers Kopf, der momentan angesichts des bevorstehenden Lutherjahrs sehr gefragt ist, gesellt sich so zu Karl Marx, Albert Einstein oder Theodor Fontane. Ganz am Ende des Werktisches, an Seyfarths Arbeitsplatz, liegen Pinsel, Kautschukformen und Spachtel.

Seyfarths Arbeitsplatz in der heimischen Werkstatt

Seyfarths Arbeitsplatz in der heimischen Werkstatt.

Quelle: Luise Fröhlich

Der gelernte Stuckateur hat sich 1998 mit seiner Preußischen Kunstwerkstatt in Caputh selbstständig gemacht. Abgesehen von der Gipsformerei in Berlin Charlottenburg, die ebenfalls Abgüsse von Preußischen Persönlichkeiten herstellt, ist er damit in der Region einzigartig. Obwohl der 69-Jährige schon Rentner ist, verbringt er jede freie Minute in seiner Werkstatt – auch am Wochenende. „Ich bessere meine Rente ein bisschen auf, gehe aber auch einfach meinem Interesse nach“, sagt Seyfarth. Die Werkstatt ist Teil einer ehemaligen Fabrikhalle, in der sich einst auch eine Marmeladenmanufaktur befand.

Lackierung nach eigener Formel

Bekommt Thomas Seyfarth einen Auftrag, etwa vom Museum des Schloss Charlottenburg oder vom Haus Doorn in Holland, sucht er zuerst die passende Form aus seinem Sammelsurium raus. Gibt es noch keine oder ist die Form in die Jahre gekommen, muss er eine neue herstellen. Während seiner Lehrzeit bestanden diese Formen noch aus Gips oder Gelatine. Mittlerweile gibt es mehrere Kautschukarten. Mithilfe der Form wird dann der Abguss hergestellt, den Seyfarth anschließend noch bearbeitet und mit einer Patinaschicht bestreicht.

Thomas Seyfarth

Thomas Seyfarth

Quelle: Luise Fröhlich

Diese Lackierung rührt er mit Erdfarben und anderen geheimen Zutaten an. Sie bringen den Figuren Glanz und Farbe. Auch die Kartoffel, die Seyfarth kürzlich für einen Liebhaber Friedrichs des Großen hergestellt hat, bekam einen glänzenden Anstrich. „Die Kartoffel war schon was besonderes, weil ich ja sonst nur Köpfe und Gesichter habe“, erzählt er. Allein die Form herzustellen, sei eine Herausforderung gewesen, um die fertige Kartoffel nicht wie einen Stein aussehen zu lassen. In seiner Sammlung gefällt ihm die Knabenbüste vom Kaiser Wilhelm I. am besten. Ein Museum hatte ihm den Kopf aus Marmorporzellan in Scherben gebracht und er reparierte ihn.

In Sanssoucis Nachbarschaft aufgewachsen

Das Interesse für die Preußen kommt nicht von ungefähr. Im Alter von vier Jahren zog die Familie von Thüringen nach Potsdam und Seyfarth wuchs ganz in der Nähe des Parks Sanssouci auf. „Das war meine Spielwiese“, sagt er. Die Stuckateur-Lehre machte er bei einem Potsdamer Betrieb und lernte das Modellieren und Formen an der Fachschule. Auch bei der Defa war er tätig, denn in Babelsberg wurden zu DDR-Zeiten Büsten für Filme gebraucht. Eine Zeit lang half er zudem bei der Restaurierung der Fassaden oder bei der Nachbildung von Stuck in Sanssouci. Einen Nachfolger für seinen Betrieb hat er zumindest in der Familie noch nicht gefunden. „Mein Sohn und meine Tochter machen beide was anderes. Aber bis jetzt will ich ja noch“, sagt er.

Prominente Kunden

Georg Friedrich Prinz von Preußen , seit 1994 Chef des Hauses Hohenzollern, zählt zu den prominenten Kunden des Stuckateurs Thomas Seyfarth. Er hat ihn sogar in der Werkstatt besucht.

Die Museen des Schlosses Charlottenburg, des Hauses Doorn in Holland und des Schlosses Sanssouci ordern regelmäßig kleinere Büsten und Köpfe für ihre Besucher, die sich ein Souvenir mitnehmen wollen.

Die Bundeswehr hat Reliefplatten mit dem Alten Fritz und seinen Hunden bei Seyfarth bestellt. Auch die Fontane- und die Schinkel-Gesellschaft wurden mit Medaillons und Köpfen aus Caputh beliefert. Derzeit hat Seyfarth mit Luther-Bestellungen aus Holland zu tun.

 

Von Luise Fröhlich

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