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„ColumBus“, ein Weltenbummler aus der DDR

Zeuden im Hohen Fläming „ColumBus“, ein Weltenbummler aus der DDR

1956 wurde der Robur-Bus vom Typ K 30 in Zittau gebaut. In seinen über 60 Lebensjahren hat er viel gesehen: den Tagebau, das sozialistische Ausland und den Widerstandswillen seines einstigen Besitzers. Heute gehört der Bus Steffen Muschert aus Zeuden (Potsdam-Mittelmark) und erlebt andere Abenteuer.

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Steffen Muschert mit seinem „ColumBus“, einem Garant K 30. Gerade einmal eine Handvoll dieser Fahrzeuge soll es weltweit noch geben.

Quelle: Christiane Sommer

Zeuden. „Es schläft sich gut dort drin. Besser als in einem Fünf-Sterne-Hotel“, sagt Steffen Muschert aus Zeuden. Er lacht und zeigt auf einen alten Bus, den der Schriftzug „ColumBus“ ziert. „Seit Januar gehört er mir“, sagt der 42-Jährige. Den Garant K 30 hatte er bis zu diesem Zeitpunkt bereits über Jahre in Pflege gehabt. Der vorherige Besitzer wusste den Bus bei ihm wohl schon damals in guten Händen. Immerhin ist Muschert ein Enthusiast für Fahrzeuge aus DDR-Produktion. Mit gleichgesinnten Tüftlern betreibt er seit Jahren die IFA-Scheune in Zeuden.

Von dem historischen Bus soll es nur noch fünf Exemplare geben – weltweit. „Einer steht im Verkehrsmuseum in Dresden“, berichtet der gelernte KFZ-Mechaniker und erzählt, dass der Kleinbus mit 18 Sitzplätzen im Jahr 1956 im VEB Robur-Werke Zittau vom Band rollte. „Diese Modellreihe wurde nur in geringer Stückzahl produziert“, sagt der Besitzer des seltenen Gefährts.

So sah der Bus ursprünglich aus

So sah der Bus ursprünglich aus.

Quelle: Christiane Sommer

Dass sein Columbus die Zeit überdauert hat, ist einem glücklichen Umstand zu verdanken. Weil er im Fahrzeugbestand des Braunkohletagebaus Cottbus geführt wurde, war er als Reisefahrzeug verhältnismäßig wenig im Einsatz und hatte damit das Glück, mehr zu stehen als zu fahren. 1985 kam der Kleinbus aus DDR-Produktion in private Hände und zu seinem auffallenden Namen. Wie oft Steffen Muschert auf den Schriftzug „ColumBus“ bereits angesprochen wurde, kann er nicht beantworten.

Wird er nach einer Erklärung dafür gefragt, lässt er sein Gegenüber ohnehin gern selbst mit nach einer Antwort suchen. Fallen die Gedanken auf den Namen des großen Seefahrers Christoph Kolumbus, folgt zustimmendes Nicken und die nötige Erklärung: Als der Bus Mitte der 1980er-Jahre in private Hände kam, wurde er zum Wohnmobil umgebaut. Mit einer Schlaf- und einer kleinen Kochgelegenheit. Die leicht abgeänderte Schreibweise „ColumBus“ war ein Zeichen des stillen Protests des neuen Eigentümers – weil es von der DDR aus unmöglich war, die weite Welt zu entdecken.

Der hat was unter der Haube

Der hat was unter der Haube.

Quelle: Christiane Sommer

Bis nach Ungarn kam der K 30 damals aber dennoch – mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 60 bis 70 Stundenkilometern. Im Innern des Fahrzeugs erinnern Aufkleber an die großen Reisen des Columbus in das sozialistische Ausland. „Ich versuche auch, ihn regelmäßig zu bewegen“, sagt Muschert und startet den Motor des Oldtimers. Der springt sofort an.

Der 42-Jährige legt den ersten Gang ein und die Reise beginnt. Dass der Zeudener mit dem Fahrzeug ein gefragter Gesprächspartner ist und der Bus immer wieder aus allen möglichen Perspektiven abgelichtet wird, stört Muschert nicht. Im Gegenteil. Die Zeit, die der stolze Besitzer auf Oldtimertreffen verbringt, um das seltene Fahrzeug auszustellen, bezeichnet er als „die Zeit, in der ich aus dem Alltag ausbrechen kann“. Ist er mit dem Bus unterwegs, trägt Muschert stets die passende Dienstkleidung eines Busfahrers aus den 1950er- und 1960er-Jahren – inklusive Fahrkartentasche.

Der stolze Besitzer am Lenkrad

Der stolze Besitzer am Lenkrad.

Quelle: Christiane Sommer

„Es ist wunderbar, dieses Auto zu fahren“, sagt Muschert, „aber man muss akzeptieren, dass es mit mir fährt und nicht ich mit ihm.“ Weil beim Schalten, Bremsen und Lenken gehörig Kraft investiert werden muss, hat sogar das originale Schild „Die Unterhaltung mit dem Fahrer ist verboten“ seine Berechtigung. Ein anderes mit der Aufschrift „Rauchen verboten“ ist nicht minder interessant: „Die Karosse des Busses hat einen kompletten Holzaufbau. Deshalb gibt es immer etwas zu tun an ihm“, erzählt Steffen Muschert.

Die in der Erinnerung bislang schönste Tour, die er mit dem Columbus unternommen hat, war eine Fahrt zum Standesamt. „Sie war für meinen Freund, der seine Braut mit diesem Hochzeitsauto überraschte“, erzählt der stolze Besitzer.

Ein großer Name prangt auf dem Blech

Ein großer Name prangt auf dem Blech.

Quelle: Christiane Sommer

Von Christiane Sommer

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