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Potsdam-Mittelmark Das alte Gutsgelände wird wieder bebaut
Lokales Potsdam-Mittelmark Das alte Gutsgelände wird wieder bebaut
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14:13 13.04.2017
Das Modell des Alten Dorfs von Helfried Winzer steht im Rathaus. Das Herrenhaus (links oben) und die Dorfkirche (rechts) markieren das Gutsareal. Dazwischen liegen die Wirtschaftsgebäude. Im Vordergrund, jenseits des Zehlendorfer Damms, ist die Alte Schule zu erkennen. Quelle: MAZ/Dietmar Horn
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Kleinmachnow

Weit und breit ist kein Arbeiter zu sehen. Mit entschlossenem Schritt umrundet Cornelia Behm die Baustelle, den Blick immer nach oben zum Dachstuhl gerichtet. „Hallo, ist da jemand“, ruft sie. Über einer Gerüststange taucht plötzlich ein Kopf auf. „Ich bin hier die Bauherrin. Dürfen wir mal in den Saal?“ Der Bauarbeiter nickt. Kurze Zeit später steht die 65-Jährige in einem großen, kahlen Raum. Sonnenstrahlen dringen durch die Dachbalken und brechen sich an den grauen Betonwänden. „Da hinten soll der Altar stehen. Oben kommt die Orgel hin, aber dafür müssen wir noch Geld sammeln.“

Der Kirchsaal kostet 3,5 Millionen Euro

Cornelia Behm ist Vorsitzende des Gemeindekirchenrats in Kleinmachnow. 3,5 Millionen Euro kostet das „Gemeindezentrum mit Kirchsaal“, wie das langgestreckte Gebäude am Zehlendorfer Damm offiziell genannt wird. Am 28. April ist Richtfest, Ostern 2018 wird eröffnet.

„Natürlich werden hier auch Gottesdienste stattfinden“, sagt Behm, „aber die eigentliche Kirche steht da draußen.“ Sie zeigt auf das alte, neogotische Gotteshaus mit dem mächtigen Wehrturm, das für die wachsende evangelische Gemeinde in Kleinmachnow längst zu klein geworden ist. Vom neuen Kirchsaal aus wird das historische Gebäude durch eine Glasscheibe hinter dem Altar zu sehen sein – so soll das Alte mit dem Neuen organisch verbunden werden.

13 Jahre wurde um den Neubau im alten Dorfkern gerungen. Der Kirchsaal wird nun genau auf die Fundamente eines Wirtschaftsgebäudes gesetzt, das den ehemaligen Gutshof der Familie von Hake zum Zehlendorfer Damm hin abschirmte. Die Kleinmachnower Herren hatten sich im 15. Jahrhundert eine kleine Rundburg und eine Wassermühle hart an das Flüsschen Bäke gesetzt. Später kamen ein repräsentatives Herrenhaus des Architekten David Gilly, Scheunen und Ökonomiegebäude dazu. Das ursprüngliche Dorf „Machnow“ lag etwas abseits der Gutsanlage. Dem typisch märkischen Bild wurde 1944 durch einen alliierten Bombenangriff der Garaus gemacht. Kein Stein blieb auf dem anderen, nur die Wassermühle, das Gutstor und die Dorfkirche überstanden das Inferno. Dazwischen lag jahrzehntelang lediglich eine grüne Wiese mit Buschwerk und kleinen Bäumen. Rege Siedlungstätigkeit nördlich des 1906 eröffneten Teltowkanals hatte den Schwerpunkt Kleinmachnows bereits in den 1930er Jahren in Richtung Berlin verschoben. Mit der Zerstörung gerieten Gut und Dorf dann völlig in Vergessenheit.

Mit dem Bau des Kirchsaals auf den Fundamenten eines Wirtschaftsgebäudes des Hakeschen Gutes in Kleinmachnow startet der Wiederaufbau des alten Dorfkerns. Denkbar sind weitere Rekonstruktionen, vielleicht wird sogar das Herrenhaus eines Tages wieder den Ort schmücken.

„Wenn unser Kirchsaal steht, wird das die Phantasien beflügeln“, sagt Cornelia Behm. Man nimmt es der Kirchenratsvorsitzenden ab. Bis 2013 saß sie für die Bündnisgrünen im Bundestag, als Bürgermeisterkandidatin erreichte sie in Kleinmachnow vor Jahren mehr als 20 Prozent der Stimmen. An Energie und Leidenschaft hat es der gelernten Verkehrseisenbahnerin nie gefehlt. Das Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde sieht sie als Initialzündung für die Wiederbelebung des Dorfkerns. „Das wird einen Sog entfalten.“

Anfangs war die Skepsis in der mittlerweile 5500 Mitglieder umfassenden Kirchengemeinde groß. Es fiel schwer, die angestammte Kirche im Jägerstieg zu verlassen, gar für 750 000 Euro an die Kommune zu verkaufen. Auch das Pfarrhaus wurde veräußert – beide Geschäfte bildeten die Grundlage zur Finanzierung des neuen Kirchsaals. Landes- und Kreiskirche gewährten ein zusätzliches Darlehen, damit mit dem Bau begonnen werden konnte.

