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Decembersongs treffen auf Schuberts Winterreise

Kleinmachnow Decembersongs treffen auf Schuberts Winterreise

Der Bariton von der Staatsoper Berlin, Timothy Sharp, und die Sängerin Christiane Heinke bestreiten am 4. Dezember das Abschlusskonzert in der 2016 gestarteten Klassik-Matinee-Reihe im Kultraum Kleinmachnow.

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Winter und Depressionen passen nicht immer zusammen. Auch in der Musik gehen Menschen im Kummer verschiedene Wege.

Quelle: privat

Kleinmachnow. Das Jahr neigt sich langsam dem Ende und auch die erst im Frühjahr gestartete Reihe „Klassikraum – Matinee am Sonntag“ beschließt am 4. Dezember ab 11 Uhr ihre erste Saison. Und das mit einem besonderen Höhepunkt: Schuberts berühmte „Winterreise“ – melancholisch bis düster – trifft auf die lebensbejahenden, eher swingend und im Musicalrhythmus geschriebenen „Decembersongs“ von Maury Yeston. Schon ein bisschen experimentell. Für den Schubert-Part hat der Kultraum-Verein Timothy Sharp gewonnen. Mit den Songs steht Kultraum-Chefin, Sängerin und Gesangspädagogin Christiane Heinke mal wieder selbst auf der Kleinmachnower Bühne.

„Ich freue mich sehr, dass ich im Rahmen unserer wunderbaren Klassik-Matinee-Reihe ein wirklich tolles Programm präsentieren darf. Timothy Sharp ist, wie ich, Sohn einer Sängerin und ein hervorragender Bariton und begnadeter Liedsänger“, schwärmt Heinke. Der Wahlberliner, der seit kurzem eine Professur für Gesang innehat, singt zur Zeit als Gast an der Staatsoper Berlin. Er hat mehrere CDs veröffentlicht und sich besonders dem Liedschaffen von Richard Strauss gewidmet. Mit der „Winterreise“ von Franz Schubert bringt Sharp einen „echten Klassiker und ein absolutes Highlight der Liedliteratur zu uns nach Kleinmachnow“, so Heinke, die mit der Klassik-Reihe ihr eigenes „Ideen-Baby“ gut zum Laufen gebracht hat. Mit den aus 24 Liedern bestehenden Zyklus der Romantik gelang Schubert die Darstellung des existenziellen Schmerzes eines Menschen. Im Verlauf des Zyklus wird der Hörer immer mehr zum Begleiter des Wanderers, der zentralen Figur der Winterreise. Dieser zieht nach einem Liebeserlebnis aus eigener Entscheidung ohne Ziel und Hoffnung hinaus in die Winternacht. Die Depression siegt. Während die ersten 12 Lieder „heller sind“, gehe es später „düster bergab“, beschreibt Heinke.

Bariton Timothy Sharp und Kultraum-Chefin, Sängerin und Gesangspädagogin Christiane Heinke, bestreiten das Klassik-Konzert am 4

Bariton Timothy Sharp und Kultraum-Chefin, Sängerin und Gesangspädagogin Christiane Heinke, bestreiten das Klassik-Konzert am 4. Dezember.

Quelle: Promo, Barbara Ködel

Ihr Part dagegen wird heiterer und beschert der Matinee am Sonntag einen leichteren Auftakt. Die Decembersongs gehören zu den Lieblingssongs der Künstlerin und sind fester Bestandteil ihres Repertoires. Sie hatte vor vielen Jahren am Theater des Westens unter der Regie von Helmut Baumann in dem Musical „Nine“ von Maury Yeston mitgespielt. Da habe ihr der Komponist Yeston „persönlich die Noten in die Hand gegeben mit der herzlichen Aufforderung, den Zyklus bekannter zu machen“, berichtet die Sängerin. Die Decembersongs sind zum 100-jährigen Bestehen der Carnegie Hall 1991 entstanden. Sie erzählen in magischer und berührender Weise in Anlehnung an die Winterreise von Schubert die Geschichte einer Frau, die nach einer zerbrochenen Liebe durch eine Winterlandschaft geht und versucht ihr Leben neu zu ordnen. Sie wandelt traurig durch New York. Sie erinnert sich, wird wütend, träumt und überwindet ihren Liebeskummer schließlich.

Das Publikum erlebt im ersten Teil der Matinee die Decembersongs und die ersten 12 Schubert-Lieder. Dann darf bei der obligatorischen selbst gebackenen Quiche pausiert werden. Timothy Sharp folgt mit seinem zweiten Teil und entlässt die Zuhörer in den Advent-Sonntag zu Besinnung und Einkehr.

Beide Sänger werden übrigens von eigenen Pianisten am weißen Flügel begleitet: Verena Louis (Winterreise) und Nicolas Bajorat (Decembersongs). Anders als bei den drei anderen Matineen dauert das letzte 2016er Konzert fast zwei Stunden. Aber Christiane Heinke ist sich sicher, dass es ein „toller Abschluss“ der Klassik-Reihe wird. Ihre Etablierung scheint geglückt.

Kultraum und Kunstverein Brücke im Landarbeiterhaus

„Kultraum“ gibt es seit 2009. Seine Mitglieder wollen Kultur nach Kleinmachnow holen. Begonnen wurde mit einer Bühne in einem Einfamilienhaus. Die Gäste saßen in mehreren Räumen, die Bühne stand im Wohnzimmer.

Seit Ende 2013 bespielt der Kultraum das behutsam sanierte einstige Landarbeiterhaus am Zehlendorfer Damm 200 gemeinsam mit seinem Partnerverein, dem Kunstverein Brücke Kleinmachnow.

Von Claudia Krause

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