Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
„Ich dachte: Tiefer kann man nicht fallen“

Hohenwerbig „Ich dachte: Tiefer kann man nicht fallen“

Christina Köppe hatte gerade ihre eigene Krebserkrankung besiegt, als ihre Tochter und ihr Mann starben – ebenfalls an Krebs. Den Lebensmut hat die Hohenwerbigerin trotz der Schicksalsschläge nie verloren. Sie will anderen Betroffenen Mut machen, dass es weiter geht. „Auch wenn es manchmal scheint, als sei alles ringsherum vor Kummer erstarrt.“

Hohenwerbig 52.046641 12.704365
Google Map of 52.046641,12.704365
Hohenwerbig Mehr Infos
Nächster Artikel
Bei Züchter Reiner Heinz schlüpfen die Küken

Christina Köppe freut sich auf das Osterfest – und auf ihren ersten Urenkel, der im Sommer geboren wird.
 

Quelle: Christiane Sommer

Hohenwerbig.  Der Osterstrauß, den Christina Köppe dieser Tage geschmückt hat, trägt viele Erinnerungen. Neben bunten Ostereiern hängen Basteleien aus Papier in den Zweigen. Die lustig aussehenden Osterhasen aus Tonkarton sind eine Erinnerung an ihr Berufsleben, als Christina Köppe noch als Lehrerin in der Niemegker Schule tätig war.

Doch es gab auch andere Zeiten. Zeiten, die schier aussichtslos schienen. Christina Köppe war 55 Jahre alt, als die Diagnose Krebs ihr Leben radikal veränderte. Den kleinen Knoten in der Brust hatte die Hohenwerbigerin eher zufällig bemerkt. Der sich anschließende Arztbesuch bestätigte die bange Vorahnung. „Das Gefühl damals, das kann ich nicht in Worte fassen“, sagt die dreifache Mutter.

Tochter und Ehemann an den Krebs verloren

Die Familie war seinerzeit ihr größter Halt. Nur so schaffte Christina Köppe es, die Operation und die anschließenden Chemotherapien durchzustehen, ohne ihren Lebensmut zu verlieren. „Ich dachte: Tiefer kann man nicht fallen.“

Es braucht einige Zeit, bis die Seniorin die Kraft findet, weiter zu erzählen. Ihr Blick wandert dabei über die vielen Bilder im Wohnzimmer – Momentaufnahmen des Glücks. Sie greift nach einer Fotografie, die genau in der Mitte steht. Die Hand wird ihr dabei schwer und Christina Köppe muss für einen Augenblick innehalten, bevor sie in der Lage ist, die beiden Menschen auf dem Bild zu benennen. Es sind ihr Ehemann und ihre Tochter. Beide sind tot.

Als ihre Tochter an Krebs erkrankte, hatte Christina Köppe die eigene Krankheit gerade erst besiegt. „Katja wurde nur 30 Jahre alt. Sie war immer so optimistisch und voller Lebenswillen.“ Es fällt der Mutter schwer, über diese Zeit zu reden. Aber sie will es trotzdem tun. Um anderen Betroffenen Mut zu machen, um sie wissen zu lassen, dass das Leben weitergeht.

Vorfreude auf den ersten Urenkel

Bis zuletzt hatte Christina Köppe gehofft, dass die Tochter den Kampf gegen den Krebs gewinnt. Einige Jahre darauf starb auch noch Köppes Ehemann, ebenfalls an Krebs. „Die beiden hätten nie gewollt, dass ich den Kopf in den Sand stecke.“

Im Juni wird Christina Köppe Uroma – die Freude über das neue Leben lässt ihre Augen wieder strahlen. „Ich erfülle mir Wünsche, reise viel, gehe wandern.“ Das Leben nach der Krankheit versucht Christina Köppe so intensiv und abwechslungsreich wie möglich zu leben. Und Abwechslung braucht sie auch, um nicht an ihrem Schicksal zu zerbrechen. Am Nachthimmel hat Christina Köppe einen Stern ausgemacht, der besonders hell scheint. Der Himmelskörper ist für sie zu einem Zeichen geworden, dass es „den Himmel“ wirklich gibt. Irgendwo da draußen. „Auch wenn es keine Rückantwort gibt“, sagt die Witwe.

Hilfe zur Selbsthilfe seit über 40 Jahren

Die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) ist einer der ältesten Krebs-Selbsthilfeverbände in Deutschland. Gegründet wurde er 1976.

Hilfe finden Betroffene in elf Landesverbänden und 350 Ortsgruppen.

Menschen mit einer Krebserkrankung, die die Gruppe kennenlernen möchten, können zu einem Treffen kommen. Diese sind immer am letzten Mittwoch im Monat um 15.30 Uhr im Gesundheitsamt Bad Belzig.

Auch die Bad Belziger “Frauenhilfe nach Krebs“ ist für Christina Köppe zu einer Art Rettungsanker geworden. Die Selbsthilfegruppe habe ihr in Zeiten tiefster Trauer und bei der Bewältigung des Lebens mit der Krankheit Halt gegeben. „Der Austausch gibt Mut und Kraft“, sagt die Hohenwerbigerin. Dabei werde längst nicht nur über die Krankheit gesprochen. Im Gegenteil: Gemeinsam werden Ausflüge unternommen oder Vorträge besucht. Seit 2011 arbeitet Christina Köppe im Vorstand der Selbsthilfegruppe mit. „Aber jetzt ist es Zeit für einen Wechsel“, sagt sie – denn vor wenigen Tagen feierte die Ruheständlerin ihren 70. Geburtstag.

Von Christiane Sommer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg