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City-Händler laufen gegen Flaniermeile Sturm

Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) City-Händler laufen gegen Flaniermeile Sturm

Einmal mehr steht die Verkehrsberuhigung der Innenstadt von Bad Belzig zur Diskussion. Gegen den Willen der Wort führenden Geschäftsleute gibt es in den Gremien knappe Mehrheiten für einen Bummelboulevard. Das wird Konsequenzen haben, so die Prognose und Drohung des Gewerbevereins.

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Noch rollt der Verkehr durch die Straße der Einheit, doch wie lange noch? Darüber scheiden sich die Geister.

Quelle: Christin Iffert

Bad Belzig. Tiefer war der Graben zwischen den Wort führenden Einzelhändlern der Innenstadt und den Befürwortern einer verkehrsberuhigten Straße der Einheit wohl nie. Das hat die jüngste Debatte zur Umsetzung des 2014 erstellten Verkehrsentwicklungskonzeptes in der Kur- und Kreisstadt offenbart. Denn zumindest an der Stelle hat sich noch nichts getan, obwohl eine Sommerregelung mit Tempo 20 und praktisch ohne Parkmöglichkeit laut Beschlusslage erprobt werden sollte. Nun nimmt die Debatte wieder Fahrt auf.

Den Anstoß gab die CDU-Fraktion. Dabei ist den Christdemokraten daran gelegen, die Maßnahme „in Absprache mit den Gewerbetreibenden der Innenstadt“ zu verwirklichen. Schwarz auf weiß ist auf genanntem Papier bekundet, dass auf Einvernehmen gehofft wird.

Gewerbeverein droht mit Einstellung des Sponsorings

Doch die Geschäftsleute tun sich, gelinde gesagt, schwer. Zu allererst beklagen sie, nicht detailliert gefragt worden zu sein. Die Vorsitzende des Bad Belziger Gewerbevereins und Stadtverordnete Simone Lüdicke drohte gleichwohl im Sozialausschuss, dass die Unternehmer dann wohl im Falle einer Umsetzung des Verkehrsentwicklungskonzeptes ihre Sponsorentätigkeit zugunsten von Kitas, Schulen und Sport einstellen müssten.

Verkehrsberuhigung erstmal als Probelauf

„Eine solche Diskussion ist nicht zielführend“, mahnte Jan Eckhoff. Der Linken-Politiker sieht in einer Verkehrsberuhigung der Straße der Einheit vielmehr eine Chance für die Entwicklung der Stadt. Neben ihm plädierte Sven Schmidt (SPD) dafür, die Verkehrsberuhigung anzustreben. Anfangs als Probelauf von April bis Oktober kommenden Jahres. „Immer wieder nichts machen, hilft uns nicht. Wir sollten den ersten Schritt wagen“, so der Appell des Sozialdemokraten in Richtung Gewerbeverein. Rainer Bätz, der als sachkundiger Einwohner für die SPD dem Gremium angehört, versuchte in Richtung von Simone Lüdicke zu vermitteln: „Sie bauen eine Drohkulisse auf. Diese Ebene ist falsch.“

Die bequeme Erreichbarkeit der Geschäfte per Auto ist laut Apotheker Holger Kögel in der hiesigen ländlichen Struktur mehr von Bedeutung als die stets ins Feld geführte Aufenthaltsqualität einer Flaniermeile. Dass der „Boulevard um jeden Preis“ zur Existenzbedrohung für die Betriebe werden könnte, ist mithin die Ahnung von Werner Sternberg (SPD) aus Borne.

Seniorenbeirat für Rechte von Fußgängern

Für Rüdiger Hartung, der die Beratung als Vertreter des Seniorenbeirates verfolgte, ist die aktuelle Verkehrssituation im Herzen von Bad Belzig unerträglich. Der Mediziner im Ruhestand stellte während der emotionsgeladenen Diskussion die Frage in den Raum: „Dürfen denn nur noch Autos durch die Straße der Einheit fahren?“ Er versuchte, eine Lanze für die Rechte von Fußgängern und Radfahrern zu brechen und verwies auf Parkplatzangebote außerhalb des Zentrums. So sei beispielsweise die Apotheke von den Parkplätzen an der Spiegelkreuzung auch von Älteren problemlos zu Fuß zu erreichen.

Bauamtsleiter Christoph Grund wiederum bestätigte, dass die Bequemlichkeit der Autofahrer im Wachsen begriffen sei. „Der Parkplatzsuchverkehr in der Straße der Einheit ist mehr denn je in Mode gekommen“, sagte Grund.

Nunmehr haben sich Wirtschafts- und Sozialausschuss mit jeweils knapper Mehrheit für die Umsetzung der Bummelmeile auf Zeit ausgesprochen. Damit steht eine spannende Debatte in der Stadtverordnetenversammlung bevor. Während die Befürworter den Abschnitt von Töpferstraße bis Magdeburger Straße beruhigen wollen, kann sich der Gewerbeverein höchstens eine Minimierung der Parkgelegenheiten zwischen Reißigerstraße bis Magdeburger Straße vorstellen.

Die gewonnenen Freiräume sollten von den Händlern genutzt werden können. Das Verkehrsentwicklungskonzept empfiehlt sie als zusätzliche Sitzflächen für Gastronomie, für Auslagen der Geschäfte und weitere Fahrradständer.

Von Christiane Sommer

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