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Darum zertrümmert eine Riesen-Maschine den Beton auf der A 2

Mittelmark Darum zertrümmert eine Riesen-Maschine den Beton auf der A 2

Ein monströs schweres Baugerät zertrümmert aktuell die Fahrbahn der Autobahn 2 bei Lehnin (Potsdam-Mittelmark). Experten sprechen von einem „Fallbeil“. Mit der Wucht seiner sieben Tonnen schweren Stahlplatte zerlegt der Gogo-Hammer 30 Zentimeter dicken Beton.

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Leichtes Spiel haben die Baggerfahrer, den vom Abbruch-Hammer bearbeiteten Autobahn-Beton aufzubrechen: Die Bauarbeiten an der Autobahn 2 bei Lehnin.

Quelle: Marion von Imhoff

Mittelmark. So funktioniert Kaputtmachen von 30 Zentimeter dickem Beton, der Gogo-Hammer macht es möglich. Gleich drei Exemplare des Baugerätes mit jeweils sieben Tonnen schweren Fallbeilen zertrümmern die Fahrbahndecke auf der Autobahn 2 bei Lehnin.

„Fallbeil“, so nennen die Bauarbeiter die monströs schwere Stahlplatte, die aus zweieinhalb Metern auf die Fahrbahn schlägt, 15 Mal die Minute. Bei jedem Donnerschlag auf den Beton vibriert der Boden. Es sind gewollte Mini-Erdbeben. Selbst die Auto- und Lastwagenfahrer spüren beim Passieren des Hammers dessen wuchtigen Aufprall in der Magenkuhle.

Durch den Einsatz der Fallbeil-Baugeräte und vieler Bagger liegt der Beton der Fahrbahndecke mittlerweile schon meterhoch auf Schuttbergen. Catrin Lange, Sachgebietsleiterin für Bauüberwachung beim Landesbetrieb Straßenwesen, ist zufrieden über den Baufortschritt. „Die Arbeiten gehen sehr schnell.“

Der Abbruch-Hammer

Der Abbruch-Hammer: Deutlich zu sehen ist die sieben Tonnen schwere Stahlplatte, die vorne am Baufahrzeug den Beton zertrümmert.

Quelle: Landesbetrieb Straßenwesen

Grund dafür sind die Vertragsklauseln mit den 20 beteiligten Tiefbaufirmen, denen die Zeit im Nacken sitzt. Die Betriebe müssen bis zum 30. Juni den fünf Kilometer langen dreispurigen Abschnitt Richtung Magdeburg mit einer neuen Fahrbahndecke versehen. Allein vier Wochen innerhalb dieser Frist muss die neue Decke aushärten.

Landesbetrieb Straßenwesen

Der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg mit Sitz in Hoppegarten betreut, baut und plant Autobahnen, Bundes- und Landstraßen.

Derzeit ist die Behörde, die Teil der Landesverwaltung ist, mit diversen Großbaustellen beschäftigt. Neben der Autobahn 2-Baustelle bei Lehnin ist das unter anderem auch das Großprojekt Erweiterung des südlichen Berliner Ringes bei Michendorf auf acht Spuren.

Um dieses Zeitlimit zu schaffen, brechen die Bauarbeiter nun seit rund 14 Tagen die von Betonkrebs zersetzten Autobahndecke auf. Sie absolvieren Sechs-Tage-Wochen von morgens 7 Uhr bis abends 18 Uhr. 100 000 Tonnen Beton gilt es zu zertrümmern. Bis zu 20 Tiefbauarbeiter und Experten sind gleichzeitig am Werk.

Diesen fingerdicken Spalt hämmerte die Stahlplatte des Abbruchhammers in die Betondecke der Autobahn 2 bei Lehnin

Diesen fingerdicken Spalt hämmerte die Stahlplatte des Abbruchhammers in die Betondecke der Autobahn 2 bei Lehnin.

