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Potsdam-Mittelmark Bürgermeister beschossen: Böllermann muss ins Gefängnis
Lokales Potsdam-Mittelmark Bürgermeister beschossen: Böllermann muss ins Gefängnis
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16:56 13.02.2019
Unmittelbar nach der Verhandlung holt die Polizei den Verurteilten Christian N. am Amtsgericht ab und bringt ihn in die Justizvollzugsanstalt. Quelle: Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H

Zwei Polizisten und ihr Transportwagen stehen bereit vor dem Amtsgericht Brandenburg an der Havel. Sie warten darauf, dass der Prozess gegen Christian N. (40) endet, den Mann, der in der Neujahrsnacht 2018 in Treuenbrietzen mit Silvesterraketen auf Menschen geschossen und einige verletzt hat. Weil schon wegen anderer Straftaten ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt, wird er zur Fahrt direkt ins Gefängnis abgeholt.

Zum Jahreswechsel 2017/18 hatte sich der kahlköpfige Mann im schwarzen Pullover mit seinen Feuerwerkskörpern gegenüber von dem Lokal Ja Mas im Zentrum von Treuenbrietzen postiert. Die Kapuze hat er über den Kopf gezogen.

Die Gäste, die vor dem Lokal stehen, haben ihre Raketen schon längst gen Himmel befördert, als Christian N. loslegt. Seine Raketenbatterie liegt schräg auf dem Boden, die Feuerwerkskörper sind auf die Menschenmenge vor dem griechischen Restaurant gerichtet. Er feuert sie ab, zielgerichtet auf die feierfreudigen Menschen, wie mehrere Zeugen berichten. Von deren Protest lässt er sich nicht abhalten.

Wie ein Tiger im Käfig

„Wie ein Tiger im Käfig ist er umhergelaufen“, berichtet als Zeugin vor Gericht Anja Schmollack (37), CDU-Fraktionschefin in Treuenbrietzen und Mitglied im Landesvorstand ihrer Partei. Die Kommunalpolitikerin wird am Dekolleté getroffen von einem Geschoss des Mannes in Schwarz.

Anja Schmollack erleidet eine Verbrennung zweiten Grades in der Brustgegend, die ihr noch drei Monate lang Schmerzen bereiten werden. Ein 18 Jahre alter Schüler in ihrer Nähe wird ebenfalls am Brustkorb getroffen, ein blauer Fleck zeigt den Treffer an.

Christian N. hält dennoch nicht inne. Er richtet seine Feuerwerkskörper wenig später auf einen Straßenbauer (24), der mit seiner Freundin und Verwandten auf das neue Jahr anstößt. Ihn verletzt er zum Glück nicht, schießt mit einem zielgerichteten Treffer jedoch Brandlöcher in dessen Jacke.

Der Bürgermeister schreitet ein

Treuenbrietzen Bürgermeister Michael Knape (49) hat mit seinem Ordnungsamtsleiter Ralf Gronemeier (58) das Geschehen vom Rathausturm aus beobachtet. Beide eilen nach unten, um den Finsterling zur Räson zu bringen. Lautstark fordert er den Schützen auf, aufzuhören, auch wegen der Kinder.

Der Angeklagte ist keineswegs einsichtig. Ungehörig beleidigt er den Bürgermeister, den er offenbar kennt. Christian N. greift sich eine Rakete und will sie gegen die beiden Stadtverwalter abfeuern. Daran hindert ihn nur sein Feuerzeug, das in diesem Moment nicht funktioniert.

Der 40-Jährige zieht sich zurück, doch nur scheinbar. Er kommt zurück und feuert nun aus 15 bis 20 Metern Entfernung aus der Hand gezielt zwei Raketen gegen den Bürgermeister und den Ordnungsamtsleiter ab, die in der Nähe des Tabakladens stehen. Eine davon verfehlt Michael Knape nur um etwa einen halben Meter. Erst etwa ein Jahr später, also kurz vor seinem Strafprozess, entschuldigt er sich telefonisch bei ihm.

Nicht Herr seiner Sinne

„Ich habe mich geschämt, schließlich habe ich mir damit nicht gerade Freunde in Treuenbrietzen gemacht“, erklärt der Angeklagte vor Gericht. Er versucht mit seiner Aussage, nicht ganz so rücksichtslos zu erscheinen.

Der als Reinigungskraft arbeitende Treuenbrietzener bezeichnet seine damalige Aktion als „verantwortungslos“. „Ich war stark alkoholisiert und nicht Herr meiner Sinne“, beteuert er auf der Anklagebank. Allerdings bestätigt keiner der Zeugen, dass er einen torkelnden, unzurechnungsfähigen Eindruck gemacht hat.

Das Schöffengericht verurteilt Christian N. wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einem Jahr und drei Monaten Haft ohne Bewährung. Die drei Richter liegen mit ihrem Strafmaß zwischen den Strafanträgen des Staatsanwaltes und des Verteidigers.

Strafe ohne Bewährung

Eine abermalige Bewährungsstrafe war in diesem Fall ausgeschlossen. Denn erstens ist Christian N. mittlerweile 16 Mal vorbestraft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Außerdem ist er zweimal während laufender Bewährung straffällig geworden und muss nun zwei alten Strafe und die neue absitzen, in der Summe voraussichtlich.

Auf seine Festnahme im Gericht ist Christian N. vorbereitet, er ist mit Kleidung und Zahnbürste zum Prozess erschienen. Er hatte vor wenigen Wochen eine Ladung zum Haftantritt erhalten, dem er aber nicht gefolgt war.

Von Jürgen Lauterbach

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