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Circus Henry pausiert im alten Fahrzeugwerk

Winterquartier in Treuenbrietzen Circus Henry pausiert im alten Fahrzeugwerk

Auf dem Gelände des ehemaligen Fahrzeugwerkes von Treuenbrietzen herrscht aktuell tierisch viel Bewegung. Dort hat der Circus Henry sein Winterquartier aufgeschlagen. Bis März leben und arbeiten dort 20 Zirkusleute des Familienbetriebes in ihren Wohnwagen und mehr als 40 Tiere in früheren Produktionshallen.

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Der Familienzirkus Henry hat im Fahrzeugwerk Treuenbrietzen mit 40 Tieren Winterquartier bezogen.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Drinnen im Wohnwagen ist es gemütlich und adrett. Dass draußen vor der Tür des kleinen aber feinen Quartiers auf Rädern indes Wildwuchs und verfallene Werkhallen das Bild prägen, darf Georg Frank und seine Zirkus-Großfamilie nicht stören. „Wir sind immer froh, wenn wir überhaupt irgendwo ein Winterquartier finden“, sagt der Chef des Familienunternehmens. Aufgegebene Fabriken oder alte Landwirtschaftsbetriebe sind bei den Zirkusleuten gefragt. Mehr als 400 Kilometer weit vom letzten Auftrittsort in Bad Kissingen in Bayern sind sie diesmal mit dem Fahrzeugtross über Land gezogen, bis ihnen ein Treuenbrietzener Gelände zum Zuhause auf Zeit wurde.

Schlagzeuger schwingt sich auch mal ans Trapez

Mit dem Circus Henry haben 20 Artisten – ausschließlich aus der Familie – sowie 40 Tiere jetzt ihr Lager auf dem Areal des ehemaligen Fahrzeugwerkes am Hans-Grade-Weg aufgeschlagen. Voraussichtlich bis März wird die Truppe dort leben und arbeiten.

Immerhin muss auch die Technik mal wieder fit gemacht werden. Fünf Lastwagen und einige Anhänger gehören zum Tross, der den Sommer über quer durch Deutschland und Österreich zieht. Das eine oder andere ist nun zu reparieren. Vor allem aber müssen Artisten, Dompteure und Musiker neue Nummern für das Programm einstudieren und die schon beherrschten Attraktionen festigen. „In den alten Werkhallen bauen wir dazu noch unsere Manege auf“, erzählt Georg Frank. Er freut sich über die großzügigen Platzverhältnisse. Eine Halle ist zum Stall geworden. 20 Pferde verschiedener Rassen, einige Kamele sowie Rinder und Büffel werden dort versorgt. Exotische Tiere gehören schon seit Jahren nicht mehr zum Circus Henry.

Immer auf Achse

Zum Cirkus Henry zählen 20 Mitglieder der Familien Frank und Mai. Georg Frank betreibt den Zirkus in siebter Generation und ist seit 22 Jahren der Chef. Der 70-Jährige hat neun Kinder, 17 Enkel und nun auch einen Urenkel.

Sein Urgroßvater hatte im Jahr 1887 in Schlesien die erste Gewerbebescheinigung für einen Dressurbetrieb ausgestellt bekommen.

Polizeilich gemeldet sind die Zirkusleute in Apolda in Thüringen.

Vom Winterquartier in Treuenbrietzen aus werden auch den Winter über kleinere Auftritte angeboten. Kontakt: 01 52/53 22 28 06.

Herausforderung in der stets wieder neuen Umgebung sei es, Futter sowie Stroh und Heu zu besorgen. Dankbar sind die Zirkusleute daher für Spenden von Landwirten, „die womöglich irgendwo ein paar auch nicht mehr ganz so gute Strohballen, Heu oder Sägespäne abgeben könnten“, sagt der 70 Jahre alte Zirkuschef. Bedanken wolle sich seine Truppe zum Auftakt der neuen Saison dann mit kostenlosen Vorführungen in Treuenbrietzen und Bad Belzig.

Mit Tieren in den Kindergarten

Doch auch den Winter über sind Auftritte möglich. „Wir gehen mit einzelnen Tieren in Kindergärten oder Schulen“, sagt Frank. Auch Betriebsweihnachtsfeiern und Feste hat die Truppe schon bespielt, um Einnahmeausfälle wenigstens etwas zu kompensieren. Dabei ist das Geschäft der reisenden Truppe schon im Sommer längst nicht mehr einträglich. „Unser großes Zelt fasst 1000 Leute“, erzählt Georg Frank. „Wenn aber wenigstens 50 Leute kommen, sind wir heute schon zufrieden“, verrät der Chef unumwunden. Immerhin stehen überall Fixkosten an. „Allein um uns an einen Stromkasten nur anschließen zu können, werden an manchen Orten schon 150 Euro fällig. Hinzu kommen Standmieten sowie Strom-, Wasser- und Treibstoffkosten“, erzählt Georg Frank.

Zuhause auf Rädern

Zuhause auf Rädern: Zirkus-Chef Georg Frank und seine Tochter Silvia Frank parken die Wohnwagen der Großfamilie nun in Treuenbrietzen.

Quelle: Thomas Wachs

Er kann mit seiner Familie auf eine flexible Truppe bauen. Dort hat jeder mehrere Talente. „Wenn der Schlagzeuger aus unserer Live-Band dann ans Trapez muss, rückt der nächste nach und umgekehrt“, erzählt der Zirkusdirektor. Das hat er von klein auf selbst so mitbekommen. „Mit fünf Jahren war ich Artist und konnte Trompete spielen“, sagt Frank. Die Schule blieb bei den ständigen Ortswechseln auf der Strecke. „Darum kann ich vieles – aber nicht Lesen und Schreiben“, bekennt der Zirkuschef frei.

Seinen Nachfolgern soll das nicht so gehen. „Die Kinder müssen lernen“, fordert der Großvater strikt. So besucht ein Enkel den Winter über die Oberschule Brück. Zwei jüngere Enkel lernen unterwegs stets über eine anerkannte Fernschule daheim am Computer.

Von Thomas Wachs

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