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Der Junge, der Rosen an Wände malt

Werbig in Bad Belzig Der Junge, der Rosen an Wände malt

Dirk-Alexander Grams ist in der Schule mit dem DDR-System in Konflikt geraten. Doch er hatte in Niemegk auch gute Lehrer und Begleiter und den Kopf voller Ideen. Nach der Ausreise 1989 hat er viel in der Welt gesehen und zog nun in die Heimat nach Potsdam-Mittelmark zurück.

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Dirk-Alexander Grams mit zwei Bildern, die in seiner Schulzeit entstanden.

Quelle: Christiane Sommer

Werbig. Nur ein einziges Bild hängt im Atelier von Dirk-Alexander Grams an der Wand. Werke des Künstlers, der seit 2012 in Bad Belzigs Ortsteil Werbig lebt und arbeitet, stehen in diesem Raum nur an die Wände gelehnt. Keines wird dort jemals einen Platz erhalten. Der 60-Jährige erklärt: „Das ist Peter-Michael Glöckner, mein Mentor“. Beide verband eine tiefe Freundschaft.

In Niemegk bei der Großmutter aufgewachsen, wurde Dirk-Alexander Grams (60) künstlerische Ader jedoch bereits im Kindesalter entdeckt. Konkret, während der Schulzeit. „Ich hatte damals eine fantastische Zeichenlehrerin“, bemerkt Grams und greift nach einer alten Zeichenmappe. In dieser Mappe bewahrt er seine Erstlingswerke aus jener Zeit auf. „Frau Batt, so hieß meine Lehrerin, hat den Grundstein für meine spätere künstlerische Entwicklung gelegt“, fährt Grams fort und erzählt, wie er Zahnpasta in Ermangelung von Farbe als Deckweiß für seine Zeichnungen nutzte. „Für mich stand schon damals fest, dass ich Künstler werde“, sagt Grams und legt seine Erstlingswerke vorsichtig zurück.

Stichwort Hinterglasmalerei

Die Hinterglasmalerei ist eine besondere, sehr aufwendige und seltene Art der Glasmalerei. Diese Kunst ist auf meisterlichem Niveau in Deutschland und Westeuropa kaum noch vertreten.

Neben der Malerei gibt Dirk-Alexander Grams seit 1991 diverse Kurse. Der Künstler restauriert alte Wandbilder, Skulpturen und Wappen aus privaten und öffentlichen Beständen.

Im alten Pfarrhaus von Werbig (Ortsteil von Bad Belzig) ist auch Grams „Kieke Malschule“ zu Hause. Der Künstler bietet dort Kurse für Kinder und Erwachsene an.

Dirk-Alexander Grams vermittelt Kenntnisse in Maltechniken wie der Acryl-, Aquarell-, Pastell- und Ölmalerei, im Zeichnen sowie in verschiedenen Drucktechniken.

Über die Kinder- und Jugendzeitschrift „Frösi“ lernte er damals auch die alten Meister kennen. Grams erinnert sich an die ihnen gewidmeten Sonderbeilagen, die er regelrecht verschlang. „Rembrandt wurde vorüber gehend mein bester Freund. Dann van Gogh und Dürer.“ War die „Frösi“ ausgelesen, suchte er sich zielgerichtet weiterführende Literatur in die Niemegker Bibliothek – derweil seine Altersgefährten eher „Alfons Zitterbacke“ oder „Die Söhne der großen Bärin“ verschlangen.

Während er die Kunst immer mehr als sein Lebenselixier entdeckt, fällt er im autoritären System der Deutschen Demokratischen Republik immer öfter auf. Er eckt an, polarisiert. In der Schule gilt er bald als Unruhestifter. Der kadertreue Mathelehrer wird zu seinem Feind, der Direktor, Ehemann der Kunstlehrerin, zu einem Beschützer.

Eine Landschaftsstudie

Eine Landschaftsstudie.

Quelle: Christiane Sommer

Als seine Oma im Krankenhaus ist, malt er für sie im Wohnzimmer Rosenstöcke an die Wände. Darüber wird lange in der kleinen Stadt besprochen. Nach der Schule absolviert Grams eine landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Volkseigenen Gut in Schmerwitz. Das Hochschulstudium bleibt ihm versagt. Damit kommt ihm sein Drang nach Freiheit teuer zu stehen. Was ihn jedoch immer mehr beflügelt, sich autodidaktisch einzelne Malstile beizubringen.

Während dieser Zeit lernt er Peter-Michael Glöckner kennen, der von dem Jungen, der Rosen an Zimmerwände malt, gehört hatte. Glöckner, eigentlich ein gelernter Koch, hat zu diesem Zeitpunkt bereits seinen künstlerischen Weg in der DDR gefunden. Er beschließt, den rebellischen jungen Mann privat auszubilden.

Des Malers Werkzeug

Des Malers Werkzeug.

Quelle: Christiane Sommer

Bei ihm erlernt Grams die Kunst der Hinterglasmalerei – die er heute in meisterlicher Perfektion und Präzision ausführt. Ende der 70er Jahre stellt Grams einen Ausreiseantrag, eine schwierige Zeit beginnt. Selbstbewusst arbeitet der junge Künstler weiter und plant Anfang der 80er Jahre eine erste Ausstellung in Belzig. Natürlich unter dem wachen Auge der Staatsmacht. „Ich war damals Burggärtner“, erinnert er sich. Und auch daran, dass er in einer Kita ein großes Märchenrelief an die Wand malte.

„Statisten“ heißt diese Arbeit

„Statisten“ heißt diese Arbeit.

Quelle: Christiane Sommer

Im Frühsommer 1989 wird seinem Ausreiseantrag stattgegeben. Grams darf mit Frau und Kind und zwei Rucksäcken die sozialistische Republik verlassen. Den Mauerfall konnte zu diesem Zeitpunkt kaum jemand erahnen. Im Nachhinein schmeckte die gewonnene Freude über Reise und Redefreiheit etwas bitter.

Nach der Ausreise wird die Familie im Schwarzwald angesiedelt. Um nicht auf staatliche Zuwendungen angewiesen zu sein, fährt der Künstler tagsüber Taxi und jobbt nachts als Barkeeper. Und ihm gelingt die Etablierung in der westdeutschen Kunstszene. Er reist nach Schottland, Italien und Singapur. Kehrt inspiriert zurück. Es folgen Ausstellungen in Stuttgart, Zürich, Versailles und anderen Städten. Bis er die Entscheidung fällt, in die alte Heimat zurückzukehren.

„Zwiegespräch“ ist der Titel dieses Werkes

„Zwiegespräch“ ist der Titel dieses Werkes.

Quelle: Christiane Sommer

Das alte Pfarrhaus von Werbig wird das neue Zuhause. Nah an der Natur, die ihm so lieb ist und die sich in seinen Werken immer wieder findet – nah an den Orten, die er in der Kindheit und Jugend ins Herz schloss.

Von Christiane Sommer

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