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Dänen schenken Philippsthaler Kirche eine Orgel

Der wundersame Weg eines wertvollen Instruments Dänen schenken Philippsthaler Kirche eine Orgel

112 Jahre nach ihrem Bau hat die Philippsthaler Dorfkirche unverhofft eine Orgel bekommen. Das wertvolle Instrument stammt aus einem Dorf in Dänemark und kam auf wundersame Weise nach Philippsthal. Angefangen hat alles mit dem Fund einer Boje an der dänischen Nordseeküste.

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Pfarrer Roy Sandner an der Orgel, die ein Geschenk aus einem dänischen Dorf ist. Die Namen der Spender, die den Aufbau der Orgel finanzierten, sollen auf einer Stiftertafel vermerkt werden.

Quelle: Jens Steglich

Philippsthal. Das ist die Geschichte von einer dänischen Orgel, die über wundersame Wege als unverhofftes Geschenk in der Philippsthaler Dorfkirche landete. Angefangen hat alles im März 2014 mit einem Anruf. Ein Kirchenmusiker aus Bad Belzig rief den Saarmunder Pfarrer Roy Sandner an, der die Philippsthaler Kirchengemeinde mit betreut. „Der Kirchenmusiker sagte, ihm werde gerade eine Orgel angeboten und wie er es einschätze, könnte sie in die Philippsthaler Kirche passen“, erzählt Sandner. Der Mann fragte, „ob wir nicht Interesse haben.“ Sandners Antwort: „Wir haben Interesse, müssen aber noch einiges prüfen und brauchen mehr Informationen.“ Schließlich benötigt man für den Einbau einer Orgel Genehmigungen etwa vom Denkmalamt und der Landeskirche, muss zum Beispiel wissen, wie groß die Orgel ist und was der Aufbau kostet.

Doch lange über das Angebot nachdenken konnten die Philippsthaler gar nicht. „Bevor wir ja oder nein gesagt haben, war die Orgel schon da.“ Wieder ging ein Anruf beim Pfarrer ein, der gerade mit Konfirmanden auf Tour war und mit ihnen in Saarmund Zelte aufbaute. Diesmal hieß es: „In 30 Minuten ist ein dänischer Transporter an der Philippsthaler Kirche. Bitte ausreichend Personal besorgen fürs Abladen.“ Das unverhoffte Geschenk kam aus der Kirchengemeinde Ringkøbing in Dänemark, die sich eine neue Orgel geleistet und ihre alte danach professionell in einer Garage eingemottet hatte. Die Kirchenältesten, die in Philippsthal schnell greifbar waren, luden die dänische Orgel schließlich ab. „Die formalen Schritte wie das Einholen der Genehmigungen haben wir dann nachgeholt“, sagt der Pfarrer. Hinzugezogen wurden auch Orgelsachverständige. Tenor: Diese Orgel ist in einem guten Zustand und für Philippsthal ist es eine einmalige Chance, so ein Instrument zu bekommen. Gebaut wurde es 1954 vom dänischen Orgelbauunternehmen Frobenius, das über Dänemarks Grenzen hinaus bekannt ist. „Die Firma zeichnet aus, dass sie sehr solide baut.“ Als in den 1950er Jahren fast überall auch Kunststoff bei Orgelbauern zum Einsatz kam, hat Frobenius weiter mit Holz und Metall gearbeitet, erzählt Sandner.

Für den Einbau der Orgel in der Philippsthaler Kirche gab es nur eine Auflage – von der Denkmalbehörde, die anmahnte: Prüft das Gewicht der Orgel, sie könnte für die Empore zu schwer sein. Ergebnis: Das Instrument wiegt 1000 Kilogramm – mit dem Organisten, der sie zum erklingen bringt. Schließlich muss die Empore auch noch den Musiker tragen. Ein Statiker, der ein Gutachten erstellte, gab Entwarnung: Die Empore hält die Orgel und den Organisten aus. Nachdem von allen Seiten grünes Licht für den Orgelaufbau gekommen war, startete eine Sammelaktion, um ihn zu finanzieren. 6000 Euro wurden gebraucht. Die Philippsthaler spendeten 3800 Euro, den Rest gab die Kirchengemeinde dazu. Der Plan sah vor, am Pfingstmontag ein in Philippsthal noch nie dagewesenes Fest zu feiern – eine Orgelweihe. Anfangs gingen die Meinungen freilich auseinander, ob die Kirche schon einmal eine Orgel hatte. Jetzt weiß man: Nein, hatte sie nicht. Es gab früher ein großes Harmonium. „Wo das abgeblieben ist, weiß keiner. Als die Orgel in Dänemark gebaut wurde, muss hier gerade das Harmonium verschrottet worden sein“, vermutet der Pfarrer. Den Einbau der Orgel nennt er einen dramatischen Kraftakt. Drei Wochen hatte der Wilhelmshorster Orgelbauer Jörg Stegmüller dafür eingeplant, dann aber wurde er krank. Erst am 3. Mai, an seinem Geburtstag, konnte er anfangen, die Orgel aufzubauen. Vor Pfingsten arbeitete er auch die Nächte durch, damit Orgelfest gefeiert werden konnte. Er hat es geschafft. Pfingstmontag war die Kirche voll und die Orgel erklang das erste Mal in Philippsthal. Wie die Geschichte von dem Geschenk aus Dänemark ihren eigentlichen Anfang nahm, erfuhr der Pfarrer erst am Tag der Orgelweihe.

Gebaut wurde die Orgel 1954 von der dänischen Firma Frobenius, die über die Grenzen Dänemarks bekannt ist.

Gebaut wurde die Orgel 1954 von der dänischen Firma Frobenius, die über die Grenzen Dänemarks bekannt ist.

Quelle: Jens Steglich

Ein Mitglied im Gemeindekirchenrates des dänischen Dorfes ist ein fleißiger Strandgutsammler. Eines Tages findet er an der dänischen Nordseeküste eine Boje. Die Messboje gehörte dem Potsdamer Geoforschungszentrum, hatte sich von der Verankerung gelöst und wurde am Nordseestrand an Land gespült. Der Däne rief in Potsdam an und erzählte, das er eine Boje gefunden habe. So kam er in Kontakt mit Leuten, die im Geoforschungszentrum arbeiten und bei Bad Belzig wohnen. Irgendwann erzählte er ihnen, dass seine Gemeinde eine Orgel habe und ob sie nicht jemanden kennen, der Verwendung für sie hat. Der Kirchenmusiker aus Bad Belzig, der später Pfarrer Sandner anrief, kannte die Philippsthaler Kirche und dachte: Dort passt sie gut hinein. Er hatte recht. Im September können die Dänen, die ihre Orgel verschenkten, sich selbst davon überzeugen. Dann steht ein Orgelkonzert an, zu dem eine Abordnung aus Ringkøbing erwartet wird.

Von Jens Steglich

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