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Das kühle Blonde aus Brandenburg

Internationaler Tag des Bieres Das kühle Blonde aus Brandenburg

Es ist der internationale Tag des Bieres. Im Kampf mit den großen Konzernen mischen auch regionale Gebräue mit. Norbert Eggenstein aus dem Fläming braut zum Beispiel jeden Sommer ein spezielles Weizenbier, das gut nachgefragt ist. Auch andere Biere aus Brandenburg sind beliebt. Doch einfach ist der Verkauf während der Sommermonate nicht.

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Walter und Astrid Höhne, Getränkehandel Höhne.

Quelle: Melanie Höhn

Bad Belzig. Im Vergleich zu den vielen internationalen Bieren kann sich das Burgbräu von Norbert Eggenstein sehen lassen: Es ist naturbelassen, unfiltriert und reich an Nährstoffen. „Dadurch ist es ernährungsphysiologisch hochwertiger, enthält Spurenelemente, Mineralien und Aminosäuren“, erklärt er. Sein Sommerbier, ein Weizen, wurde in den letzten Monaten gut nachgefragt. Einmal im Jahr wird es gebraut, gerade hat er das letzte Fass davon verkauft. „Das ist als Spezialität für uns entwickelt worden. Ich möchte Abwechslung in den Bieralltag bringen, es gilt, den Nerv der Region zu treffen“, sagt Eggenstein. In seinem Burgbräuhaus am Fuße der Burg Eisenhardt sind die Sommermonate biertechnisch stärker nachgefragt als die Wintermonate.

Biervarianten beliebt

Auch sein Kirschbier ist bei lokalen Festen immer wieder beliebt. Zur Zeit wir ein Spezial-Helles mit stärkerem Hopfen gebraut, das ab Ende August erhältlich ist. Neben den Bieren der Saison ist sein Burgbräu Spezial, bernsteinfarben, vollmundig im Geschmack, mit neutraler Hefe und untergärig gebraut, sehr populär. „Frauen trinken es gerne, weil es eher lieblich ist und der Hopfen nicht zu dominant.“ Eggenstein weiß, dass der deutsche Biertrinker diese Art von Bier bevorzugt.

Doch was ist das Geheimnis eines guten Bieres? „Beim Bierbrauen gibt es viele Stellschrauben, die die Qualität beeinflussen“, erzählt Eggenstein. Vor allem die Technik: Temperaturen, Zeit, Malzrezeptur oder Hefe nehmen Einfluss auf das Endprodukt. „Mit den reinen Rohstoffen ist es nicht getan. Anderes Wasser, andere Technik und andere Malzlieferanten können bei gleicher Rezeptur ein anderes Bier erzeugen.“

Für Eggenstein ist Malz die entscheidende Zutat, davon hängt alles ab: Farbe, Geschmack und Qualität des Bieres. Es ist am sensibelsten und unterscheidet sich von Jahr zu Jahr, die Landwirte sind dabei abhängig vom Klima. Ob das Klima allerdings auch etwas damit zutun hat, dass im Norden eher stärkere und im Süden eher leichtere Biere gebraut werden, ist sich Eggenstein nicht sicher. „In Ostfriesland wird stärker gehopft, von Nord nach Süd nimmt es immer stärker ab“, weiß er. „Vielleicht ist die Luft dort oben salzhaltiger.“

Erst muss getestet werden

Der Unternehmer macht sich auch Gedanken um die weiteren Verwendungsmöglichkeiten von Malz. Zusammen mit Sascha Rohn, dem Vorsitzenden des Instituts für Lebensmittel- und Umweltforschung (ILU), setzt er sich mit diesem Thema auseinander. Bevor die Industrie ein bestimmtes Produkt, das mit Malz angereichert ist, verkauft, muss es getestet werden. Ein Reagenzglas reicht dafür nicht aus. Da kommt dann Norbert Eggenstein ins Spiel, denn er hat die Kapazitäten, um von einem Getränk 1000 Liter zu brauen. „Wir wollen weg von synthetischen Stoffen in der Lebensmittelindustrie. Malz wurde als Zuckerersatz bisher eher stiefmütterlich betrachtet“, sagt Rohn.

Für den Getränkehandel Höhne, der zum größten Teil Gaststätten und einzelne Betriebe beliefert, ist der Bierverkauf eher schwieriger: Jetzt in den Sommerferien, wenn viele Familien verreist sind, geht die Nachfrage zurück. „In Berlin sind die Biergärten voll, aber hier fehlt einfach die Kundschaft, die jungen Leute. Und wir haben hier keine Urlaubsregion,“ sagt Astrid Höhne. Sie macht sich Sorgen um die Gastronomie im Fläming: Ausschlaggebend wird für ihren Getränkehandel sein, wie sich die Gaststättenbranche in Zukunft entwickelt. „Es ist eine Frage der Zeit, bis die klassische Ausflugsgastronomie auf den Dörfern ausstirbt, denn viele junge Leute ziehen weg. Damit stirbt auch ein Stück Kultur, ein Ort der Kommunikation, wo man soziale Kontakte zu knüpfen kann.“ Von zehn Gaststätten zu DDR-Zeiten sind in Niemegk nur noch zwei übrig geblieben.

Nachfrage aus Berlin ist da

Trotzdem ist ihr Fläminger Bier sehr beliebt, am umsatzstärksten ist die Spargelzeit. Doch auch auf Familienfesten und Feiern wird ihr Bier gerne getrunken. Ihr Radler hat in den letzten Jahren auch unter Männern immer mehr Fans gefunden. Aber auch die rote und grüne Fassbrause, Säfte aus heimischen Früchten oder der Holunder-Fruchtaufstrich ist im Fläming geschätzt. Ihre Biere lässt die Familie nach einem alten Wiesenburger Braurezept und mit eigens angebauter Gerste in Luckenwalde und Hartmannsdorf brauen. Gleichbleibende Qualität ist ihnen wichtig, aber auch Regionalität und Nachhaltigkeit, um Bewohner zu binden und Arbeitsplätze in der Landwirtschaft für unseren Gerstenanbau zu sichern.

„Die Nachfrage, vor allem aus Berlin, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben unsere Biere auch schon per Post verschickt“, freut sich Astrid Höhne. „Unsere Arbeit ist zeit- und arbeitsintensiv, aber es macht Spaß und man sieht, wie sich das Produkt über die Jahre entwickelt. Unser Bier reift lange und kann dabei bestimmte Stoffe freisetzen, das ist gut für die Entfaltung des eigentlichen Geschmacks. In einer Blindverkostung würden wir immer standhalten.“

Von Melanie Höhn

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