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Potsdam-Mittelmark Das Orgelbauen bleibt in der Familie
Lokales Potsdam-Mittelmark Das Orgelbauen bleibt in der Familie
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16:02 27.10.2017
Seniorchef Matthias Schuke (Mitte) ist erleichtert, dass seine Söhne Johannes (r.) und Michael (l.) den Familienbetrieb übernehmen. Quelle: Stadt Werder
Werder

Wenn er seine Söhne von Facebook, Google und Instagram reden hört, weiß Orgelbaumeister Matthias Schuke, dass es Zeit wird. Der 62-Jährige wird das Zepter des in Werder ansässigen Traditionsunternehmens nach und nach an seine Söhne Johannes (32) und Michael (28) geben, wie er bei einem Pressegespräch am Freitag bekannt gab. Nachdem die Orgelbaufirma die Insolvenz überwunden hat, blickt sie nun nach vorn – und zwar auch in Richtung Digitalisierung. „Wir wollen uns in diesem Bereich intern und extern besser aufstellen, das heißt zum Beispiel, den Kunden Simulationen und Präsentationen anbieten, uns selbst aber auch mehr im Internet und den sozialen Medien bewegen. Da kann man noch ein bisschen Gas geben“, erklärt Johannes Schuke. Der Wirtschaftsingenieur wird sich künftig um den kaufmännischen Teil des Unternehmens kümmern. Michael Schuke ist gelernter Orgelbauer und nun nach elf Jahren und erfolgreich absolvierter Meisterprüfung bereit, „allein zu laufen“, wie sein Vater sagt.

Damit übernimmt die vierte Generation die Orgelbaufirma, die bereits 1820 ihren Ursprung in Potsdam fand. Gegründet wurde sie damals noch unter einem anderen Namen von Gottlieb Heise. Alexander Schuke, der Großvater des heutigen Seniorchefs, kaufte das Unternehmen 1894. „Wir haben schwere Zeiten hinter uns“, sagt Matthias Schuke. Die Russland-Sanktionen bedeuteten für den Familienbetrieb fast das Aus (MAZ berichtete). Mit der Hilfe der Stadt Werder, der Havelauen Projektgesellschaft, des Potsdam-Shanghai-Businesscenters, des Netzwerks Mittelstand International und des kauffreudigen Chinesen Wenjie Zou schafften die Schukes den Sprung aus der Krise. Denn Zou kaufte die 300 000-Euro-Orgel, die eigentlich in die Ukraine gehen sollte, und bestellte noch eine Übungsorgel für Schüler in Shanghai. „Damit waren wir gerettet“, erzählt Matthias Schuke und nutzte die Gelegenheit, sich bei allen Beteiligten zu bedanken.

Saß: „Glücksfall für die Stadt Werder“

Der Name „Schuke“ ist nicht nur in Deutschland verbreitet (Magdeburger Dom, Leipziger Gewandhaus), sondern steht unter anderem auch an Orgeln in Mexiko, Taiwan, China, Russland und Australien. Diese bestehenden Kontakte wollen die beiden jungen Unternehmer aufrechterhalten. Schließlich sei es auch den anderen Stammkunden zu verdanken, dass sich der Familienbetrieb behaupten konnte und während der Insolvenz Aufträge abgearbeitet hat, so Matthias Schuke. Die Verbindungen nach China sollen künftig auf anderen Ebenen ausgebaut werden. Wenjie Zou wünscht sich eine Plattform für den Kulturaustausch zwischen China und Deutschland. Er will sich dafür einsetzen, dass mehr Musiker aus seinem Land hierher reisen und Kontakte knüpfen.

Die Orgel, die eigentlich in die Ukraine gehen sollte, wird ihr Zuhause in China finden. Quelle: Luise Fröhlich

Von insgesamt aktuell 14 Mitarbeitern stammen vier aus der Familie Schuke. „Wir müssen unbedingt wieder mehr junge Leute ausbilden, sonst stehen meine Söhne eines Tages allein da“, mahnt Matthias Schuke. Eine Ausbildung zum Orgelbauer dauere viel länger als andere handwerkliche Lehren. Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) bezeichnet die Ansiedlung von Schuke-Orgelbau in Werder als einen Glücksfall für die Stadt. „Werder war in seiner Geschichte immer ein sehr guter Standort für Unternehmen, die Handwerkstraditionen pflegen und weiterdenken“, sagt sie. Matthias Schuke sei ein sehr gutes Beispiel für einen Unternehmer, der auch in schwierigen Phasen nicht das Handtuch wirft, sondern nach vorn denkt und neue Ideen entwickelt. Auch Klaus-Peter Meißner von der Havelauen Projektgesellschaft wies darauf hin, dass man stolz sein könne, diese Firma, die zudem in drei Jahren 200 Jahre alt wird, in Werder zu haben.

Träger des Bundesverdienstkreuzes

Matthias Schuke erhielt 1998 als engagierte Persönlichkeit im Orgelbau das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

2001 und 2011 wurde er zudem mit dem Seifriz-Preis, mit dem Projekte von Handwerk und Wissenschaft gewürdigt werden, ausgezeichnet.

Er hatte 2011 mit dem zweiten Preisträger, Markus Abel vom Physikinstitut der Uni Potsdam, eine Regeleinrichtung für die Druckluftversorgung einer Orgel entwickelt. Seitdem gab es ständige Anfragen zu Neubauten von Kirchen- und Konzertorgeln aus dem In- und Ausland.

Vor 13 Jahren siedelte sich Matthias Schuke mit seinem Unternehmen in den Werderaner Havelauen an. Damit gehört er zu den ersten Firmen, die dort gebaut haben. Zuvor habe er lange versucht, einen Standort in Potsdam zu bekommen, scheiterte damit aber, wie er sagt.

Der Orgelbaumeister führt die Firma seit 1990. In dem Jahr hatte er sie reprivatisiert. Seit 1974 ist er in dem Unternehmen tätig.

Von Luise Fröhlich

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