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Potsdam-Mittelmark Caputherin lebt ein Jahr in Kanada
Lokales Potsdam-Mittelmark Caputherin lebt ein Jahr in Kanada
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17:43 11.07.2017
Hannah Maria Theuer (r.) mit ihrer Gastschwester aus Brasilien in Kanada. Quelle: Privat
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Caputh

Einen neuen Skianzug, zwei warme Pullover, verschiedene Armbänder von Veranstaltungen und eine Kette von der besten Freundin – es sind nicht sehr viele Dinge, die Hannah Maria Theuer aus Kanada mitgebracht hat. In ihrem Kopf und in ihrem Herzen schlummern dafür unzählige und einzigartige Erinnerungen. Die 17-jährige Caputherin hat zehn Monate in der kanadischen Kleinstadt Campbellton verbracht. Dort durchlebte sie einen extrem kalten Winter, das Weihnachtsfest mit der Gastfamilie und erkannte, wie schnell man sich an andere Menschen gewöhnen kann. Vor drei Wochen ist sie in die Heimat zurückgekehrt und brauchte ein wenig Zeit, um wieder in ihrem alten Leben anzukommen. Manchmal fällt es ihr noch immer schwer, die Wörter auf Deutsch zu finden, nachdem sie sich fast ein Jahr lang nur auf Englisch verständigt hat.

Am 2. September 2016 war es endlich soweit. Ein Jahr war zu diesem Zeitpunkt seit ihrer Bewerbung für das Auslandsjahr vergangen und nun stand sie am Flughafen mit ihrer Familie und durchlebte das erste Gefühlschaos der Reise. „Der Abschied von meiner Familie war schon schwierig. Ich hatte mir extra gewünscht, dass nur meine Familie mitkommt. Ein paar Tränen sind schon geflossen“, erzählt Hannah. Auf die Zeit in Kanada vorbereitet wurde sie in einem einwöchigen Seminar der gemeinnützigen Schüleraustauschorganisation YFU („Youth For Understanding“). „Das war wirklich toll. Danach dachte ich, jetzt kann’s losgehen“, sagt sie. Und sie war nicht allein, denn mit ihr flogen über die Agentur noch einige andere Austauschschüler.

Nicht nur Mathe, Bio und Geschichte in der Schule

Die Gastfamilie kannte Hannah bis dato nur von Mails, gesehen hatte sie sie noch nicht. Nachdem sie also von Berlin nach Frankfurt, von dort nach Toronto und von dort nach Moncton geflogen ist, kam sie nach einer Nacht im Hostel und einer dreistündigen Autofahrt völlig übermüdet in ihrem neuen Heim in Campbellton an. Als sie die Familie zum ersten Mal sah, war Hannah erleichtert und unsicher zugleich, wie sie erzählt. „Erleichtert, weil ich endlich angekommen war und unsicher, weil man natürlich nicht weiß, wie es wird.“ Ihre Gasteltern haben selbst drei Töchter, die aber schon aus dem Haus sind und zu der Zeit von Hannahs Aufenthalt gleichzeitig schwanger waren. Mit Hannah zusammen zog noch eine Gastschwester aus Brasilien ein. Mit allen hat sich die gebürtige Rostockerin sehr gut verstanden.

Hannah Maria Theuer vor der Schule, die sie zehn Monate lang besucht hat. Quelle: privat

Von morgens bis nachmittags ist Hannah auf eine etwa zehn Kilometer entfernte Schule gegangen und lernte ein völlig neues System kennen. Die Kurse und Klassen sind nicht nur anders aufgeteilt, es gibt auch andere Fächer. „Im zweiten Semester hatte ich ,Child-Studies’, ein vergleichbares Fach gibt es in Deutschland gar nicht. Es behandelt zum Beispiel die Kindesentwicklung von der Schwangerschaft bis zum 6. Lebensjahr“, berichtet Hannah. Neben Mathe, Bio, Geschichte und Englisch tastete sich Hannah im Fach „Backen“ auch an Kekse, Muffins und Kuchen heran. Im Musikunterricht lernte sie Trompete und nebenbei auch ihre beste Freundin kennen. „Anfangs war es nicht so einfach, Kontakte zu knüpfen, aber irgendwann kommt man über Gruppenarbeiten, das Sportteam oder wenn man nebeneinander sitzt doch ins Gespräch“, so Hannah.

