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Der Flüchtling als Praktikant

So kann Integration laufen Der Flüchtling als Praktikant

Wer helfen will, kann Geld, Kleidung, Fahrräder oder anderes für Asylbewerber spenden, diese zu Behörden und Ärzten begleiten oder beim Deutschlernen unterstützen. Die Rechstanwältin Katharina Storch in Kleinmachnow hilft auf ihre Weise: Sie hat Rigobert Bashisha eine Praktikumsstelle in ihrer Kanzlei angeboten und der Mann aus dem Kongo hat angenommen. Inzwischen hat der 36-Jährige sogar eine Ausbildung begonnen.

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Katharina Storch (M.) mit der Französin Jeanne Veillerot und dem Afrikaner Rigobert Bashisha.

Quelle: C. Krause

Kleinmachnow. Inmitten trauriger Flüchtlingsschicksale gibt es immer wieder kleine Erfolgsgeschichten. Wie die des 36-jährigen Rigobert Bashisha aus Kinshasa (Kongo), der über Südafrika geflüchtet ist und seit März 2014 in Deutschland lebt. Zu dritt in einem Zimmer im Teltower Männerwohnheim. Bald sind sie zu viert in zwei Etagenbetten.

Anders als seine Zimmergenossen aus Pakistan und Afghanistan, versucht Bashisha, der nur eine Duldung als Aufenthaltsstatus besitzt, zielstrebig hier Fuß zu fassen. „Ich will viel lernen“, sagt der freundliche Mann, der schon gut deutsch spricht. Jetzt hat ihn die Kleinmachnower Rechtsanwältin Katharina Storch innerhalb einer sogenannten Einstiegsqualifikation – gefördert über die Arbeitsagentur – als Praktikanten in die Kanzlei geholt.

Dort bearbeitet er den Posteingang, legt Akten an, baut das Rechnungswesen mit Exceltabellen im Computer auf, hat sich in das Verfahren der Mahnbescheide reingefuchst, beherrscht den Telefondienst und bekommt eine allgemeine Einführung in das deutsche Rechtswesen. „Rigobert nimmt auch an meinen Mandantengesprächen teil. Es gilt natürlich die berufliche Schweigepflicht“, betont die Anwältin. Bislang habe es nur positive Reaktionen auf ihren „Kollegen“ gegeben – und manche Mandanten fragten, wie denn auch sie Flüchtlingen helfen könnten. Katharina Storch hatte sich an die entsprechende Koordinatorin in der Gemeinde gewandt. „Ich wollte meinen Beitrag zur Willkommenskultur leisten und jemandem eine Chance bieten“, erzählt die 54-jährige Göttingerin, die in der Republik Elfenbeinküste aufgewachsen ist. Dort hatte ihr Vater Deutschlehrer ausgebildet. Sie selbst studierte später in Paris und Berlin. Seit 1995 lebt sie in Kleinmachnow.

Bei Null fängt der Afrikaner freilich nicht an. Nach dem Abi hat er in Kinshasa an der Universität Politik- und Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen studiert; jedoch ohne Abschluss. Er beherrscht Französisch, Tshiluba, Englisch, Suaheli, Lingala und hat „erweiterte Kenntnisse“ in Deutsch. Storch bezahlt ihm einen weiteren Deutsch-Kurs für 150 Euro an der Volkshochschule Zehlendorf und für 146 Euro einen fürs Zehn-Finger-Tastschreiben. Am Oberstufenzentrum für Wirtschaft und Verwaltung in der Potsdamer Waldstadt hat er jetzt als Gastschüler die duale Ausbildung begonnen. Inmitten von 22 16- und 17-jährigen Mädchen versucht der 36-jährige Mann, der nur noch einen zweiten Geschlechtsgenossen in der Klasse hat, mitzuhalten. „Aber die Deutschen sprechen zu schnell, das ist für mich sehr schwer“, bedauert er. Rassistische Attacken habe er nicht erlebt, die Mädchen seien sehr distanziert und unsicher, aber er habe eine befreundete Gruppe und bekomme auch Hilfsangebote, erzählt er. Und: „Ich strebe die Prüfung an und möchte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter werden – und dann hier arbeiten.“ Seine Abschiebung ist vorerst ausgesetzt und seine Duldung um sechs Monate verlängert worden.

Inzwischen sind bei der Arbeitsagentur drei Vermittlungsangebote von Potsdamer und Berliner Kanzleien für Bashisha eingegangen. Dort könnte er den Praxisteil seiner Ausbildung absolvieren. „Ich mag es, wenn jemand Energie zeigt und ein Ziel hat“, sagt Storch. Gerade absolviert auch die junge Rechtsanwältin Jeanne Veillerot (24) aus Paris eine freiwillige Fortbildung in ihrer Kanzlei. „Sie sehen, bei uns ist Multikulti!“, so die Anwältin.

Eigene und geförderte Qualifikation

Rigobert Bashisha (36/Kongo) aus dem Teltower Flüchtlingsheim arbeitet im Rahmen einer Einstiegsqualifikation in einer Anwaltskanzlei in Kleinmachnow. Die Rechtsanwältin Katharina Storch, spezialisiert auf Vertrags-, Verwaltungs-, Bau-Immobilienrecht, hat dafür einen Qualifizierungsvertrag abgeschlossen.

Das Qualifizierungsprogramm der Arbeitsagentur war ursprünglich gedacht für Schulabbrecher, wurde aber im Sommer von der Bundesregierung für Geflüchtete erweitert.

Monatlich erhält Bashisha 336 Euro nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, das Sozialamt zahlt die Miete für sein Bett im Heim, und Storch reicht die 200 Euro, die sie von der Arbeitsagentur als Förderung für den Praktikumsplatz bekommt, an den Flüchtling weiter.

Der 36-Jährige hat nach seinem Studium ohne Abschluss im Kongo als Restaurantmanager und Lkw-Fahrer gearbeitet. Nach seiner Flucht war er in Südafrika als Verwalter eines Studentenwohnheimes, Lkw-Fahrer und Leibwächter für Geschäftsleute tätig. Seit Dezember 2014 leitet er die Wohnheimwäscherei im Teltower Flüchtlingsheim. Im August 2015 begann er, in der Kleinmachnower Anwaltskanzlei zu hospitieren, im September startete dort sein Praktikum.

Bashisha besitzt Lkw- und Taxi-Führerscheine, hat EDV-Kenntnisse, tritt als Konfliktmanager auf und hat an nationalen Ringer-Wettkämpfen teilgenommen. Er spricht sechs Sprachen, darunter drei afrikanische.

Um konzentrierter lernen zu können, würde er lieber in eine eigene kleine Wohnung ziehen wollen.

 

Von Claudia Krause

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