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Hilde und Hilde bringen es auf 204 Jahre

Stahnsdorf Hilde und Hilde bringen es auf 204 Jahre

Hildegard Hesener und Hildegard Wendlandt haben einiges gemeinsam: Sie leben im selben Betreuten Wohnen in Stahnsdorf, hatten denselben Beruf und haben denselben Vornamen. In diesen Tagen konnten beide ihren 102. Geburtstag feiern. Nur in ihrer Mentalität unterscheiden sich die beiden hochbetagten Seniorinnen doch etwas.

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Hildegard Hesener (l.) und Hildegard Wendlandt (r.) fühlen sich von Pflegedienstmitarbeiterin Sina Kruse (M.) gut umsorgt.

Quelle: H. Helwig

Stahnsdorf. Sie wohnen beide auf dem selben Flur, feierten jetzt beide ihren 102. Geburtstag, hatten früher den gleichen Beruf und tragen beide den gleichen Vornamen: Hildegard Hesener und Hildegard Wendlandt sind Stahnsdorfs älteste Einwohnerinnen. Das alles wäre Anlass genug für eine Riesenparty im Betreuten Wohnen des Allegra Ambulanten Pflegedienstes in Stahnsdorf gewesen. Doch das „doppelte Hildchen“ hat nicht die gleiche Mentalität. Während Hildegard Hesener eher ein lustiger Typ ist, mit dem Rollator im Haus herumfährt und sich gern mit anderen Bewohnern unterhält, lebt Hildegard Wendlandt eher still und zurückgezogen in ihrem Zimmer und freut sich, wenn ihre Familie mit den vier Urenkeln sie regelmäßig besucht. „Ich vertrage soviel Aufregung nicht mehr.“ Das klingt fast wie eine Entschuldigung.

Dabei war die frühere Fleisch- und Gemüseverkäuferin der DDR-Handelsgenossenschaft Konsum ihr Leben lang von Menschen umgeben. 1961 verschlug es die gebürtige Prenzlauerin nach Stahnsdorf, nachdem sie zuvor schon im heutigen Ortsteil Sputendorf gewohnt hatte. Erst vor anderthalb Jahren gab sie ihre Wohnung auf und ging ins Betreute Wohnen „Haus Sonneneck“, eine der drei Einrichtungen des Pflegedienstes. Ein „Geheimrezept“ für ihr hohes Alter hat Hildegard Wendlandt nicht. „Ich habe immer ganz normal gelebt“, beteuert sie.

Noch heute ist ihre Vorliebe und ihr Gespür für elegante Mode nicht zu übersehen, lobt Pflegedienstmitarbeiterin Sina Kruse. Hildegard Wendlandt achtet immer darauf, dass Garderobe und Schmuck zueinander passen und dass das graue Haar ein wenig bläulich-violett schimmert. Am liebsten strickt die 102-Jährige Wollsocken, Schals und manchmal auch einen Pullover. Dass die Sonntagseier im „Haus Soneneck“ nicht so schnell erkalten, haben die Bewohner Hildegards handgemachten Eierwärmern zu verdanken. „Man muss doch was für seinen Kopf tun. Das Stricken ist dafür ganz gut“, versichert die hochbetagte Dame. Ab und zu sieht sie noch fern. „Doch ich bekomme nicht mehr alles mit.“

Auch Hildegard Hesener war einmal Verkäuferin und arbeitete vor dem letzten Weltkrieg in einem Kindermodengeschäft in der Potsdamer Charlottenstraße. Später verkaufte sie Kunstartikel im „Dürer-Haus“ in der Klement-Gottwald-Straße, der heutigen Brandenburger Straße. „Da wurde auch schon mal ein Kilo Bananen gegen eine schöne Vase eingetauscht“, erinnert sich der jüngere Sohn Manfred. Mit seinem fünf Jahre älteren Bruder stellte er damals Kupfertreibarbeiten her, die die Mutter im Geschäft anbot.

Hildegard Hesener verdankt ihr langes Leben dem Handballsport, dem Gesang und der Harmonie mit ihrem Mann Karlheinz, sagt sie. Selbst nachdem er sie im vorigen Jahr für immer verließ, hat sie ihren Lebensmut nicht aufgegeben. „Am Wochenende kommt der Arzt aus Fahrland, und dann wird wieder gemeinsam gesungen.“ Darauf freut sich Hildegard Hesener schon jetzt am meisten. Als Kind hat sie im Chor besonders gern das „Ave Maria“ gesungen. Der christliche Glauben bedeutet ihr sehr viel.

Nur dass ihre Augen immer mehr nachlassen, betrübt die alte Dame sehr. „Ich sehe die Bilder nicht mehr, ich sehe die Bilder nicht mehr“, sagt sie immer wieder traurig nach dem Fototermin.

Die „jüngsten“ Bewohner sind älter als 70 Jahre

Die „jüngsten“ Bewohner im „Haus Sonneneck“ sind älter als 70 Jahre.

Einmal in der Woche bietet der Pflegedienst eine gemeinsame Beschäftigung an. Dann wird gekocht, gebacken oder es werden Porzellantassen bemalt.

Die Mahlzeiten im Haus „Sonneneck“ werden zu festgelegten Zeiten eingenommen. Der Wunsch kam von den Bewohnern selbst, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Im „Haus Sonneneck“ bietet der Allegra Ambulante Pflegedienst 13 Pflegeplätze an.

Die „Sonnenresidenz“ – ein ehemaliges Bürogebäude – wurde nach einem Umbau mit zwölf Plätzen eröffnet.

Der „Sonnenblick“ in der Ruhlsdorfer Straße 85 wurde im Frühjahr 2015 übernommen und konzentriert sich auf sozial schwache Pflegebedürftige.

Von Heinz Helwig

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