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Unsinn in einer unsinnigen Zeit

Dada-Aktion in Rädigke Unsinn in einer unsinnigen Zeit

Vor 100 Jahren hat sich der Dadaismus in Bewegung gesetzt. Zwar in Zürich, gleichwohl mit internationaler Bedeutung. Pfarrer Matthias Stephan hat einige Mitstreiter gewonnen, die mit einem Dada-Abend in Rädigke (Potsdam-Mittelmark) dem Jubiläum ein würdiges Gedenken bereiten wollen.

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Dada in Reinkultur: Hugo Ball, Pionier des Lautgedichts, beim Vortrag seiner Werke.

Quelle: epd-West

Rädigke. Die Welt war aus den Fugen geraten. Bald schon zwei Jahre währte das große Menschenschlachten an den Fronten des Weltkrieges. Da beschlossen mehrere Künstler im Zürcher Café Voltaire, in dem Wahnsinn auf ihrer Art mitzumischen. Sie gründeten das „Cabaret Voltaire“ und legten den Grundstein für die Dada-Bewegung, den Dadaismus. Das war am 5. Februar 1916 und ist für den Rädigker Pfarrer Matthias Stephan, den Bad Belziger Kantor Winfried Kuntz und weitere Mitstreiter Anlass genug, ein Dada-Programm auf die Bühne zu bringen – am kommenden Freitag in der Fläming-Bibliothek in Rädigke.

Matthias Stephans Weg zum Dadaismus ging über die britische Industrial- und Techno-Band „Cabaret Voltaire“ (1973-1994), just benannt nach der Kunstaktion in Zürich. „Die Band war wichtig für mich.“ Als nun das Gründungsdatum des Ur-Cabarets heran war, „wollte ich unbedingt etwas dazu machen“, sagt er. In Kantor Kuntz fand er einen Partner mit besonderem Bezug. Kuntz stammt aus Pirmasens, „er hat Dada getankt“. Denn aus dieser Pfälzer Stadt kommt auch Hugo Ball (1886-1927), einer der Dada-Gründer von Zürich.

Dada-Plakat von 1920

Dada-Plakat von 1920

Quelle: priivat

Kuntz habe flugs einige Mitglieder seines Chores gewonnen und mit ihnen den Dada-Chor in Bad Belzig gegründet. „Das ist alles sehr schnell gegangen. Viel Zeit zum Proben haben wir nicht“, sagt Stephan. Aber warum soll es dieser Geburtstagsgesellschaft anders gehen, als den Künstlern vor 100 Jahren?

„Hugo Ball, Emmy Hennigs, Richard Hülsenbeck, Tristan Tzara und Hans Arp wollten gegen alle bestehenden Kunstrichtungen rebellieren“, notiert Bernd Fredrich in seiner Ankündigung des Dada-Abends. „Sie wollten Spaß haben, sie wollten Anti-Kunst machen, die aber nicht zu definieren sein sollte – in Wort, Bild und Plastik. Sobald sich bei ihnen eingeschlagene Pfade etablierten, wurde wieder alles eingerissen. Der Zufall sollte entscheiden.“

Über Beziehungen gewann Pfarrer Stephan das „Kleine Theater Berlin-Mitte“. Sieben geübte Stimmen setzen die Texte der Ur-Dadaisten und anderer Künstler dieser Bewegung in Szene – auch zusammen mit dem Publikum. „Es ist am Freitag wie ein Nummern-Programm aufgebaut“, sagt Stephan. Rezitationen und Lieder wechseln einander ab.

Dada in Reinkultur

Dada in Reinkultur: Fotocollage des Künstlers Raoul Hausmann aus den frühen Jahren der Bewegung.

Quelle: privat

Für Matthias Stephan ist die Dada-Bewegung eine bedeutsame gewesen. „Das war kein Blödsinn, das war Unsinn in einer unsinnigen Zeit. Das war Unfug in einer Zeit, die aus den Fugen geraten ist.“ Ihn fasziniere, wie die Dadaisten Sprache eingesetzt haben. Überhaupt sei Sprache das große Thema seines Theologischen Salons in diesem Jahr. Die Zeit des großen Weltenbrandes war „eine Zeit der zerstörten Sprache – und weil sie ohnehin schon zerstört worden ist, machen wir es jetzt richtig, haben sich die Künstler gesagt“, betont Stephan.

Ur-Sonaten sind entstanden und ähnliche Werke. Man kann sie lesen. „Besser aber ist es, diese Texte zu hören“, weiß der Pfarrer. So könnten die Arbeiten, die heute aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, ihre Wirkung eindringlicher entfalten.

Dada war da, bevor Dadada da war. Die westdeutsche Band „Trio“ landete mit „Da da da“ 1981 einen Riesenhit – übrigens aufgenommen in einem Tonstudio in Zürich. „Jedes Jahrzehnt hat wohl sein Dada“, ist Stephan überzeugt. Immer wieder tauchen die skurrilen Fotocollagen und Texte aus den Tiefen der Kunstgeschichte auf. „Wer weiß, welches Interesse es an der großen Berliner Dada-Ausstellung geben wird, wenn sie 2020 ihr hundertjähriges Jubiläum hat?“

Pfarrer Matthias Stephan

Pfarrer Matthias Stephan.

Quelle: privat

Die Akteure des besonderen Abends haben sich am vergangenen Sonntag das erste Mal getroffen. „Das wird großartig“, ist Matthias Stephan überzeugt. Mit den Beiträgen aus den Federn von Hugo Ball, Carl Orph, Kurt Schwitters und wie sie nicht alle heißen, „werden wir alle ganz viel Spaß haben“. Na, und ein bisschen Bildung tut ja auch nicht weh.

Termin: Beginn ist um 19.30 Uhr in der Fläming-Bibliothek in Rädigke.

Von Heiko Hesse

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