Skifahren war in Kanada ein besonderes Erlebnis

Nur zweimal am Tag fuhr der gelbe Schulbus in den 7000-Seelen-Ort – morgens und direkt nach Schulschluss. „Ich habe die Busverbindung bei uns hier richtig zu schätzen gelernt“, erzählt Hannah. Oft ist die Schülerin in der Stadt geblieben und mit Freunden ins Schwimmbad oder Kino gegangen, hat den Blick auf Campbellton von einem etwa 300 Meter hohen Berg genossen oder war beim Training. Denn die Caputherin hat sich im zweiten Semester dem Volleyballteam angeschlossen. Ein Eindruck hat sich bei ihr gefestigt: „Der Sport ist in Kanada präsenter, die Sportteams werden von der Schule aus organisiert. Teamgeist und auch Schulgeist sind generell sehr viel besser als in Deutschland.“

Das Skifahren hat Hannah in Kanada besonders viel Spaß gemacht – bei meterhohem Schnee bis Mitte April und bis zu minus 40 Grad gefühlter Lufttemperatur. „Die Kleinstadt hat ein eigenes kleines Skigebiet, dort kann man am Wochenende sogar bis 21 Uhr fahren“, erzählt Hannah. Zu Hause bei ihren Eltern war sie zwischendurch nicht und hatte abgesehen von der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester kaum mit Heimweh zu kämpfen. „Am Anfang habe ich alle zwei Wochen mit meinen Eltern geskypt, am Ende waren es dann alle vier Wochen.“ Letztlich war es dann aber wieder der Abschied, der Hannah schwer fiel. Einen Tag vor der Abreise bekamen sie und ihre Gastschwester einen Kuchen von der Gastmutter, auf dem übersetzt „Wir werden dich vermissen“ geschrieben stand. „Es war wieder ein Gefühlschaos, mir sind in vielen Momenten und schon zwei Wochen vor der Abreise oft die Tränen gekommen“, sagt Hannah.

Erfahrener Begleiter

Seit 1957 setzt sich der Verein YFU („Youth For Understanding“) mit Sitz in Hamburg mit Schüleraustausch für interkulturelle Bildung und Toleranz ein.

Hannahs Auslandsjahr wurde von diesem Verein organisiert.

50
Partnerländer stehen in der Kartei. Jährlich schickt der YFU rund 1000 deutsche Schüler ins Ausland und nimmt etwa 550 Jugendliche aus anderen Ländern in Deutschland auf.

Rund 60 000 Jugendliche haben seit der Gründung des Vereins mit YFU ein Schuljahr im Ausland verbracht.

Der Verein lebt unter anderem auch von aktiven Ehemaligen. Bundesweit engagieren sich tausende ehrenamtliche Mitarbeiter für den Schüleraustausch.

Damit finanzielle Schwierigkeiten keine Hürde für ein Auslandsjahr darstellen, vergibt der YFU in großem Umfang Stipendien an Jugendliche, deren Eltern es sich allein nicht leisten können.

Nach der Rückreise konnte sie nicht sofort über das Erlebte sprechen. Es sei ihr vorgekommen, plötzlich wieder in einer anderen Welt zu sein. Rückblickend stellt Hannah positive Veränderungen an sich fest. „Ich würde schon sagen, dass ich selbstständiger und selbstbewusster geworden bin. In Kanada habe ich mich nicht so oft an meine Gasteltern gewandt wie an die eigenen Eltern. Man ist ein bisschen mehr auf sich allein gestellt“, sagt sie. Kam es ihr anfangs so vor, ins kalte Wasser geworfen zu werden, betrachtet sie es am Ende eher als einen Flug in ein völlig anderes Leben.

Von Luise Fröhlich

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