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Das Dorf mit der erotischen Aura

Busendorf Das Dorf mit der erotischen Aura

Busendorf liegt mitten in Brandenburg und hat doch sächsische Wurzeln. Der Ort, dem wegen seiner erotischen Aura regelmäßig Ortseingangschilder gestohlen werden, besticht auch noch mit anderen Besonderheiten – zum Beispiel mit den Dorffesten, die jedes Jahr eine ganz eigene Note bekommen.

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Jetzt muss nur noch das Datum eingesetzt werden: Festorganisatorin Bianca Sieber und Ortsvorsteher Matthias Gedicke mit dem Plakat zum Dorffest.

Quelle: Jens Steglich

Busendorf. Als sich die Fernsehleute der Pro-7-Sendung Galileo auf die Suche nach ungewöhnlichen Ortsnamen machten, kamen sie an Busendorf nicht vorbei. Bei der Anmoderation des Filmes stand das Busendorfer Ortschild gleich neben den Schildern von Lederhose (Thüringen) und Kotzdorf (Bayern). Im Beitrag über den Beelitzer Ortsteil zeigte Ortsbeirätin Christel Niederland auch, was ihrer Enkelin zum Ortsnamen eingefallen ist. Die Enkelin malte auf einem Blatt Papier das Dorf samt seiner Kirche vor dem Hintergrund zweier wohlgeformter Berge mit zwei herausragenden Gipfelspitzen. Kein Zweifel: Wer an Busendorf denkt, hat zuerst weibliche Rundungen im Kopf.

Die erotische Aura führt freilich dazu, dass ab und an Ortseingangsschilder verschwinden. Laut Straßenmeisterei gehören Busendorf-Schilder zu den am häufigsten gestohlenen in der Region. Das 640-Einwohnerdorf, zu dem auch Kanin und Klaistow gehören, fällt auch durch andere Dinge auf – zum Beispiel durch seine Dorffeste, die seit einigen Jahren eine ganz eigene Note bekommen. 2013 zum Beispiel verwandelte sich der Ort in ein Wildwest-Dorf – mit allem, was dazu gehört: Cowboys, Bullenreiten und US-Cars. Die vorläufige Krönung erlebten Einwohner und Besucher im vergangenen Jahr, als zum Dorffest drei Tage lang eine Mallorca-Party mit echten Malle-Promis über die Bühne ging. Eine Fete, für die es außerhalb Mallorcas kaum einen besseren Ort geben kann und die Mallorca-Urlauber vom Ballermann kennen – dem Strandlokal, das zum Synonym für die Trink- und Feierfreude deutscher Feriengäste geworden ist. Zum Fest wehte die spanische Flagge über dem Busendorfer Sportplatz, der in einen Sandstrand mit echten Palmen verwandelt wurde. Es gab eine Tapas-Bar und Sangria – in Gläsern und in Eimern. „Die Eimer wollten die Leute nicht so richtig haben. Wir haben nur einen verkauft“, erzählt Bianca Sieber. Wer hat den Eimer gekauft? Der Sportvereinsvorsitzende!

Bianca Sieber ist die Cheforganisatorin der Dorffeste. Sie hält die Fäden in der Hand und lockte im vergangenen Jahr Insel-Promis wie den Party-Kanzler Martin Martini und Malle-Jens alias Jens Büchner nach Busendorf. Zum Tag des Dorffestes entstehen bei ihr schon die Ideen fürs nächste Jahr. So war es auch bei der Mallorca-Party 2016, die einen langen Vorlauf hatte. „Wir sind 2015 zur Inspiration nach Mallorca in den Urlaub geflogen und haben erste Kontakte geknüpft“, sagt sie. Wie das ausgesehen hat, schildert Ortsvorsteher Matthias Gedicke so: „Wir saßen vor dem VIP-Bereich und als die Stars vorgefahren sind, hat Bianca zugeschnappt.“ Auch für das diesjährige Dorffest am 7. und 8. Juli hat sie sich Stars und Sternchen geschnappt (siehe Info-Kasten). Motto dieses Mal: „Busendorf Open Air“. Neben Malle-Promis wird Rock-Violinist „Hans die Geige“ da sein. Hans Wintoch, wie er mit bürgerlichen Namen heißt, ist ein langjähriger Busendorf-Freund und trat unter anderem beim Pokalfinale 2016 auf, das für den Fußballkreis Havelland in Busendorf angestoßen wurde. Fast 1000 Zuschauer sahen und hörten zu, als „Hans die Geige“ nach dem Abpfiff „We Are the Champions“ spielte. Glindow hatte 4:2 gegen Beelitz gewonnen.

