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Der Bus-Banker ist da

Jörn Obermaier fährt seit 15 Jahren für die Kunden der MBS von Dorf zu Dorf Der Bus-Banker ist da

Jörn Obermaier (38) hat zwei Jobs und muss sich nicht mal umziehen. Am Steuer ist er der Kraftfahrer, hinter einer Sicherheitsglasscheibe der Banker. Und das seit 15 Jahren.

Päwesin. Die Arbeitsbekleidung bleibt: weißes Hemd, rote Krawatte. Über das Sakko entscheidet das Wetter. Der Rathenower sorgt dafür, dass die Menschen in den Dörfern zwischen Havelland und Fläming flüssig bleiben. Mit Geld. Obermaier steuert eine von zwei fahrenden Geschäftsstellen der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS).

Hinter der Bezeichnung verbirgt sich ein 7,5-Tonnen-Gefährt in Sparkassenrot. Zweimal die Woche fährt der Bankkaufmann nach einem Zeitplan die Route Weseram-Päwesin-Wachow- Groß Behnitz. Auch die Öffnungszeiten sind genau vorgegeben. Auf dem Päwesiner Kirchplatz zum Beispiel von 10.15 bis 12.45 Uhr.

"Ankommen, hupen, abfahren - das geht bei uns nicht", sagt Obermaier. Das Auto ist mit allem ausgerüstet, um Routinegeschäfte abzuwickeln. Dazu gehört neben vielen Formularen natürlich Bargeld. Die Rede vom "rollenden Tresor" hört MBS-Pressesprecher Robert Heiduck allerdings gar nicht gern. "Es ist lediglich ein knapp bemessener Bestand an Bord. Größere Summen müssen wie in allen Geschäftsstellen angemeldet werden."

Im Heck gibt es einen Wartebereich mit sechs Sitzen, nur durch eine Tür vom Schalterraum getrennt, in dem jeder Kunde einzeln abgefertigt wird. Aus Lautsprechern kommt Antenne Brandenburg für den Fall, dass es am Schalter mal lauter werden sollte.

Manche versorgen sich von ihrem Rentenkonto mit Nachschub fürs Portmonee. Wie Friedel Scheffler: "In Päwesin gibt es keinen Geldautomaten. Da bin ich froh, dass der Sparkassenbus ins Dorf kommt." Auch Jörg Tangemann erledigt seine Geldgeschäfte beim Bus-Banker seines Vertrauens. "Ich nutze den Service seit vielen Jahren. Da kennt man sich", sagt der Rentner.

Obermaiers Kundschaft ist vor allem die Generation 60 plus, der Online-Banking fremd, Überweisungen ein Greuel und Geldbeschaffung in der Stadt oft nicht möglich ist. Die demografische Entwicklung macht vor der Kundschaft der MBS nicht halt. In den nächsten Monaten werden sechs weitere kleine Geschäftsstellen geschlossen, unter anderem im Einkaufszentrum Wust und im havelländischen Buschow. "Wir reagieren nur auf die Marktentwicklung. Da ist die fahrende Geschäftsstelle ein guter Kompromiss, um unseren Versorgungsauftrag in der Fläche erfüllen zu können. Geld verdienen wir mit dem Bus nicht", meint Pressesprecher Heiduck.

Mit einem Kredit kann Jörn Obermaier nicht dienen. Auch bei Baufinanzierungen muss der fahrende Bankkaufmann passen: "Dafür mache ich Termine mit unseren Spezialisten in den Geschäftsstellen." Momentan hat der MBS-Mitarbeiter anderes zu tun. Mit der Einführung des Sepa-Lastschriftverfahrens müssen Überweisungsaufträge aktualisiert werden. Mit den neuen 22-stelligen Kontonummern sind nicht nur betagte Kunden überfordert. Doch ohne die Umstellung gibt es keine automatischen Abbuchungen mehr, wie zum Beispiel vom kreislichen Abfallwirtschaftsbetrieb APM. Da hilft Obermaier, der sich als Service-Geschäftsstelle versteht, im Sparkassenbus gern beim Ausfüllen der Formulare.

Von Frank Bürstenbinder

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