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Potsdam-Mittelmark „Den Ehrenkodex gibt es nicht“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Den Ehrenkodex gibt es nicht“
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00:28 12.06.2015
Bürgermeister Michael Knape, Ronny Bellovics (Artefx) und Thomas Reckling (Edis; v. l.) freuen sich über das neue „Sabinchenhaus“. Quelle: U. Klemens
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Treuenbrietzen

„Das ist wirklich schön geworden“, sagt Helga Steinhaus und schaut anerkennend auf das neue „Fachwerkhaus“ vis-a-vis ihrer eigenen Haustür. Dort, wo bis vor kurzem in der Nagelgasse ein altes Trafohäuschen im längst verblichenen Rosa einen ziemlich trostlosen Anblick bot, erstand in nur zwei Tagen ein wahrer Blickfang, der sich nun weitaus besser ins historische Stadtbild fügt.

Erst der zweite Blick verrät dem Betrachter, dass sich hinter der Fachwerk-Fassade noch immer die selbe Trafostation verbirgt. Holzbalken, Tür, Fenster, Fensterläden und sogar ein Blumenkasten mit blühendem Balkonschmuck sind täuschend echt aufgemalt. Selbst die diebische Dienstmagd Sabine und ihr Schuster, die zwei wichtigsten Gestalten aus der Stadtlegende, fehlen nicht. „Alles wirkt so echt, dass ich am Anfang Angst hatte, dass unsere Pferde davor scheuen würden“, sagt Helga Steinhaus und lacht. „Tun sie aber nicht.“

Das neue Sabinchenhaus ist das nicht nur das jüngste, sondern auch das auffälligste Ergebnis der Kooperation zwischen der Stadtverwaltung, dem Energieversorger Edis und dem Potsdamer Unternehmen Art–EFX. Seit 2003 hat sich dieses beim Umgang mit Pinsel, Edding und Sprühdose deutschlandweit einen Namen gemacht.

20 graue Verteilerkästen, jeweils zur Hälfte der Stadt und dem Energieversorger gehörend, sowie die besagte Trafostation in der Nagelgasse zu verschönern, lautete nun die Herausforderung. Beide Auftraggeber haben bereits gute Erfahrungen mit den Potsdamern gemacht. „500 Objekte waren es in den vergangenen neun Jahren allein für die Edis“, sagt Art-EFX-Geschäftsführer Ronny Bellovics. Zwei dieser Objekte befinden sich in Treuenbrietzen.

Sich einzubringen über die Energieversorgung hinaus sei selbstverständlich, versichert Thomas Reckling. Er hat als Edis-Kommunalbetreuer das Projekt vor Ort betreut. Aufgrund der guten Erfahrungen verlässt er sich selbst bei der Wahl der Motive vollständig auf die Ideen und Können der Potsdamer.

Kunst nach Wunsch

Das Potsdamer Unternehmen Artefx besteht seit 2003 und beschäftigt derzeit aus 21 Mitarbeiter. Dazu kommen drei Auszubildende, die hier den Beruf des Mediengestalters erlernen.
Die Auftraggeber sind überwiegend Kommunen und Unternehmen, aber auch Privatleute. Artefx ist nicht nur deutschlandweit im Einsatz, sondern auch im europäischen Ausland.
Die Mitarbeiter sehen sich als Dienstleister, die mit künstlerischen Mitteln Kundenwünsche erfüllen. Anders als Graffiti-Künstler arbeiten sie auch mit Pinsel und wetterfestem Filzstift. uk

„Entweder, wir gestalten die Objekte so, dass sie sich in die Umgebung einfügen und somit praktisch verschwinden, oder wir greifen regionale Themen auf, die wir dann in den Vordergrund rücken“, sagt Ronny Bellovics. Wie gut das in Treuenbrietzen gelungen ist, kann ein jeder nun bei einem Stadtbummel selbst in Augenschein nehmen. Klinkerfassaden und Feldsteinmauern wurden täuschend echt imitiert und Sträucher, Bäumchen und Rasenflächen nachgeahmt.

Selbst Bürgermeister Michael Knape (parteilos) wunderte sich laut eigener Aussage bei einem Kontrollgang über einen großen Stapel Steine vor einer Klinkermauer, bis er darin den alten Schaltschrank wiederentdeckte. Was dem Laien wie ein Kunstwerk erscheint, ist für Ronny Bellovics und sein Team ganz normaler Alltag. Für das Trafohäuschen in der Nagelgasse hat sich Artefx-Mitarbeiter Christian Hipp fünf Tage lang mit der Stadtgeschichte befasst und am Entwurf gefeilt. Zusammen mit zwei Azubis machte er sich dann zwei Tage lang vor Ort an die Umsetzung.

Neben dem sichtbaren Sofort-Gewinn für das Stadtbild loben Auftraggeber und Künstler vor allem den Langzeit-Effekt, denn derart gestaltete Wände bleiben fort an erfahrungsgemäß von Vandalismus und Schmierereien verschont. „Auch wenn es den so genannten ’Ehrencodex’ der Sprayer in Wirklichkeit gar nicht gibt“, wie Ronny Bellovics relativiert.

„Aber in der Szene haben die Sprayer ein Feingefühl. Wenn ein Bild gut gemacht ist, hat man davor Achtung.“ Bereits ins Auge gefasst haben Stadt und Art-EFX nun die Verschönerung der mehr als 100 Meter langen Mauer des Bauhofes, die im nächsten Jahr erfolgen soll. Denn die Auftragsbücher der Potsdamer für dieses Jahr sind bereits voll.

Von Uwe Klemens

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