Der SV 71 Busendorf stand zwar nicht im Finale, hat es aber auch schon zu einiger Berühmtheit geschafft. 1991 wurden die Busendorfer eine Woche lang von Trainerlegende Rudi Gutendorf trainiert und kamen damit in die Fernsehsendung „Wennschon, dennschon“, die Rekorde aufspürte. Gutendorf hatte als Trainer schon 50 Mannschaften trainiert, darunter den HSV, Schalke 04, Chile, China und Nepal. Fürs Fernsehen übernahm er für ein paar Tage auch den SV 71 Busendorf. „Wir waren damals die schlechteste Mannschaft in der Gegend“, so Ortsvorsteher Matthias Gedicke, der lange Jahre selbst Vereinspräsident war. Nach dem Training mit Gutendorf ging es aufwärts. „Wir haben am nächsten Spieltag 4:2 gegen Geltow gewonnen“, weiß Gedicke, der betont, dass beim SV 71 nicht nur Fußball gespielt wird: „Wir haben auch Taekwondo, Reiten und Volleyball im Angebot.“ Was seine Heimat ausmacht, bündelt er in diesen Worten: „Spargelfelder, herrliche Dorffeste und einen Ort, der zusammenhält.“ Und eine besondere Geschichte für ein Dorf mitten in Brandenburg, könnte man noch ergänzen. Bis heute werden Busendorf, Kanin und Klaistow auch als „die drei sächsischen Dörfer“ bezeichnet. Das Trio gehörte bis 1815 zum Kurfürstentum Sachsen. Nach dem Sieg über Napoleon wurden mit dem Wiener Kongress Teile von Sachsen, das an der Seite Frankreichs stand, den Preußen zugeschlagen. 2015 – 200 Jahre danach – feierte das Trio die feindlichen Übernahme durch Preußen mit einem dreitägigen Dorffest. Den sächsischen Dialekt hört man heute nur noch am Rande des Fußballplatzes, wenn der SV 71 spielt und Raik Knoche seine Leute anfeuert. Der Vereinschef, der zur Mallorca-Party den Eimer Sangria bestellte, stammt aus Leipzig und wanderte später in die einstige sächsische Enklave aus.

Dorffest „Busendorf Open Air“ am 7. und 8. Juli

Das Dorffest läuft dieses Jahr unter dem Motto „Busendorf Open Air“ und wird am 7. und 8. Juli über die Bühne gehen.

Einige Malle-Promis, die vergangenes Jahr schon bei der Busendorfer Mallorca-Fete dabei waren, sind wieder mit von der Partie: Party-Kanzler Martin Martini zum Beispiel und Malle-Jens, der dieses Jahr im Dschungelcamp war und es einst über die Vox-Auswanderer-Doku „Goodbye Deutschland“ ins Rampenlicht schaffte. Er setzte sich damals natürlich nach Mallorca ab.

Los geht das Dorffest bereits am 7. Juli, 19 Uhr, mit Martin Martini, der mit den Busendorfern in seinen Geburtstag hineinfeiern wird, und mit „Wolle“, der eigentlich Thomas Döring heißt und ein Wolfgang-Petry-Double ist. „Er singt nicht nur wie Petri, er sieht auch so aus“, sagt Festorganisatorin Bianca Sieber.

Am 8. Juli, 19 Uhr, treten unter anderem „Hans die Geige“, Engel B, Killermichel, Krümel und Jens Büchner auf. Am Pult steht zum Dorffest außerdem DJ Willow.

Busendorf gehört seit Ende 2001 zu Beelitz. Die beiden Gemeindeteile Kanin und Klaistow wurden 1950 nach Busendorf eingemeindet, sind aber durch eine lange gemeinsame Geschichte verbunden. Bis 1815 gehörte das Trio zu Sachsen.

Den drei „sächsischen Dörfer“, die sich Jahrhunderte Dorfschule und Kirche teilten, fehlt allerdings bis heute eine Fuß- und Radwegverbindung, um den seit vielen Jahren gekämpft wird. Ortsvorsteher Matthias Gedicke sieht vor allem das Land in der Verantwortung, weil die Verbindungsstraße L 88 dem Land gehört.

 

Von Jens Steglich

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