Quelle: Marion von Imhoff

Wo der Gogo-Hammer wirkte, machen sich Baggerfahrer ans Werk, den nun aufgespalteten Beton herauszubrechen und auf Schuttberge zu befördern. Die Rillen auf der Fahrbahn wirken, als hätte ein Erdbeben gewütet. Fingerdick sind die Spalten, die die Stahlplatte in den Untergrund hämmerte. Der Fahrer des Abbruchhammers kontrolliert den Erfolg der Zerstörung und fährt ein Stück vor, dann geht es von Neuem los.

Ab dem Sommer folgt die Fahrbahnsanierung auf der Gegenrichtung. Dann ist der Abbruchhammer dort im Einsatz. Im November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. 10 Millionen Euro sind bis dahin investiert und verbaut. Alle hiesigen von Betonkrebs betroffenen Autobahnabschnitte auf der A 2 und A 9 werden bis Ende 2019 komplett saniert sein. Es sind dutzende Autobahnkilometer lange Straßenschäden, beginnend ab dem Potsdamer und dem Dreieck Werder bis zur Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt. Es ist ein 100-Millionen-Euro-Projekt.

Catrin Lange ist Sachgebietsleiterin für Bauüberwachung im Landesbetrieb für Straßenwesen

Catrin Lange ist Sachgebietsleiterin für Bauüberwachung im Landesbetrieb für Straßenwesen.

Quelle: privat

Der Beton der derzeitigen Baustelle bei Lehnin wird aufgebrochen, auf täglich 15 Lastwagen geladen, die jeweils in einer Schicht zehn Fuhren wegschaffen. Sie kippen den maroden Beton in Brecheranlagen ab, die teils auf der Baustelle selbst arbeiten. Die sind so laut, dass das Amt für Immissionsschutz ihrem Aufstellungsort zustimmen musste. Sie dürfen nicht zu nah an Ortschaften liegen. Von diesen Maschinen werden die Betonbrocken in kleine Steinchen zerkleinert.

Nötig sind die Bauarbeiten wegen der seit Jahren bekannten Alkali-Kieselsäure-Reaktion, umgangssprachlich Betonkrebs genannt. Durch die chemische Reaktion zerbröselt der Beton. Um die Gefahr umherfliegender Betonbrocken zu bannen, die von Reifen aufgewirbelt werden könnten, galt schon seit Monaten dort ein striktes Tempolimit.

Die zertrümmerte Beton-Fahrbahn an der Autobahn 2

Die zertrümmerte Beton-Fahrbahn an der Autobahn 2.

Quelle: Landesbetrieb Straßenwesen

Der zerkleinerte Beton wird wieder als Tragschicht unter die neue Fahrbahn aufgebracht. Nach Einschätzung von Experten bereitet der Betonkrebs dabei laut Lange „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ keine Probleme. Das hätten Untersuchungen ergeben.

Die Bürger der Gemeinde Kloster Lehnin, unter ihnen viele Autobahn-Pendler, müssen noch bis Ende Juli damit leben, dass die Lehniner Abfahrt und Auffahrt Richtung Magdeburg gesperrt ist. Von Juli bis Ende Oktober gilt das gleiche dann für die Lehniner Abfahrt in der Gegenrichtung. Solche massiven Eingriffe werden Monate vor Baubeginn mit den betroffenen Kommunalverwaltungen abgestimmt, sagt Catrin Lange. Beschwerden habe es noch nicht gegeben. Die nur vier Kilometer entfernte Abfahrt Netzen gilt als Ausweichroute.

Den Lehniner Abschnitt der Autobahn 2 passieren binnen 24 Stunden zwischen 54.000 und 59.000 Fahrzeuge. Eigentlich sollte die Autobahn dort zwei Jahrzehnte halten, wie alle nach der Wende ausgebauten Fernstraßen. So gesehen hätte ab 2020 sowieso mit einer Sanierung begonnen werden müssen – freilich in deutlich geringerem Maße. „Da wären dann vielleicht die schlimmesten Stellen gemacht worden“, so Catrin Lange.

Von Marion von Imhoff

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