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Potsdam-Mittelmark Darum hat man Kindergärten gebaut
Lokales Potsdam-Mittelmark Darum hat man Kindergärten gebaut
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06:46 04.09.2017
Eine muntere Truppe: Die Semliner Kindergarten-Knirpse mit ihren Erzieherinnen Tante Guschi und Tante Eva im Jahre 1951. Quelle: privat
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Semlin

Dass ein Dorf wie Semlin eine Kita braucht, war früher gar nicht so selbstverständlich, wie es uns heute vorkommt. Die bäuerlichen Großfamilien, die mit mehreren Generationen auf den Höfen zusammenlebten, sorgten für ihre Kinder selbst; ältere Geschwister wurden in die Pflicht genommen oder ein Kindermädchen aus dem Dorf ausgesucht. Dann kam der Zweite Weltkrieg und brachte das familiäre Gefüge reichlich durcheinander. Die Männer wurden rekrutiert und zogen in den Krieg; die Höfe, Gärten und Ländereien wurden von den zurückgebliebenen Frauen und Alten bewirtschaftet. Das ging übers Jahr mehr schlecht als recht, doch zur Erntezeit war die Belastung zu groß. Die Frauen wurden auf dem Feld gebraucht – und die Betreuung der kleinen Kinder musste zentral im Dorf organisiert werden.

Nummer 27 der Semliner Hefte

Das neue Heft trägt den Titel „Semliner Kindergarten“. Es ist Nummer 27 in der Reihe.

Die reich illustrierte Ausgabe kann man in Semlin bei Rausch und in Rathenow in der Buchhandlung Tieke erwerben – oder im Internet unter www.kizuco.de

So kam es zur Gründung des Semliner Kindergartens, eines Erntekindergartens, der in der Dorfstraße 54 erste Räume fand. Die kleinen Semlinerinnen und Semliner blieben nicht lange unter sich. Denn mit dem Fortschreiten des Krieges schob die näherrückende Ostfront gewaltige Flüchtlingsmassen vor sich her. Viele der entkräfteten Fliehenden hatten kleine Kinder dabei, die aufgepäppelt und betreut werden mussten. Auch diese Flüchtlingskinder stießen bei den Semliner Kindergärtnerinnen auf offene Türen und offene Herzen.

Das Gartenlokal am See diente später als Domizil des Kindergartens. Quelle: privat

Vielen der Flüchtlinge fehlte es an allem, an Kleidung, Nahrung, und allemal einem Dach überm Kopf. Für die kleinen Gäste war der Kindergarten im Dorf so auch der Garant dafür, überhaupt etwas zu Essen zu bekommen.

In den turbulenten Zeiten um das Kriegsende musste der Kindergarten umziehen. Ein 1936 im schwedischen Stil gebaute Holzhaus am See bot Platz im weitläufigen Garten; vor dem Tor schwappte der See an die Uferwiesen, und die Lage mitten im Dorf war in den unsicheren Zeiten sicherer als die an der oberen Dorfstraße, wo Fliehende, sowjetisches Militär, Kriegsheimkehrer und all der neu aufkommende Verkehr der Nachkriegszeit vorbeikam. Hier unten am See war es friedlicher. Von den Sorgen und Ängsten der Erwachsenen sollten die Kinder möglichst wenig mitbekommen.

Das gemütliche, kleine Holzhaus war für den Kindergarten vom ersten Tag an zu klein. Ende 1948 bot sich der Gemeinde eine einzigartige Chance: Das größere Haus am Ende des Seeufers vor dem Seglergelände – eine ehemalige Sommergaststätte – stand für die Semliner Kinder zur Verfügung. Allerdings war das Haus in beklagenswertem Zustand. Doch Tischler Otte Schulze und seine Mitarbeiter Otto Marquardt und Gustav Röhle halfen. Mitten im Winter wurden die Fenster und Türen des Gebäudes erneuert; Schulze baute die Tische und Schulbänke selbst und für 16 lange Jahre hatte die Semliner Kita ein ansehnliches, ausreichend großes Zuhause. Die Kindergärtnerinnen hielten die Racker in Schach und begleiteten eine halbe Generation von Semliner Kindern unten am See in ihr Erwachsenenleben. Doch schon 1957 stand der nächste Umzug an.

In diesem Gebäude war der Semliner Kindergarten zuerst untergebracht. Quelle: privat

Als sich das Lehrerehepaar Harms 1957 in den Westen absetzte, zog der Kindergarten in die ehemalige Lehrerwohnung um. In der rechten Haushälfte war bis Juni 1967 die 1. bis 3. Klasse unterrichtet. Ab Sommer 67 fuhren die Semliner Schüler mit dem Bus nach Rathenow, und der Kindergarten konnte das ganze Haus nutzen und tut dies noch heute.

Die Arbeit im alten Schulhaus war neben der Freude, die die Arbeit mit den Kindern mit sich brachte, vor allem harte Arbeit. Von 6 bis 17 Uhr dauerte die reguläre Arbeitszeit, elf Stunden wachsam sein, ansprechbar, freundlich. Im Winter musste das alte Schulhaus schon eine Stunde zuvor angeheizt werden. Die damalige Leiteri Ingrid Schmidt erinnert sich noch lebhaft an die Tage, an denen der alte Ofen nicht richtig durchzog und bei Dienstbeginn und Eintreffen der ersten Kinder das Haus blau vom Rauch war.

Auch Reichwerden war mit dieser Beschäftigung kaum möglich. 550 Ostmark betrug der Lohn für diese harte und lange Arbeitszeit, und weil das nicht reichte, kellnerte Ingrid Schmidt jahrelang am Wochenende als Zuverdienst. Trotzdem war diese Arbeit ihr Leben.

Der Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem jüngsten Semliner Heft.

Von Martin Keune

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