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Das kleinste Museum Brandenburgs

Zu Hause in... Nudow Das kleinste Museum Brandenburgs

Im Mini-Museum in Nudow stehen die Gäste nicht Schlange – schade, denn die Ausstellung im alten Spritzenhaus der Feuerwehr eröffnet kuriose Einblicke in die Dorfgeschichte. Oder wissen Sie, was eine Waschmaschine und ein Butterfass verbindet? Und wie wild der Herrentag in den 50ern gefeiert wurde?

Nudow, nudower Dorfstraße 39 52.3282891 13.1655422
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Detlef Nickel, Kerrin und Joris Hamann (v.l.) haben das Mini-Museum „Nudow-seh-um“ mit begründet.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Nudow. Die Frauen tragen Kopftücher, die Männer Schiebermütze. Sie haben die Arbeitsgeräte beiseite gelegt und es sich für einen Moment gemütlich gemacht auf der Decke, die sie am Feldrand ausgebreitet und mit einem Weidenkorb, mit Tellern und Flaschen garniert haben. „Pause bei der Kartoffelernte um 1930“ ist unter dem Bild zu lesen. Doch so anheimelnd die Szene auch ist: Die Mühsal der Feldarbeit steht den Menschen ins Gesicht geschrieben.

Pause bei der Kartoffelernte um 1930

Pause bei der Kartoffelernte um 1930: Das Foto ist nur eines, das im Mini-Museum aus der Nudower Dorfgeschichte erzählt.

Quelle: Bernd Gartenschläger (Repro)

Dieses Foto, ganz und gar in Sepia getränkt, ist Kerrin Hamann (53) das liebste, das im „Nudow-seh-um“, dem wohl kleinsten Museum Brandenburgs, zu bestaunen ist. Kerrin Hamann hat das Mini-Museum mit aufgebaut. Nun steht sie mit Ehemann Joris (53) – das Paar zog vor 18 Jahren von Potsdam aufs Dorf – und mit Mitverschwörer Detlef Nickel (63) in dem schmalen Gemäuer, das einst das Spritzenhaus der Feuerwehr und zuletzt die Rumpelkammer des Dorfes war, und sieht sich wehmütig um. Wenn so ein Werk vollbracht ist und die Leere kommt, was tut man da?

Die Ausstellungsstücke sind mit Bedacht gewählt

Die Wände sind weiß gestrichen, die Decke mit Holz verkleidet. Hinter den Flügeln des robusten Holztores gibt eine Glastür den Blick in den Raum frei. Die Ausstellungsstücke sind mit Bedacht gewählt: ein Dreschflegel und eine Schweinemolle, ein Nudelholz und ein paar Bügelflaschen, Wäsche und Spielzeug, eine Schulbank und ein Butterfass, das viele schon zur Waschmaschine Marke Eigenbau erklärten. Nichts ist zu viel hier im Mini-Museum und nichts fehlt – außer den Besuchern vielleicht. Das ist schade, denn die kleine Ausstellung birgt kuriose Details. Man nehme nur eine der Lupen und betrachte in Ruhe die Hochzeitsbilder, die zu Urgroßvaters Zeiten geschossen wurden! Stille Bräute, kokette Tanten, zahnlose Großmütter. Und erst die Bilder vom Herrentag in den 50ern – alter Vater! Einschulungen gestern und heute, die alte Mühle, Erntedank und Kinderfest, der Dorfschmied und der Bau des Berliner Grabens. Nudow in allen Facetten.

Butterfass

Butterfass? Trommelwaschmaschine? Was sich hinter dem Gerät Marke Eigenbau verbirgt, ist im Nudow-seh-um zu erfahren.

Quelle: Bernd Gartenschläger

All diese Fotografien hat Kerrin Hamann zusammengetragen, als es darum ging, 650 Jahre Nudower Dorfgeschichte Revue passieren zu lassen. 2009 war das und Nudow erlebte eine ganze Woche wie im Rausch: mit Festumzug, Tanz und Musik, mit Besuch von nah und fern. „Dieses Fest“, sagt Detlef Nickel, „war fantastisch.“ Es habe einfach alles gepasst. „Man sagt, das Dorf hat gestrahlt“, ergänzt Kerrin Hamann. „Es hat uns alle noch ein bisschen mehr zusammengeschweißt.“

Stille Bräute, kokette Tanten

Stille Bräute, kokette Tanten: Eine Hochzeitsgesellschaft in Nudow zu Großvaters Zeiten.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Zum Großereignis im kleinen Nudow gehörte damals auch eine üppige Schau in der alten Schule. Die Nudower hatten ihre Dachböden, Schuppen und Speicher durchstöbert und kistenweise herbeigeschleppt, was über Jahrzehnte hinweg den Alltag im Dorf bestimmte. Kerrin Hamann hat gemeinsam mit Monika Fürstenberg, die nun die Dorfchronik führt, die Geschichte des Dorfes und einige Dorfgeschichten aufgeschrieben, auf Banner drucken und diese in der Ausstellung aufhängen lassen.

Zu schön, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden

Als nach dem Fest alles abgeräumt und die Requisiten der Nudower Historie wieder auf Speichern und in Schuppen verstaut waren, mottete Kerrin Hamann auch die Banner ein – wohlwissend, dass sie viel zu schön sind, um auf Nimmerwiedesehen zu verschwinden. Dieser Moment gilt als Geburtsstunde des Nudow-seh-ums, das 300 freiwillige Arbeitsstunden später eröffnen konnte. Zu besuchen ist das Mini-Museum übrigens immer dann, wenn die Dorfgaststätte (das Bauernfrühstück ist zu empfehlen) geöffnet hat: Freitag bis Sonntag. Den Schlüssel gibt’s an der Theke.

Von Nadine Fabian

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