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Der Herr des giftfreien Waldes

Potsdam-Mittelmark Der Herr des giftfreien Waldes

Wie ökologischer Waldumbau aussehen kann, zeigt Karl Tempel. Er ist Eigentümer eines Waldes in Potsdam-Mittelmark, in dem Esskastanien wachsen, Fledermäuse die Schädlingsbekämpfung übernehmen und Bienen Erholung finden. Der Waldbesitzer ist ein Mann, der gern Klartext redet und den Kopf schüttelt über umweltpolitische Irrläufer im Land Brandenburg.

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„Diese Kiefer bleibt stehen!“ Karl Tempel an einer gut 100 Jahre alten märkischen Kiefer, die er auf keinen Fall fällen will.

Quelle: Jens Steglich

Potsdam-Land. „Eigentum verpflichtet!“ Karl Tempel nimmt das Grundgesetz ernst. Er ist Eigentümer eines 80 Hektar großen Waldes zwischen Borkwalde und Fichtenwalde. Es ist ein Nutzwald, wie fast alle Wälder im Lande. Karl Tempel baut ihn gerade in einen Mischwald um. 25  Laubbaumarten hat er mittlerweile im Kiefernhorst gepflanzt. Dort wachsen jetzt zum Beispiel Rotbuchen, Ebereschen, Eichen und Linden. Er pflanzt sie truppweise, weil Bäume gern in Gesellschaft sind.

Jedes Jahr platziert er zwischen Kiefern auch 300 Stück der Esskastanie, die früher als der „Brotbaum des Südens“ galt, weil er die Menschen ernährte, wenn das Getreide knapp war. „Ich teste hier, ob er für den Waldumbau geeignet ist“, sagt der 69-Jährige. Er ist stolz auf seinen Nutzwald, in dem Menschen spazierengehen oder Pilze sammeln. Für seine Waldumbau-Strategie hat sich unlängst auch eine Abordnung des Bundesumweltministeriums interessiert.

Karl Tempel bemüht sich um einen ökologischen Waldumbau

Karl Tempel bemüht sich um einen ökologischen Waldumbau.

Quelle: Jens Steglich

Nistkästen für Vögel und Fledermäuse

Zu zeigen hat der Waldbesitzer viel – etwa seine Art der Schädlingsbekämpfung. Rund um die Waldumbauflächen, in denen junge Bäume stehen, die besonderen Schutz brauchen, hat er 30 Nistkästen für Vögel angebracht. In der Brutzeit sind sie alle belegt. Tagsüber schwärmen die Vögel aus und fangen Waldschädlinge wie den Kiefernspinner. Abends übernehmen diese Aufgabe Fledermäuse. In den acht Fledermauskästen leben Franzen- und Zwergfledermäuse und der große Abendsegler.

Ein Sanatorium für Bienen

Der Wald von Karl Tempel ist auch ein Sanatorium für Bienen. Ein Imker aus Berlin, der viele Flugbienen durch Pflanzenschutzmittel auf Brandenburger Äckern verlor, stellte 40 schwer angegriffene Bienenvölker in den giftfreien Wald. „Sie haben sich gut erholt.“ Seitdem bringt der Imker sie regelmäßig in den Forst. Als Nebenprodukt entsteht Waldhonig von der „Busendorfer Biene“.

Die Kiefer, ein „wunderbarer Baum“

Wenn Karl Tempel durch seinen Wald in der Busendorfer Heide führt, hält er gern ein Plädoyer für die Kiefer, „einen wunderbaren Baum, der hier seit 10 000 Jahren wächst“. Und der gebürtige Rheinland-Pfälzer redet gern Klartext. „Der ökonomische Druck auf den Wald nimmt weltweit zu“, sagt er. Auch in Deutschland. „Selbst die kleinste Frittenbude ist aus gutem Grund im Wald verboten, 200 Meter hohe Windräder aber dürfen aufgestellt werden.“

Waldabholzung ein „umweltpolitischer Irrläufer“

Für Karl Tempel gehört das Abholzen von Wald im Namen des Klimaschutzes zu den umweltpolitischen Irrläufern, die er mit dem Anbau von Palmöl-Bäumen in Südostasien vergleicht. „Dort wird Regenwald abgeholzt, um Ölpalmen anzupflanzen.“ Der ökonomischen Anreiz ist groß: Palmöl wird etwa gebraucht, um Biodiesel herzustellen. „Wir sind mit Schuld am illegalen Abbrennen des Regenwaldes, damit bei uns die Jeep-Fahrer ruhigen Gewissens Biodiesel fahren können“, so Tempel.

Im Wald hat Karl Tempel 30 Nistkästen für Vögel und acht Fledermauskästen platziert

Im Wald hat Karl Tempel 30 Nistkästen für Vögel und acht Fledermauskästen platziert

Quelle: Jens Steglich

In der Marktwirtschaft zählt nur der Holzpreis

Marktwirtschaft funktioniert hier nicht, so sein Befund. Sie funktioniert nicht, weil der Markt blind ist für Leistungen, die sich nicht in Preisen ausdrücken lassen. Der Wald leistet viel: Er baut Kohlendioxid ab, bindet Staub, produziert Sauerstoff, bietet Tieren Lebensraum und gestressten Menschen Erholung. Abgerechnet wird nur der Holzpreis. Kein Wunder, dass etwa Spargelbauern ein Vielfaches mehr je Hektar verdienen als Waldeigentümer, die nachhaltig ihren Forst bewirtschaften. Karl Tempel kommt beim Einrechnen der Nachpflanzungen auf einen Erlös von 108 Euro pro Jahr und Hektar. Beim Spargelbauern sind es jährlich zwischen 20 000 und 48 000 Euro.

Waldbesitzer verdienen an Windrädern

Waldbesitzer können Geld hinzuverdienen, wenn sie sich Windräder in den Wald stellen lassen. „Pro Anlage gibt es etwa 35000 Euro Pacht jährlich. Deshalb sieht man keinen Proteststurm der Waldbesitzer“, sagt Tempel, der seit 1998 einer ist. „Waldanbau wäre das beste Gegenmittel gegen die Klimaerwärmung, aber es lässt sich nichts damit verdienen“, sagt er und fügt hinzu: „Die Busendorfer Heide haben die Preußen aufgeforstet, ihre Nachfolger öffnen die Tür für die Zerstörung dieses Wald.“

Biografisches

Karl Tempel ist in Rheinland-Pfalz aufgewachsen und wohnt heute in Berlin-Steglitz. Seit 1998 ist er Eigentümer von 80 Hektar Wald zwischen Borkwalde und Fichtenwalde links und rechts des Siebenbrüderweges.

 

Von Jens Steglich

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