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Der Automann rockt für den guten Zweck

MAZ zu Hause in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf Der Automann rockt für den guten Zweck

Thorsten Höricke wurde in Kleinmachnow geboren, ist Unternehmer in Teltow und hat ein großes Herz. Denn der Eigentümer einer Autowerkstatt hat sich seit Jahren sozialen Themen verschrieben. Er hilft an vielen Stellen – sein bekanntestes Projekt spielt sich aber auf der Bühne ab und heißt „Rock am Kanal“.

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Die Band „Handgezapft“ war im vergangenen Jahr mit dabei beim „Rock am Kanal“ . 1400 Besucher waren begeistert.

Quelle: Friedrich Bungert

Teltow. Thorsten Hörickes Leidenschaft waren seit jeher Autos. „Ich habe immer schon gerne geschraubt, doch eine Kfz-Lehre habe ich nicht bekommen, das war mir nicht vergönnt,“ erzählt der gebürtige Kleinmachnower. Also verlief sein Lebensweg nicht ganz geradlinig: Als Jugendlicher begann Höricke eine Lehre als Mechaniker mit Abitur im Werk für Bauelemente der Nachrichtentechnik „CvO“ in Teltow, die er jedoch wegen einer Krebserkrankung abbrechen musste. Nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Krankheit folgte eine Lehre zum Werkzeugmacher, 1990 hatte er dann ausgelernt.

Thorsten Höricke in seinem Teltower Betrieb

Thorsten Höricke in seinem Teltower Betrieb.

Quelle: kkh

Über mehrere Stationen, unter anderem als Werbemittelhersteller, kam Höricke schließlich im Juni 1993 zu dem vermutlich unumgänglichen Entschluss, sich doch als Einzelunternehmer mit einem Kfz-Betrieb selbstständig zu machen, „mit nichts als Budget, nur einer Tasche voller Werkzeug, einer Handvoll Schrauben, wilder Ideen im Kopf und der Liebe zum Beruf.“ Der Start war in einer kleinen Garage in Ruhlsdorf, 1995 übersiedelte er in eine alte Lkw-Halle aufs Biomalzgelände nach Teltow und stellte seinen ersten Mitarbeiter ein. Auf Druck der Handwerkskammer folgte 1997 auch ein Meister ins Team – Höricke selbst ist bis heute selbst kein Meister. Er könnte ihn sich aufgrund der Berufserfahrung anerkennen lassen, hält das aber nicht für nötig: Er habe bereits drei Meister in seiner Werkstatt, das würde genügen, sagt er.

Nach einem Umzug in größere Räume in der Biomalzfabrik kaufte Höricke 2010 schließlich das jetzige Areal in Teltow, damals eine Industriebrache, um sie zu entwickeln. In dem Gewerbezentrum fand nicht nur seine Werkstatt mit rund 1000 Quadratmetern Platz, sondern er vermietete auch Geschäftsflächen und baute später Mehrfamilienhäuser mit 48 Wohnungen im hinteren Bereich. „Mein wirklich großer Traum war, einmal einen richtig schicken, großen, eigenen Betrieb zu besitzen – und das habe ich mir 2010 verwirklicht“, ist der heute 47-Jährige stolz, der von sich selber sagt: „Schinderhannes ist für mich kein Schimpfwort. Fleißige Menschen haben für mich einen hohen Stellenwert.“

Die Mitarbeiter halten ihrem Chef die Treue

Nach eineinhalb Jahren Bauzeit eröffnete er sein neues Reich im August 2011 – heute arbeiten hier 25 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, sechs von ihnen sind Azubis. Nicht nur aufgrund des Fachkräftemangels übernimmt Höricke seine Lehrlinge auch gerne: „70 Prozent meiner Mitarbeiter sind ehemalige Azubis“, berichtet er. Das Wort „Angestellte“ hasst er übrigens „wie die Pest – es sind Kollegen, Mitarbeiter, mein Team. Sie sind das höchste Gut.“ Und er betont: „Es wird auch wirklich auf Augenhöhe gearbeitet, wir duzen uns alle, man spricht Probleme an, streitet sich auch mal und lacht miteinander. Es ist wie eine kleine Welt, wir haben Männer und Frauen, von 18 bis 52 Jahren, Links- und Rechtsdenkende, Christen, Nichtreligiöse und Moslems, Menschen in Häusern und Mietwohnungen – und wir arbeiten und feiern alle miteinander.“

