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Das Olympia-Gold ist endlich zurück

Kleinmachnower Goldmedaille in Familienhand Das Olympia-Gold ist endlich zurück

Im Sommer rief der Fund einer Olympia-Goldmedaille aus dem Jahr 1932 in einer Kleinmachnower Kita ein internationales Medienecho hervor. Es gehörte einst dem Ruder-Olympiasieger Horst Hoeck, der aus der damaligen DDR geflüchtet war. Jetzt hat seine Tochter die Medaille endlich in Empfang genommen. Doch Kleinmachnow geht nicht ganz leer aus.

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Bürgermeister Michael Grubert (r.) übergibt die Goldmedaille in die Hände ihrer rechtmäßigen Besitzerin Karin Isermann und ihres Mannes Jens.

Quelle: Gemeinde Kleinmachnow

Kleinmachnow.
Die in diesem Sommer in der Kita „Waldhäuschen“ gefundene Goldmedaille ist nun in der Hand der rechtmäßigen Eigentümerin. Gewonnen wurde die olympische Medaille 1932 vom Deutschen Ruder-Vierer, zu dem auch Horst Hoeck gehörte. Bürgermeister Michael Grubert übergab das wertvolle Erinnerungsstück nun dessen Tochter Karin Isermann.

Die Geschichte um die olympische Goldmedaille hatte im Sommer diesen Jahres Schlagzeilen gemacht. Sie tauchte auf bei Sanierungsarbeiten in der Kleinmachnower Kita. Hinter einer Wand unterm Dach hatten Handwerker einen Safe entdeckt und darin die Medaille von 1932. Das Rätsel um die Herkunft der mehr als 80 Jahre alten Auszeichnung war mit Hilfe der Öffentlichkeit jedoch schnell gelöst.

Wie das Familienidyll in Kleinmachnow ein Ende fand

Die 1939 geborene Karin Isermann entstammt der ersten Ehe ihres Vaters. Nach Scheidung und Tod der Mutter heiratete der Sportler 1942 die Tochter von Myro Patermann, dem Besitzer der Teltower Biomalz-Fabrik. Horst Hoeck wurde dort Betriebsleiter. Mit seiner zweiten Frau Ingrid hatte Hoeck noch zwei Söhne und eine Tochter. Nach Kriegsende mietete er das Haus in der Medonstraße, das heute als Kita genutzt wird, und zog dort mit seiner Familie ein.

Horst Hoeck und seine Goldmedaille

Horst Hoeck und seine Goldmedaille.

Quelle: Gemeindeamt/ Volker Kluge

Das Kleinmachnower Familienidyll fand leider bald ein Ende, denn die Sowjetische Militäradministration wollte die Popularität des erfolgreichen und damals nicht unbekannten Sportlers nutzen und ihn mit der Lebensmittel- und Getränkeversorgung Ostberlins beauftragen. Doch Hoeck – ein stets unpolitischer Mensch, so Tochter Karin – lehnte dies ab, denn „er sei schließlich kein Kommunist“. So fiel er in Ungnade. Er wurde schließlich 1947 verhaftet, saß etwa ein Jahr ein, musste immer wieder Verhöre über sich ergehen lassen und erwartete bereits seinen Prozess.

Angst vor Todesurteil – aus dem Fenster gesprungen

Hoeck drohte das Todesurteil, und er entschloss sich, mit einem gewagten Sprung aus dem Fenster des Potsdamer Gerichtsgebäudes zu fliehen. Unten sollten Freunde warten, um ihn fortzubringen. Doch er hatte wohl zuviel Elan in seinen Sprung gelegt, so erzählt Tochter Karin, und prallte hart aufs Straßenpflaster. Schwer verletzt kam er in ein Militärkrankenhaus. Hier sah seine Frau Ingrid ihre Chance, und sie erreichte, dass seine Verlegung in eine andere Klinik angeordnet wurde. Sie organisierte einen Krankenwagen, lud kurzerhand ihren verletzten Mann ein und flüchtete mit ihm in den Westteil der zerstörten deutschen Hauptstadt.

Das Haus hatte sie bereits vorher ausgeräumt, aber – wie wir heute wissen – nicht gründlich genug. Die Medaille vergaß oder übersah sie in dem kleinen Safe im Dachgeschoss, der später hinter einer Wand verschwand und in Vergessenheit geriet. Die Goldmedaille, so glaubte Hoeck, wäre bei der Flucht verloren gegangen. Umso glücklicher ist Karin Isermann nun, dass sie wieder zurück in Familienbesitz ist. Für die Gemeinde spendiert Karin Isermann allerdings eine Kopie, damit auch hier eine Erinnerung an die spannende Geschichte aus dem Sommer 2015 erhalten bleibt. Das Original, so verspricht sie aber, wird bei ihr zuhause einen sichtbaren Platz bekommen, und ganz bestimmt lande sie nicht wieder in einem Tresor.

Von MAZonline

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