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„Das hätte ich mir allein nie leisten können“

Kleinkunstwerk in Bad Belzig „Das hätte ich mir allein nie leisten können“

Das Kleinkunstwerk in Bad Belzig startet in die fünfte Spielsaison. Das Programm hat der Verein Kunst im Mühlenhölzchen stark hochgefahren. Grund dafür sind Baumaßnahmen, die durch EU-Mittel gefördert wurden. Während man in dem Kulturquartier den Veranstaltungen entgegenfiebert, gibt es aber auch einen Aspekt, der traurig stimmt.

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Ein hoher Sitz für die Kultur: Gerlinde Kempendorff-Hoene freut sich auf die neue Saison. Im großen Veranstaltungssaal gibt es jetzt einen Kaminofen.

Quelle: Christin Iffert

Bad Belzig. Gerlinde Kempendorff-Hoene ist glücklich. Die große, schlanke Frau blickt von unten hinauf an die Fassade des von ihr gegründeten Kleinkunstwerkes (KKW) „Mühlenhölzchen“ in Bad Belzig. Sie strahlt beinahe so wie die frisch verputzen und hell gestrichenen Außenwände. „Das hätte ich mir allein nie leisten können“, sagt sie. Mit EU-Fördermitteln wurde ihr die Investition mit einem Eigenanteil nun ermöglicht.

Das Kleinkunstwerk hat von der Lokalen Aktionsgruppe Fläming-Havel erstmals Mittel aus dem Fördertopf erhalten. Leader heißt das Programm, das für die Entwicklung des ländlichen Raumes von der EU-Kommission ins Leben gerufen wurde.

Die Außenfassade am Kleinkunstwerk erstrahlt in neuem Glanz

Die Außenfassade am Kleinkunstwerk erstrahlt in neuem Glanz. Gerlinde Kempendorff-Hoene ist glücklich darüber.

Quelle: Christin Iffert

Insgesamt wurden die Baumaßnahmen am Kleinkunstwerk in der aktuellen Förderphase, die dem Verein Kultur im Mühlenhölzchen 2016 bewilligt wurde, mit rund 30000 Euro gefördert. Zur Fassade kamen auch das Fliesen im Flur hin zum Sanitärtrakt und die Installation eines Kaminofens im großen Veranstaltungssaal, in dem sich bekannte Künstler die Klinke in die Hand geben.

Dank des Kaminofens kann deutlich länger gespielt werden

Wichtig ist Kempendorff-Hoene der barrierefreie Zugang zu allen Sanitärbereichen im Mühlenhölzchen, gab es doch zuvor mit einer Kante zwischen Foyer und Toiletten eine Stolperfalle. Die alten Fliesen waren sowieso hin. Überall fanden sich Löcher, der Beton kam bereits hoch. Und dann war da der Dreck: „Den Schrubber hätte ich ganztags ansetzen können.“

Der Kaminofen im Veranstaltungssaal sorgt für eine Neuerung im Programm. Gab es vorher um die zehn Veranstaltungen im Jahr, können in dieser Konzertsaison sogar 17 Veranstaltungen stattfinden. Die Spielzeit wurde wegen der Heizmöglichkeit bis Dezember verlängert. Um eine Zwangspause kommt der Verein, in dem Gerlinde Kempendorff-Hoene den Vorsitz hat, allerdings nicht drum herum. „Wir pausieren anschließend bis zum März, um die Toiletten vom Netz zu nehmen“, sagt sie. Die bekomme man nämlich schlichtweg nicht geheizt.

Die Fliesen im Flur sind neu

Die Fliesen im Flur sind neu. Sie ermöglichen einen barrierefreien Zugang zu allen Sanitärbereichen.

Quelle: Christin Iffert

Die Spielzeit im Kulturquartier geht inzwischen in das fünfte Jahr. Das sei schon ein kleines Jubiläum, meint die 62-Jährige, die sich mit dem Kleinkunstwerk einen Lebenstraum erfüllt hat. Grundsätzlich ist der Eintritt kostenfrei. „Jedem soll der Zugang zur Kunst ermöglicht werden.“ Kempendorff-Hoene hofft allerdings auf Spenden, fair sei ein Beitrag von sechs bis zehn Euro. Die Künstler kämen nicht umsonst. Viele Angebote seien nur möglich, weil sie Kontakte in der Szene pflegt und einstweilen die Fäden richtig zieht. Manchmal landet in der Spendenbox lediglich ein symbolischer Euro. „Das stimmt uns manchmal etwas traurig“, erklärt sie.

Kleinkunst 2017 in Bad Belzig

Die Jazzlegenden der DDR , Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky kommen mit „Tourneeskizzen“ am Freitag, den 7. Juli um 19.30 Uhr ins Kleinkunstwerk und eröffnen den ersten Bad Belziger Kunstbummel

„Clappe, das ist Kunst“: Comedy der Gewinner des Komischen Festivals Bachstelze gibt es am 9. Juli um 16 Uhr von Archie Clapp und am 13. August um 16 Uhr von Lina Lärche, die fragt: „Kann ein Riegel Sünde sein?“

Zum Altstadtfest findet vom 25.– 27. August die Bad Belziger Bachstelze statt. Es ist ein komisches Festival mit Kabarettisten, Satirikern und Comedians, die um die Gunst des Publikums buhlen und die „Belziger Bachstelze“ gewinnen wollen. Außerdem wird ein Ehrenpreis vergeben.

Thea Herold ist Schlaf- und Pausenforscherin an der Schlafakademie der Charité in Berlin. Sie hält am 8. Oktober um 16 Uhr einen Vortrag zum Thema „Avision – von der Kunst, gut zu schlafen“.

Mehr zum Programm unter www.kleinkunstwerk-belzig.de

Euphorie macht sich bei der Künstlerin breit, wenn sie über die anstehende Spielsaison spricht. Comedy, Kabarett, Liedermacher – das Programm ist vielseitig. Der Verein setzt auch auf Themen, die weggehen vom „Singen, Tanzen und Springen“. So gibt es einen Vortrag oder auch ein Theaterstück, das erstmals einen Höhepunkt abseits der Kleinkunst bietet. Shakespeares „Der Sturm“ wird am 8. Juli vom Integrationstheater der Universität Potsdam von Studenten und Geflüchteten aufgeführt. Es ist eine Herzensangelegenheit von Gerlinde Kempendorff-Hoene, weil es wichtig sei, Flagge zu zeigen.

Eine Herzensangelegenheit ist auch das Komische Festival, die Bad Belziger Bachstelze. Der große Traum sei es, dass das Kleinkunstfestival irgendwann so berühmt wird, dass sich die Stadt als Kabarettort etabliert. „Bestenfalls suchen wir dann nicht mehr nach Künstlern, sondern sie bewerben sich bei uns.“ In der aktuellen Spielzeit ist das inzwischen schon der Fall, der Standort hat sich in der Kunstszene etabliert. Bleibt zu hoffen, dass das Dach im Mühlenhölzchen durchhält. Denn 350 Quadratmeter Fläche sind finanziell vorerst noch nicht drin.

Von Christin Iffert

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