Zunächst unterstützte der Unternehmer einzelne Projekte

In diesem Jahr hat sich der Chef etwas Besonderes für seine Belegschaft ausgedacht: Er fährt mit allen gemeinsam zum Segeln, um ihnen seine Freizeit-Leidenschaft nahe zu bringen. Alles, was Höricke angreift, macht er mit Enthusiasmus: „Ein Unternehmer macht das nicht wegen des Geldes – der will entwickeln, etwas entstehen sehen.“ Das gilt auch für seine Charity-Aktivitäten. Mit der Geburt seiner Tochter Joanna, heute 14 Jahre alt, begann Höricke – der von sich selbst sagt, er glaube an Gott, sei aber nicht religiös – über das Leben nachzudenken und erkannte, dass er etwas zurückgeben möchte. Zunächst unterstützte er einzelne Projekte wie das Haus Strohhalm e.V., Vereine, die Feuerwehr, den Teltower Tisch mit größeren Geld- und Sachspenden. Auch für Opfer des Jahrhunderthochwassers sammelte er Gelder und Sachspenden, trug auch einen eigenen Anteil bei, und übergab die Unterstützung direkt an die Empfänger.

„Der größte Lohn für Hilfe ist ein Danke“, sagt er. Natürlich würde neben den großen Beträgen auch noch viel nebenbei kommen und zu übernehmen sein, Anfragen von Vereinen, Fußballtrikots und ähnliches – aber das sei auch okay, „dafür gibt es Unternehmer auch. Aber Deutschland ist ein Land, das überhaupt viel gibt – gerade Unternehmer suchen sich viele Projekte“, betont Höricke, der auch Seawatch und die Seenotrettung der Nord- und Ostsee unterstützt – Themen, die ihm als Segler besonders am Herz liegen.

„Rock am Kanal“ ist eine echte Erfolgsgeschichte

Zum 20-jährigen Firmenbestehen hat er 2013 dann schließlich „Rock am Kanal“ ins Leben gerufen, ein Benefizkonzert zusammen mit dem Musiker Michael Ritter und Teltower Bands. Das Event stieg am 29. Juni, rund 400 bis 500 Leute waren mit dabei, der Abend versank „in traurigem Regen“, aber eingenommen wurden mehr als 3000 Euro. Der Erlös wurde gespendet. „Und weil das einfach Spaß gemacht hat, haben wir schon an dem Abend beschlossen, es wird eine Fortsetzung geben.“ In den darauffolgenden Jahren fand „Rock am Kanal“ dann im Spätsommer am städtischen Parkplatz an der Knesebeckbrücke statt, die Teltower Musikergemeinde war wieder ohne Gage mit dabei und die Erlöse – die wieder gespendet wurden – betrugen rund 10 000 Euro und mehr. Dabei trägt Torsten Höricke sämtliche Kosten der Veranstaltung, damit die Spendengelder der Besucher und der Sponsoren komplett den Projekten zu Gute kommen.

Wer in diesem Jahr mit dabei sein möchte, sollte sich schon den 9. September vormerken – wenn Höricke wieder für einen guten Zweck abrockt.

Mehr als 1400 Besucher

Bei der Premiere von Rock am Kanal im Jahr 2013 wurden 3448,64 Euro eingespielt – und gespendet an den Teltower Tisch, die Flutopfer des Hochwassers und ein Teltower Ferienprojekt für Kinder und Jugendliche mit Gleichaltrigen aus Partnerstädten in den französischen Alpen.

2014 konnten mit Hilfe von 1200 Besuchern nach Abzug der Kosten 10 462 Euro an das Projekt MoSKiTow (Mobile Spiele für Kinder in Teltow) überreicht werden.

Im darauffolgenden Jahr wurde eine Summe von 12 000 Euro erspielt, die auf mehrere Projekte aufgeteilt wurde, darunter das Kinderhaus Bolle aus Berlin, das Kinder-Nottelefon, den regionalen Sportverein RSV Eintracht 1949 sowie den Heimatverein Ruhlsdorf.

2016 sorgten 1400 Besucher und Sponsoren dafür, dass das KiJuNa Stadtteilzentrum Steglitz mit 11 500 Euro, der ASB-Wünschewagen und der SV Ruhlsdorf mit jeweils 1000 Euro sowie Carat Jugendarbeit Kleinmachnow, die Heimatfreunde Ruhlsdorf, der Förderverein Wasserball Potsdam, die Mädchen-Zukunftswerkstatt und die Naturfreunde Jugend Brandenburg mit jeweils 500 Euro unterstützt werden konnten.

Von Konstanze Kobel-Höller

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