Der neue Kirchsaal ist verkehrstechnisch gut angebunden

400 Menschen können im neuen Saal Gottesdienste feiern, Platz ist außerdem für einen 100 Mitglieder starken Chor. „Der Ort ist gut zu erreichen“, sagt Behm. Mit dem Auto über den Zehlendorfer Damm, mit dem Bus quasi direkt vor die Haustür, weil eine Haltestelle verlegt werden soll. Alles wird „barrierefrei“ und damit auch für ältere Kirchgänger leichter zugänglich sein.

Cornelia Behm steht inzwischen vor einer Baugrube, die sich in Verlängerung des Neubaus in Richtung Alte Hakeburg befindet. Archäologen graben sich durch die Erde, Mauern und Fundamente sind freigelegt. „An dieser Stelle wird es einen öffentlichen Parkplatz geben“, sagt Behm. Zuvor sollen aber die historischen Überreste des ehemaligen Wirtschaftshauses gesichert werden. Es diente unter den Hakes möglicherweise einst auch als Zuckerfabrik, später saß dort ein Teil der Gemeindeverwaltung, wovon die Reste einer Rohrpostanlage Zeugnis ablegen. Mitglieder des Heimatvereins, die sich unter die Archäologen mischen, kommen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Nach Jahrzehnten des Schweigens gibt der alte Dorfkern seine Geheimnisse preis.

Eine Art göttliche Fügung hat der Kirchengemeinde nach der Wende zudem das alte Schulhaus durch Rückübertragung ins Säckel gespült. Das verwinkelte Häuschen liegt direkt gegenüber des neuen Saals jenseits des Zehlendorfer Damms. Es steht seit 2015 unter Denkmalschutz. In dem 1846 erbauten Gebäude fand bis 1938 der Unterricht statt, später wurden Wohnungen eingebaut. Wenn Cornelia Behm mit dem Schlüsselbund in der Hand durch die Räume eilt, ist sie ganz in ihrem Element. „Wir haben hier ein Begegnungscafé, die Flüchtlingshilfe und einen Mutter-Kind-Club untergebracht.“ Es geht treppauf und treppab, durch ehemalige Klassenräume, kleine Zimmerchen und die Küche. Dann öffnet sich eine Tür zum Garten. „Ist der nicht wunderschön?“

Um die Alte Schule in das Gesamtkonzept einzugliedern, hat sich die Stiftung „Kirche und Kultur im Alten Dorf“ gegründet. Sie wird das Haus für 250 000 Euro von der Kirchengemeinde erwerben – ein weiterer Baustein zur Finanzierung des Kirchsaals. Das Geld stammt ausschließlich aus Spenden. „Die Verhandlungen mit der Stiftung sind beinahe abgeschlossen“, sagt Behm. Im Mai soll der Verkauf über die Bühne gehen, dann soll auch ein Plan vorliegen, wie es mit dem Schulgebäude weitergehen wird. Doch schon jetzt ist klar, dass Kirchsaal, Schule und Garten eine Einheit bilden werden.

Die ersten Puzzleteile liegen also auf dem Tisch. Stück für Stück wächst das alte Dorf Kleinmachnow aus dem sumpfigen Grund der Bäkeniederung wieder hervor. Cornelia Behm steigt aufs Rad. Bevor sie entschwindet, wirft sie noch einmal einen prüfenden Blick auf die Baustelle. „Wichtig ist doch, dass das Alte Dorf wieder in die Gemeinde hereingeholt wird“, sagt sie. Und welche weiteren Phantasien beflügelt das Kirchenprojekt? Geht es auch um den Wiederaufbau des um 1800 errichteten Gillyschen Schlösschens – einst eines der bedeutendsten Herrenhäuser der Mark? Vielleicht als Sitz des so schmerzlich vermissten Heimatmuseums? „Wir werden sehen“, sagt Cornelia Behm und tritt kräftig in die Pedale. Jedem Anfang wohnt schließlich ein Zauber inne – und ein Versprechen für die Zukunft.

Bomben und Granaten zerstörten das Alte Dorf

Das Rittergut „Machenow“ wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1400 erwähnt. Schon damals existierte am Übergang der Bäke eine Burg.

Die Alte Hakeburg entstand dann um 1600. Aus dieser Zeit stammt auch die Wassermühle. Die Dorfkirche war bereits 1598 vollendet worden.

Das Herrenhaus ließ die Familie von Hake um 1800 von dem Baumeister David Gilly errichten – Mitbegründer der Berliner Bauakademie und Lehrer von Karl Friedrich Schinkel. Später kamen die Wirtschaftsgebäude hinzu, das Schulhaus wurde 1846 errichtet, der quer stehende Anbau entstand 1876.

Außerhalb des Guts lag außerdem die Schlossgärtnerei.

Der Zweite Weltkrieg brachte das Ende für den märkischen Adelssitz – Bomben und Granaten verursachten verheerende Zerstörungen.

Nur wenige Zeugnisse sind geblieben: die Wassermühle, die Dorfkirche, das Gutsportal, das alte Schulhaus, das Forsthaus und ein paar Landarbeiterhäuser.

Von Jürgen Stich

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