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Das Eldorado für Pilzsammler liegt im Fläming

Mittelmark Das Eldorado für Pilzsammler liegt im Fläming

Pfifferling, Marone und Steinpilz: Auch im Hohen Fläming sprießen manche Pilze wegen des feuchten Sommers in diesem Jahr früher als gewöhnlich. Der Pilzsachverständige Jürgen Neuendorf weiß, worauf es bei der Pilzsuche ankommt und welche giftigen Doppelgänger noch immer häufig im Korb landen. Dabei ist auch er nicht vor falschen Funden gefeit.

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Steinpilze, Pfifferlinge und Maronen sind bei Pilzsammlern die beliebteste Ausbeute.

Quelle: dpa

Bad Belzig. Des einen Glück ist des anderen Leid: Während der diesjährige Sommer für viele Sonnenanbeter an vielen Tagen eine Enttäuschung darstellt, herrscht an anderer Stelle Freude über das wechselhafte Wetter und die wiederkehrenden Regenschauer.

„Dieses Jahr ist ein tolles Pilzjahr“, sagt Jürgen Neuendorf und hält die Reste eines Sommersteinpilzes hoch, die er auf dem Spielplatz gegenüber des Naturparkzentrums „Hoher Fläming“ gefunden hat. Ein paar Schritte weiter entdeckt Neuendorf auch noch einen Perlpilz und einige kleine Hexenröhrlinge – allesamt genießbar.

Pilzwanderungen und Pilzberatung

Dabei geht es dem Bad Belziger gar nicht darum, immer nur essbare Pilze zu finden, wie er selbst sagt. Jürgen Neuendorf hält eher nach seltenen Arten Ausschau. Die präsentiert er dann auch gerne mal bei den Treffen des Brandenburgischen Landesverbands der Pilzsachverständigen, dessen Mitglied er seit fünf Jahren ist. Außerdem bietet der 58-Jährige regelmäßig Pilzwanderungen an und ist ab September wieder als Pilzberater auf dem Wochenmarkt in Bad Belzig präsent.

Mithilfe von Merkblättern und einer großen Tafel gibt Jürgen Neuendorf dort allen Interessierten einen Überblick über die verschiedenen Pilzarten – und klärt über giftige Doppelgänger eigentlich genießbarer Pilze auf. So werde der Gallenröhrling – wegen seines bitteren Geschmacks auch Bitterling genannt – noch immer häufig mit dem Steinpilz verwechselt.

Jürgen Neuendorf (58) aus Bad Belzig ist Pilzsachverständiger und steht Hobby-Pilzsammlern mit seinem Fachwissen zur Seite

Jürgen Neuendorf (58) aus Bad Belzig ist Pilzsachverständiger und steht Hobby-Pilzsammlern mit seinem Fachwissen zur Seite.

Quelle: Josephine Mühln

„Bei Pilzvergiftungen können über 15 Symptome auftreten“, weiß der Pilzsachverständige. „Beim Gallenröhrling beispielsweise Magen-Darm-Probleme, die sogenannten Drogenpilze wirken sich dagegen auf das Nervensystem aus.“

Es sei für Laien schwierig, die vielen verschiedenen Pilzarten sicher zu bestimmen. „Deshalb sollten die Pilze auch nur gegessen werden, wenn man sich zu 100 Prozent sicher ist, um welche es sich handelt.“ Außerdem sollten sich Hobbysucher nicht von den bunten Bildern in Pilzbüchern verleiten lassen, rät Jürgen Neuendorf. „Wer über Maronen, Pfifferlinge oder Champignons hinaus will, sollte zum Pilzberater gehen.“

Verzehr vom Knollenblätterpilz kann zu Leberversagen führen

Als Rettungsassistent hat er schon abenteuerliche Geschichten gehört, wie es zu Pilzvergiftungen gekommen ist, sagt Neuendorf. „Es ist immer wieder erschreckend, wie die Leute da teilweise rangehen.“ Zumal bei den giftigsten Pilzen die Wirkung auch erst sehr viel später einsetzen könne. Beim Knollenblätterpilz, der häufig mit dem Wiesenchampignon verwechselt wird, kann es beispielsweise auch am nächsten Tage noch zu Leberversagen kommen. „Und es gibt bei Pilzvergiftungen kein Gegengift, sondern es muss je nach Symptomen behandelt werden.“

Aktuell wachsen neben Pfifferlingen auch Maronen, die wegen des feuchten Sommers in diesem Jahr früh dran sind. „Wer sich auskennt, der findet zu jeder Jahreszeit Pilze“, sagt Jürgen Neuendorf. So sei der Austern-Seitling ein typischer Winterpilz. Insgesamt sei das Pilzwachstum im Hohen Fläming wegen des geringen Kalkgehalts im Boden etwas eingegrenzt. „Aber für den Kochtopf ist es trotzdem eine gute Pilzgegend, wegen der vielen Waldflächen.“

Spankörbe statt Plastiktüten

Jürgen Neuendorf rät, Pilze in einem Span- oder Weinkorb zu sammeln.

Darin kann die Luft gut zirkulieren und die Pilze schwitzen nicht.

Grundverkehrt sei es, die Pilze in Plastiktüten zu transportieren, auch Stoffbeutel seien nicht optimal.

Seit einigen Jahren stellt sich Jürgen Neuendorf regelmäßig auf den Bad Belziger Wochenmarkt und berät Interessierte zu ihren Pilzfunden.

In diesem Jahr wird er am 12., 14., 19. und 21. September da sein. Er klärt nicht nur zu Pilzen und ihren giftigen Doppelgängern auf, sondern auch zum richtigen Verhalten im Wald.

Jürgen Neuendorf selbst mag Pilze am liebsten geschmort mit Zwiebeln und Speck – oder Pfifferlinge und Rotkappen in der Kartoffelsuppe. Dass er einem Doppelgänger aufgesessen ist, ist viele Jahre her, wie der 58-Jährige sagt.

„Das war im Urlaub in Schwerin, wir dachten, wir hätten Champignons gefunden.“ Tatsächlich habe es sich aber um den giftigen Karbol-Egerling gehandelt. Schlimmeres konnte schlussendlich aber verhindert werden, denn bei der Zubereitung ist Neuendorf der strenge Geruch des Pilzes aufgefallen. Und so landete die Ausbeute unterm Strich zum Glück auf dem Kompost statt in der heimischen Pfanne.

Von Josephine Mühln

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