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Potsdam-Mittelmark „Dear Readers“ drehen Clip für neues Album
Lokales Potsdam-Mittelmark „Dear Readers“ drehen Clip für neues Album
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18:21 10.11.2016
Im alten Kieswerk bei Linthe dreht die Indiepop-Band „Dear Readers“ ein Musik-Video für ihr neues Album. Quelle: Andreas Koska
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Linthe

Die Landschaft südlich von Linthe erinnert Annikki Heinemann an eine unwirtliche Marsoberfläche. „Genau sowas haben wir gesucht“, sagt sie angesichts der Linther Kiesgruben. Dort leitet sie am Donnerstag die Dreharbeiten für ein Musikvideo der bei Fans bekannten Indiepop-Band „Dear Readers“. „Leider ist das Wetter zu schön“, sagt die Regisseurin, als die Sonne hinter den Wolken hervorlugt. „Ich hätte gerne eine düstere Atmosphäre gehabt und vielleicht sogar den angesagten Schnee “, sagt Heinemann.

Die vier Sängerinnen der Band sehen das wohl anders. Olga Nosova stammt aus Russland. Die Schlagzeugerin ist für die Filmarbeiten als weiße Hexe verkleidet in leichtes Tüll gekleidet und friert daher bei nur drei Grad Celsius Außentemperatur.

Beim Dreh in Linthe. Quelle: ako

Der Dreh, der am Donnerstagmorgen begann, dauert den ganzen Tag. „Der Song hat drei Minuten, so lang wird auch der Musikclip“, erläutert Heinemann. Über den Termin in Linthe hinaus ist ein weiterer halber Drehtag eingeplant. Allerdings in Innenräumen.

Während Max Andereya, ein Student der Filmhochschule Babelsberg, die Kamera geschultert hat, dirigiert die Regisseurin auch die Musikerinnen. „Du legst dich hier hin, ihr müsst Euch drum herum stellen, die zweite Kamera von der Seite und Du drehst von oben“, schmettert die 34-jährige ihrer klaren Anweisungen dem Team und den Musikerinnen entgegen.

Band und Filmteam bekannt

Die Band „Dear Readers“ wurde 2006 in Südafrika von Frontfrau Cherilyn McNeil gegründet.

Bisher veröffentlichte die Indiepop-Band vier Alben. 2006 erscheint „The Younger“, drei Jahre später „Replace why with Funny“, 2011 „Idealistic Animals“ und schließlich 2013 „Rivonia“.

Die Regisseurinnen Annikki Heinemann und Anna Piltz von der Filmfirma Oddiseefilms sind auf Dokumentarfilme spezialisiert. Sie erhielten den Sonderpreis Kultur des Grimme-Preises 2015.

Zu ihren Kunden zählen auch viele Unternehmen. Bekannt geworden sind sie mit kleinen Porträts von Außenseitern, die sie selbst veröffentlichten.

Den Plot gibt der Liedtext vor: Ein junger Mann stirbt und wird von vier mystischen Gestalten ins Jenseits begleitet. Es ist eines von elf Stücken auf dem gerade produzierten Album „Day fever“. Es wird am 24.Februar erscheinen. „Es ist unser viertes Album“, sagt Cherilyn McNeil. Die Südafrikanerin ist der Kopf der Band und die einzige Konstante der seit zehn Jahren bestehenden Gruppe. Für das neue Album hat sie in Berlin wohnende Musikerinnen um sich versammelt und die Band neu zusammengestellt. Die Cellistin Stella kommt aus Italien, Eveline, die Synthesizer spielt, stammt aus New York. Gemeinsam haben sie eines: Sie leben alle in der Bundeshauptstadt.

Szene vom Videodreh am Strand. Quelle: ako

„Musikvideos zu drehen, ist reines Vergnügen“, sagt Annikki Heinemann lachend. Ihre Brötchen verdient sie mit Dokumentar- und Werbefilmen. Viele Automarken aber auch Fernsehsender gehören zur Kundschaft der Produktionsfirma „Oddiseefilms“, der Grimme-Preisträgerin 2015. Nach Linthe ist sie mit einem großen Team angereist. Kameraleute und Assistenten, Regie und Assistenz, Schminke und Ausstattung – alles drängte sich vor dem Drehbeginn im Partykeller von Sandro Schröter. Der Linther Bauunternehmer hat den Teil seines Hauses am Rande der alten Kiesgrube für die Band zur Verfügung gestellt.

Dort ist es warm und wohlig, am alten Kieswerk gegenüber des Sees indes kalt und feucht. Regieassistentin Zoe Schmidt ist mit dem Klein-Bus pausenlos dabei, zwischen Drehort und Haus zu pendeln. Requisiten sind zu holen, dieses und jenes zu erledigen. Wenn es auch nur um die Reparatur der überlangen, aus Holz gebastelten Fingernägel geht. Hektik herrscht am Set. Denn alles muss bis zum Abend im Kasten sein. „Jetzt muss nur noch die Sonne verschwinden“, wünscht sich Annikki Heinemann.

Von Andreas Koska

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