Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Regisseur der Reinigungskolonne

Stahnsdorf Regisseur der Reinigungskolonne

Michael Kobe aus Stahnsdorf feiert am 16. November sein 25-jähriges Meisterjubiläum. Der Chef einer Gebäudereinigungsfirma wollte als junger Mensch immer Kameramann oder Regisseur werden. Doch die Filmhochschule der DDR lehnte ihn ab. Heute führt der 57-Jährige Regie über knapp einhundert Mitarbeiter, die alles andere als „bloße Fensterputzer“ sind.

Stahnsdorf, Mühlenstraße 13a 52.38976 13.22343
Google Map of 52.38976,13.22343
Stahnsdorf, Mühlenstraße 13a Mehr Infos
Nächster Artikel
„Grüne Gründerin“ des Monats November

Michael Kobe aus Stahnsdorf sorgt mit seiner Technik für eine saubere Atmosphäre an den Arbeitsplätzen der anderen oder in deren Zuhause.

Quelle: H. Helwig

Stahnsdorf. Als junger Mensch wollte Michael Kobe immer Kameramann oder Regisseur werden. Doch die Hochschule für Film- und Fernsehen (HFF) der DDR wollte den gebürtigen Karl-Marx-Städter (heute Chemnitz) nicht, der seine Kindheit in Teltow verbrachte. Heute führt der 57-jährige Stahnsdorfer Regie über sein eigenes Gebäudereinigungsunternehmen mit knapp einhundert Mitarbeitern. Dass einmal das Saubermachen sein Lebenswerk werden würde, hatte sich der gelernte Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur in den 1970-er Jahren sicher nicht träumen lassen.

Kobe wollte 1979 sein Abitur in der Abendschule nachholen. Doch der Installateurberuf ließ ihm am Abend kaum Zeit in die Schulbücher zu schauen. Da empfahlen ihm Bekannte den Job als Gebäudereiniger. „Da hast Du schon am Mittag Feierabend und genug Zeit zum Lernen“, rieten sie ihm. Jetzt konnte sich Kobe nicht nur seiner Abendschule, sondern auch seinem Hobby, dem Laienspiel im damaligen Arbeiterkabarett „Teltower Rüpel“ mehr widmen. Nach dem Abitur wollte er Wischlappen und Wassereimer in die Ecke stellen und seine Film-Pläne wieder aufnehmen. Kobe hatte gerade seinen Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA) hinter sich. Mit den politischen Zuständen in der DDR unzufrieden, hatte Kobe einen Ausreiseantrag gestellt. Da eröffnete ihm seine spätere Frau Kerstin, zu der er mittlerweile nach Stahnsdorf gezogen war, dass sie schwanger sei, und Kobe zog seinen Ausreiseantrag zurück. Unter diesen Umständen wollte er seiner Frau die Ausreise nicht zumuten.

„Irgendwann hat es dann ’knack’ gemacht, und ich fand den Job des Gebäudereinigers plötzlich gar nicht mehr so übel“, erinnert sich Kobe. Wieder im Abendstudium holte er seinen Facharbeiterabschluss nach und nahm im Wendejahr 1989 ein Meisterstudium auf. Mit fünf Angestellten gründete er ein Jahr nach seiner bestandenen Meisterprüfung für das Gebäudereinigungshandwerk 1992 am Stahnsdorfer Dorfplatz seine Clean Up GmbH. „Wir hatten auch sofort einen großen Auftrag und reinigten bei der AOK in Teltow die Fenster und Büros.“

Noch immer leidet der Beruf des Gebäudereinigers unter dem abwertenden Klischee des bloßen Fensterputzers, klagt Kolbe. „Dabei ist unser Job eines der vielfältigsten Handwerke.“ Die Arbeit mit unterschiedlichen Werkstoffen setze ein fundiertes Wissen in der Materialkunde, Interesse an Naturwissenschaften sowie Kenntnisse über chemische und physikalische Prozesse voraus. „Es ist ein Gefühl der Unabhängigkeit, nicht an eine Werkbank gebunden zu sein. Außerdem lernt man viele Leute kennen", schwärmt Kobe für seinen Beruf. Das Gerücht, man könne als Gebäudereiniger nicht genug Geld verdienen, lässt Kobe nicht gelten. „Der überwiegende Teil der Mitarbeiter ist fest angestellt und wird nach Tarif bezahlt. Für Spezialaufträge gibt es Zuschläge“.

Der Firmenchef versteht seinen Betrieb als ein gemeinsames Team und ist bestrebt, seine Mitarbeiter zu halten. Das sei in seiner Branche nicht üblich, sagt er. Schwangeren Kolleginnen und jungen Muttis gewährt er Tagesarbeitszeiten, während das Hauptgeschäft meist in der Zeit zwischen 17 Uhr und sieben Uhr morgens läuft. Kollegen, die aus der Elternzeit kommen, können wieder ihre Arbeit im Unternehmen aufnehmen.

Trotzdem findet auch er wie viele seiner Mitbewerber kaum junge Leute, die sich für den Job des Gebäudereinigers interessieren.

Chef der Reinigungsfirma trainiert Handballmannschaft

Zu Kobes Kunden gehören etwa 600 Privathaushalte, in denen die Mitarbeiter der Clean Up GmbH im Durchschnitt zweimal im Jahr reinigen, sowie viele mittelständische Unternehmen und auch einige namhafte Künstler.

Der Wirkungskreis des Unternehmens umfasst etwa 20 Kilometer.

Im Winterdienst hat Kobe sechs Spezialfahrzeuge des Typs Unimog im Einsatz.

Die Mitarbeiter werden regelmäßig in Schulungen über neue Technologien und Verfahren informiert.

Auf der CMS, der internationalen Messe für Reinigungssysteme, die alle zwei Jahre in Berlin stattfindet, informiert sich Kobe über neue Angebote der Reinigungstechnik.

Der Stahnsdorfer spielt in seiner Freizeit Handball und trainiert beim regionalen Sportverein eine Mädchenmannschaft. Außerdem arbeitet er als Trainer im Landesstützpunkt Handball.

Von Heinz Helwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg