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Das Einmaleins des 112

Brandschutzerziehung in Werder Das Einmaleins des 112

Was ist zu tun, wenn das Wohnzimmer brennt oder ein Fußgänger verletzt am Boden liegt? „Nicht einmal die Erwachsenen wissen das immer“, sagt Axel Thiemann vom Brandschutzerziehungsteam des Kreises Potsdam-Mittelmark. Deswegen fängt er bei den Kleinsten an. In dieser Woche war er an der Hagemeister-Grundschule in Werder zu Gast.

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Am Rauchdemohaus zeigt das Team der Brandschutzerziehung, was bei einem Feuer im Wohnhaus zu tun ist.

Quelle: Victoria Barnack

Werder. Bis zu 200 Kinder sterben jedes Jahr in Deutschland bei Bränden. Axel Thiemann und sein Kollege Heimo Rollof versuchen, das zu verhindern, indem sie zumindest im Landkreis Potsdam-Mittelmark ihren Teil leisten. Die beiden Feuerwehrmänner sind Fachwarte für Brandschutzerziehung (BSE) und leiten die entsprechende Sondereinheit des Kreisfeuerwehrverbandes. Fast täglich sind sie an einer anderen Schule oder Kita, um den Kindern und Jugendlichen das richtige Verhalten im Notfall beizubringen. Am Montag und Dienstag waren sie in Werder zu Gast. Dort zeigten sie den vier 1. Klassen der Karl-Hagemeister-Grundschule nicht nur die großen Einsatzfahrzeuge und das Alarmsignal in der Wache, sondern auch Eselsbrücken, falls es tatsächlich mal brennt.

Das BSE-Team gibt es in Potsdam-Mittelmark bereits seit acht Jahren. Als die Besetzung 2015 aus Altersgründen erneuert werden musste, wurde Thiemann zum Leiter der Einheit. Wie vielen Schulklassen und Kitagruppen er seitdem die Grundregeln für den Notruf der Feuerwehr beigebracht hat, kann er nur schätzen. Bis zu 4000 Kinder seien es jährlich.

Ziel sind regelmäßige Besuche in jeder Klasse

Vielen von ihnen begegnete er bereits mehrmals – kein Zeichen von Unaufmerksamkeit während des Brandschutzerziehungsunterrichtes, sondern viel mehr eine Prävention wie beim Zahnarzt. Auch einige Erstklässler der Hagemeister-Grundschule kannte Thiemann noch aus den Kindergärten der Stadt. „Unser Ziel ist es, die Klassen jedes Jahr wieder zu besuchen“, sagt er. Tatsächlich ist das fast unmöglich. Im gesamten Kreis gibt es allein 42 Grundschulen. Hinzu kommen Kitas und Oberstufen. Heute sind Thiemann und Rollof in der Stahnsdorfer Gemeindeunterkunft und wenden nach einem Vorbild aus dem Kreis Dahme-Spreewald ein Brandschutzerziehungskonzept für Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen an.

Verpflichtend sind die Besuche des BSE-Teams allerdings nicht. Einmal im Jahr – wenn Axel Thiemann einen der seltenen Tage an seinem Schreibtisch im Büro verbringt – ruft er sich per Mail ins Gedächtnis der hauptsächlich von den Gemeinden betriebenen Einrichtungen. „Meistens funktioniert unsere Arbeit aber noch immer über Mundpropaganda“, sagt Thiemann. Denn viele Einrichtungen buchen die Brandschutzerzieher tatsächlich regelmäßig – ein erster, kleiner Erfolg für ihn und seinen Kollegen, obwohl sich nicht alle Kinder an die Lehrstunde aus dem Vorjahr erinnern können.

Unterricht einmal anders

Unterricht einmal anders: Im Einsatzwagen der Feuerwehr Werder erklärte Axel Thiemann die Fluchthaube.

Quelle: Victoria Barnack

„Aber trotzdem: viele wissen, dass sie im Notfall die 112 wählen müssen“, sagt er. Am einprägsamsten ist ein Lied, in dem die wichtigsten Infos für einen Notruf an fünf Fingern zusammengefasst sind. „Wenn ich meine Hand hochhalte, fangen einige Kinder direkt an zu singen“, erzählt Thiemann, obwohl das Lied eigentlich nicht mehr aktuell ist. „Beim Notruf haben sich in letzter Zeit ein paar Sachen geändert“, sagt er.

Von den fünf W-Fragen, die früher gelehrt wurden, sind nur noch zwei übrig und auch ihre Relevanz hat sich verändert. „Am wichtigsten ist heute nicht, wer da gerade bei der Leitstelle anruft, sondern wo etwas passiert ist“, erklärt er. Das zweite W ist außerdem keine Frage mehr – Wer? Was? oder: Wie viele? – sondern deutet nur noch auf das „Warten“ hin. „Denn die Kollegen in der Leitstelle gehen, wenn ihr einmal kurz durchatmet, automatisch mit euch alle Fragen durch“, erklärt er den Grundschülern. Die Botschaft: ihr könnt kaum etwas falsch machen, solange ihr für Hilfe sorgt.

Selbstversuch am Alarm-Druckknopf

Nach der Theoriestunde gehen Axel Thiemann und Heimo Rollof schließlich zur Praxis über. Sie zeigen den Kindern und Jugendlichen verschiedene Fluchthauben und erklären, bei welcher Variante man beispielsweise Brillen und Kopftücher abnehmen muss, um die Funktion zu gewährleisten. Denn bis zu 98 Prozent aller Brandtoten sterben nicht an Verbrennungen, sondern durch eine Rauchvergiftung. Wer möchte, darf die Hauben aufsetzen. Besonders gut kommt immer wieder auch der Selbstversuch am Alarmdruckknopf an. Er befindet sich hinter einer kleinen Glasscheibe auch in der Grundschule der kleinen Brandschutzlehrlinge von Montag und Dienstag.

Wenn Axel Thiemann fragt, wie man diese Glasscheibe kaputt bekommen könnte, werden die Schüler kreativ. „Mit der Faust“, war auch bei den Erstklässlern aus Werder die erste Idee. Thiemann und Rollof erklären dann, dass sie sich auf diese Weise schwer verletzen könnten und suchen gemeinsam nach besseren Lösungen. Als eine Schülerin auf die Idee kommt, den Alarm mit dem Fuß betätigen zu wollen, zeigt Thiemann ihr, wie hoch der Knopf angebracht ist. Erst danach kommen die richtigen Antworten von den Erstklässlern aus Werder: Stein, Schuhe, Stifte, Wasserflaschen.

Am Ende folgt der Höhepunkt des 90-minütigen Unterrichts: das Rauchdemohaus. Es zeigt, wie schnell sich der dichte Neben im gesamten Haus ausbreitet, wenn das Spielzeug im Kinderzimmer oder der Toaster in der Küche Feuer fangen. Dass man die Türen schließt und Ritzen am besten mit Tüchern oder im Notfall auch mit Toilettenpapier zustopft, vergisst so schnell wohl kein Erstklässler der Hagemeister-Grundschule. Mit allen 100 Schülern hat sich Axel Thiemann nichtsdestotrotz bereits vorsorglich für das nächste Jahr wieder verabredet.

Neue Brandschutzfibel für Brandenburg

Am vergangenen Wochenende wurde die neue Brandschutzfibel des Landes vorgestellt. Sie erscheint in fünf Sprachen: englisch, französisch, russisch, arabisch und farsi und hat immer einen deutschen Untertitel.

Die zwei Geschichten des Heftes, die im selben Wohnhaus spielen, erklären die Bedeutung von Rauchmeldern und weshalb in Wohnungen nicht geraucht werden soll. Außerdem zeigen sie, was Kindern beim Spielen mit Feuer passieren kann und wie sie in solchen Fällen richtig reagieren.

Die Brandschutzfibel wurde vom Landesfeuerwehrverband Brandenburg und dem Kreisfeuerwehrverband Dahme-Spreewald herausgegeben. Sie kann über alle Kreisfeuerwehren von öffentlichen Einrichtungen bezogen werden.

Von Victoria Barnack

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