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Potsdam-Mittelmark Der „Gummi-Indianer“ ist aus Holz
Lokales Potsdam-Mittelmark Der „Gummi-Indianer“ ist aus Holz
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17:26 12.09.2017
„Gummiindianer“ von Ulf Schüler, Holz. Quelle: Laude
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Kleinmachnow

Ulf Schüler hat kein Problem damit, sich bei der Arbeit zu unterhalten. Der Potsdamer Bildhauer ist interessierte Zuschauer gewöhnt. Marion Angulanza dagegen arbeitet in aller Regel in der Abgeschiedenheit ihres Ateliers im Kunstzentrum Tegel-Süd. Jetzt, im Rahmen der vom Kunstverein „Die Brücke“ organisierten Kunstwoche im Kleinmachnower Kultraum, kann man aber auch ihr über die Schulter schauen.

Noch bis Freitag besteht die Möglichkeit dazu. Zugleich lädt im Kultraum eine Ausstellung ein. Am Sonnabend ab 18 Uhr findet dann das Künstlerfest statt. Es können auch Arbeiten der Künstler erworben werden. Neben Ulf Schüler und Marion Angulanza sind Anna Martha Napp und Bettina Lüdicke beim öffentlichen Arbeiten dabei.

Die Künstler zwischen ihren Werken: Marion Angulanza, Ulf Schüler, Bettina Lüdicke und Anna Martha Napp (v. l.). Quelle: Laude

Schüler, der in Potsdam geboren wurde und vor dem Kunstschulbesuch eine Ausbildung als Kommunikationselektroniker erhielt und danach bei der Marine war, fertigt während der Kunstwoche Köpfe aus Stein. Mindestens zwei sollen es werden. Schülers Produktivität hängt auch vom Wetter ab. Er arbeitet im Freien. Auf Modelle greift er bei seinen Skulpturen nicht zurück. Wobei: Für den „Gummiindianer“, der schon auf einem Sockel in der Ausstellung steht, gibt es ein Vorbild: einen Indianer aus Gummi – eine dieser kleinen Figuren also, mit denen wohl jeder Junge irgendwann mal gespielt hat. Schülers Arbeit ist aber größer und aus Holz.

Am Arbeitsplatz von Anna Martha Napp nimmt ein Hund Gestalt an, und zwar nach dem Vorbild ihres Kindheitshundes. Deshalb stehen Fotos des Tieres mit auf dem Tisch. Zunächst hat die Bildhauerin ein Stahldraht-Skelett gefertigt. Seine komplette Form bekommt der Hund, indem das Skelett mit Gipsbinden ummantelt wird. Anna Martha Napp, die in der Nähe von Wismar zu Hause ist, entwirft auch Münzen und Medaillen. Die Wettbewerbe für die Zahlungsmittel werden ausgeschrieben. „Wer gewinnt, dessen Münze wird geprägt“, erläutert Napp. Für die Platzierten gibt es aber auch Honorar. Im Gegensatz zu Münzen müssen Medaillen nicht klassisch rund sein. Hier hat die Künstlerin mehr Gestaltungsspielraum.

Wie Napp arbeitet auch Bettina Lüdicke mit Draht. Bei ihr wird er aber nicht ummantelt. Vielmehr entstehen sehr filigrane Plastiken, die an die Wand oder Decke gehangen oder aufgestellt werden können. Als Material verwendet Bettina Lüdicke Bronze- und Kupferdraht. Den Bronzedraht kauft sie beim Drahtzieher, den Kupferdraht beim Schrotthändler. Es ist das gleiche Material, wie es in der Elektroindustrie verwendet wird. Die Plastiken erhalten ihre Formen, indem die Drähte gebogen und an ihren Knotenpunkten umwickelt werden. Die zarten Linien würden nicht wirken, ohne die Luft dazwischen. Sie ist quasi Teil der Arbeiten. Bettina Lüdicke hatte sich vor zwei Jahren für die Teilnahme an der Kunstwoche beworben. Die anderen Künstler waren von der „Brücke“ eingeladen worden.

Bei Marion Angulanza liegt neben Papier und Bleistiften ein aufgeschlagenes Buch auf dem Tisch. Die in Oldenburg geborene Künstlerin zeichnet Naturmotive und ergänzt sie mit Textauszügen zum Thema, von Humboldt und Goethe zum Beispiel. Ihre Motive hat Marion Angulanza vor allem auf Reisen gefunden, in der Karibik ebenso wie in Berlin und Brandenburg. Angulanza ist begeistert von den Gastgebern des Kunstvereins – nicht zuletzt von Marianne Brose. Ohne Vereinsmitglieder wie sie würde die Kunstwoche, die nun schon zum siebenten Mal stattfindet, nicht erfolgreich sein können: Marianne Brose nämlich kocht für die Künstler das Mittagessen.

Am Samstag steigt das große Künstlerfest

Die 7. Kunstwoche Kleinmachnow findet statt im Kultraum im Landarbeiterhaus, Zehlendorfer Damm 200. Das öffentliche Arbeiten ist noch zu erleben am Donnerstag und Freitag, 11 bis 18 Uhr.

Am Sonnabend um 18 Uhr startet das Künstlerfest. Höhepunkt: Rock’n’Roll-Kabarett mit Michael Krebs und Freunden.

Die Ausstellung läuft bis 1. Oktober, Werke zu Preisen von 400 bis 10 800 Euro erhältlich.

Die ersten Besucher waren schon gleich nach der Eröffnung am Montag zum Kultraum gekommen. Einer von ihnen war Norman Gensel. Er liebe auch gutes Kunsthandwerk, sagt der Gymnasiallehrer, und gehe auch auf Töpfermärkte. Davon gibt es viele. Aber dass in einer Gemeinde hochwertige zeitgenössische Kunst angeboten wird, das sei doch schon etwas Besonderes und das freue ihn sehr, so Gensel.

Von Stephan Laude

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