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„Das Ziel ist die Einheit der Kirchen“

MAZ-Interview „Das Ziel ist die Einheit der Kirchen“

Martin Luthers 95 Thesen haben im 16. Jahrhundert viel Aufsehen erregt. Es kam zur Spaltung der Kirche. Zum anstehenden Jubiläumsjahr der Reformation rücken beide Kirchen näher zusammen. In Bad Belzig bemühen sich die beiden Pfarrer Martin Gestrich und Burkhard Stegemann um die Ökumene.

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Viel gemeinsames: In Bad Belzig praktizieren die Pfarrer Burkhard Stegemann (links) und Martin Gestrich die Ökumene.

Quelle: Johanna Uminski

Bad Belzig. Martin Luthers 95 Thesen haben im 16. Jahrhundert viel Aufsehen erregt. Es kam zur Spaltung der Kirche, die der Reformator eigentlich nicht wollte. Zum anstehenden Jubiläumsjahr der Reformation rücken beide Kirchen näher zusammen. In Bad Belzig bemühen sich Martin Gestrich (Pfarrer der evangelischen St. Marien-Gemeinde) und Burkhard Stegemann (Pfarrer der katholischen St. Bonifatius-Gemeinde um die Ökumene.

Wie denken Sie über das bevorstehende Jubiläum 500 Jahre Reformation?

Stegemann: Es ist auf jeden Fall ein ungeheuer wichtiges Datum – ich würde sagen, sogar für die ganze Menschheitsgeschichte. Deshalb ist es natürlich auch für die katholische Kirche wichtig. Bei der gemeinsamen Vorbereitung dieses Jahres haben sich Katholiken und Evangelische darauf geeinigt, auch ein Christusjahr zu feiern, ganz im Sinne der Ökumene, der Bemühung um Einheit, die es ja übrigens schon mehr als ein Jahrhundert lang gibt.Gestrich: Ich möchte drei Sachen positiv hervorgeben. Erstens die Wiederentdeckung der Bibel, zweitens die Stärkung der Musik – denn die Gesangsbücher hätte es ohne die Reformation nicht gegeben, und drittens die Stärkung der Verantwortung jedes einzelnen Christen. Die Spaltung der Kirche ist ein Skandal, etwas Schreckliches. Luther hat zugelassen, dass die Mächtigen nach dem Vermögen der Kirche gegriffen haben. Er hat auch die Leitung der Kirche in die Hände des Staates gelegt. Das ging zu weit und hat nicht viel Gutes gebracht.

Wie stehen Sie zur Ökumene?

Gestrich: Das Ziel ist die Einheit der Kirchen. Versöhnte Verschiedenheit ist noch keine Einheit.Stegemann: Für uns Katholiken ist Ökumene ganz wichtig. Uns geht es darum, die sichtbare Einheit wiederzugewinnen. Diese Einheit zeigt sich durch gemeinsame Leitung, Sakramente und Lehre.

Beginn am 1. Dezember

Im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“, das jetzt eingeläutet wird, planen die katholische St.-Bonifatius- und die evangelische St.-Marien-Kirchgemeinde in Bad Belzig regelmäßige Themenabende.

Das erste Treffen findet am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr im Pfarrsaal der Katholischen Kirche, Brücker Landstraße 1 in Bad Belzig statt.

Diskutiert werden soll über die Enzyklika „Ut nunum sint“ von Papst Johannes Paul II. als Wegweiser zur Einheit der Kirchen. Mitglieder aus beiden Gemeinden und interessierte Bürger sind herzlich eingeladen.

Wo liegen die engsten Verbindungen beider Kirchen?

Stegemann: Wir haben inzwischen die Taufe gemeinsame – das war nicht immer so eindeutig. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) ist das aber geklärt. Und wir haben die Heilige Schrift, die Bibel, gemeinsam. In den ersten Jahrhunderten des Christentums haben sich die alten Glaubensbekenntnisse entwickelt. Auch die sind uns gemeinsam. Gestrich: Verbindungen liegen im karitativen Bereich, im Gebet und in großen Teilen der Bibelforschung. Auch das Vaterunser wurde gemeinsam formuliert, das finde ich sehr wichtig. Seit Anfang der 70er Jahre wurde das Glaubensbekenntnis angepasst.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Gräben zwischen Katholiken und Protestanten?

Gestrich: Katholiken sind der Kirche gehorsam und halten sich daran, was der Papst sagt. Evangelische Kirchen haben eine flachere Hierarchie. Oft entscheidet die Mehrheit. Der einzelne Pfarrer ist vor allem an sein Gewissen verwiesen. Wobei das Gewissen leider alles andere als unbestechlich ist.Stegemann: Ein wichtiger Unterschied ist die Eucharistie oder das Abendmahl, wie die evangelischen Christen sagen. In der Nacht vor seinem Tod hat Jesus den Jüngern die Feier aufgetragen. Da sind wir uns einig. Warum und was das bedeutet – da haben Katholiken und Evangelische ein ganz anderes Verständnis. Und ein anderer Unterschied: Gehorsam. Ja, wir haben ein, sagen wir mal, Grundvertrauen in unsere Kirche. Die Gläubigen erwarten irgendwie ja auch, dass katholisch ist, wo katholisch draufsteht.Gestrich: Heute ist die wegweisende Bedeutung der Bibel in den Fragen des kirchlichen Lebens kein Streitpunkt zwischen den Kirchen mehr.

Was bedeutet das Lutherjahr für die christlichen Kirchen?

Gestrich: Es sollte ein Jahr der Buße und des Neuanfangs sein.Stegemann: Es ist eine Chance bei der Ökumene voranzukommen, mehr Versöhnung und weniger Trennung.


Von Johanna Uminski

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